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IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung - Ausbildung von Umweltmanagern und Umweltauditoren in Aserbaidschan
Background to the casestudy
Problemdarstellung/Situation
In Aserbaidschan gibt es bislang kaum ausgebildete Umweltmanager, bzw. Umweltauditoren, die in der Lage sind, aserbaidschanische Unternehmen für die Belange des Umweltschutzes zu sensibilisieren. Auf diesem Gebiet besteht dringend Nachholbedarf, da erdöl- und erdgasgewinnende und verarbeitende Industrie, aber auch die chemische Industrie und andere Branchen in den zurückliegenden Jahrzehnten zu einer großen Umweltbelastung beigetragen haben. Diese Umweltverschmutzungen müssen möglichst schnell reduziert bzw. ganz beseitigt werden, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern und die Lebenserwartung zu erhöhen. Die Aufbereitung von Trinkwasser und die Entsorgung von Abwasser sind dabei besonders wichtig.
Den meisten aserbaidschanischen Unternehmern fehlt der Wille, Umweltschutzmaßnahmen zum Wohl von Arbeitnehmern und Bevölkerung einzuführen. Ein Hindernis sind zudem die mangelnden Kenntnisse, wie Arbeitsschutz- und Umweltschutzstandards einzuführen und umzusetzen sind. Druck von staatlicher Seite gibt es seitens des Ministeriums für Ökologie und Naturressourcen durch neu erarbeitete Gesetze genereller Art sowie für die einzelnen Ressourcen Boden, Wasser, Luft. Diese werden jedoch durch die Unternehmen nicht konsequent umgesetzt. Gründe hierfür sind auf der einen Seite die fehlenden personellen Ressourcen, auf der anderen Seite aber auch das mangelnde Problembewusstsein. Eine Ausnahme bildet das wasserwirtschaftliche Unternehmen AZERSU.
Bezug zum Kerngeschäft
Die IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung ist eines der führenden, deutschlandweit vertretenen Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie betriebliches Gesundheitsmanagement. Mit ihrer Tochter dbgs GesundheitsService GmbH ist sie zugleich größter Anbieter für Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie in Europa.
IAS verfügt über gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Aserbaidschan über ein Projekt, das vom Bundesministerium für Umwelt, Natur und Reaktorsicherheit in Berlin gefördert wurde. Weiterhin sind seitens der IAS Stiftung in den zurückliegenden Jahren zahlreiche deutsche Unternehmen auf Grundlage der EMAS-Verordnung (Eco- Management and Audit Scheme) zum Öko-Audit beraten worden.
Hinter dem Engagement der IAS im Rahmen eines PPP-Projektes in Aserbaidschan steht die Idee, das Modell von IAS zur umweltorientierten Beratung von Unternehmen aus Deutschland auf Aserbaidschan zu übertragen und dort langfristig eine eigene Niederlassung zu gründen. Von Aserbaidschan aus könnte dann der Markt in der russischen Föderation und den angrenzenden Staaten erschlossen werden. Aufgrund des starken Interesses des aserbaidschanischen Arbeitgeberverbandes sowie anderer großer internationaler und aserbaidschanischer Unternehmen geht IAS davon aus, dass in Aserbaidschan die Voraussetzungen für eine langfristige Markterschließung der Region günstig sind.
Intension of corporate citizenship
Beschreibung Aktivität
In einer zu Projektbeginn gegründeten Arbeitsgruppe, der u.a. das führende Wasserunternehmen Aserbaidschans AZERSU, die Ministerien für Ökologie und Naturressourcen Aserbaidschans und Georgiens, der Arbeitgeberverband Aserbaidschans und die Klinik Sahhat angehören, wurde das Projektkonzept zum Training von Umweltmanagern und Umweltauditoren aus inhaltlicher und zeitlicher Sicht abgestimmt und bestätigt.
Auf Grundlage dieses Konzepts wurde das Trainingsprogramm in Form eines Leitfadens erstellt und in die russische Sprache übersetzt. Weiterhin wurden zusätzlich Umwelthandbücher für die Bereiche „Abwasser“ und „Trinkwasserversorgung“ erarbeitet und ebenfalls ins Russische übersetzt.
Die Seminare zum Training der Fachexperten wurden mit 13 Teilnehmern aus Aserbaidschan und 2 Teilnehmerinnen aus Georgien begonnen. Auf Grund der politischen Ereignisse in Georgien erfolgte seitens des Ministers für Ökologie Georgiens der Abruf der georgischen Fachexpertinnen. Demzufoge sind 2 zusätzliche Teilnehmer aus Baku kooptiert worden.
Die sehr praxisorientierten Lehrveranstaltungen bestanden aus Vorträgen und praktischen Übungen, u.a. im Pilotunternehmen „Wasserwerk Jeiranbatan“. Hierfür wurden von IAS Berlin Messgeräte zur Erfassung und Bewertung von Arbeitsumweltbedingungen nach Baku transportiert. Neben der Pilotstudie im Wasserwerk Jeiranbatan erfolgten drei weitere Feldstudien in der Pumpstation Tagiev, dem Klärwerk Govsan und im Elektro-Wärmekraftwerk TEZ Baku. Mit Hilfe von Checklisten zur Umweltprüfung in Verbindung mit der Erstellung eines Auditprotokolls wurden die Seminarteilnehmer auf die bevorstehenden Feldstudien eingestimmt. Es wurden jeweils zwei Gruppen gebildet, wobei eine Gruppe die allgemeine Umweltprüfung anhand der Checkliste und die andere Gruppe die Messung der Umweltbedingungen Lärm, Mikroklima und Beleuchtung durchzuführen hatten. Bis zum abschließenden 3. Seminar im 3. Quartal 2008 erstellen die Teilnehmer auf Grundlage der durchgeführten Analysen Verfahrensanweisungen zur Umweltpolitik, zu Umweltzielen, zum Umweltprogramm usw. und erarbeiten Protokolle zur Auswertung der Messungen. Zu beiden Aspekten sind entsprechende Muster diskutiert und übergeben worden. Schließlich wurde im Wasserwerk Jeiranbatan ein Konsultationszentrum "Umweltschutz und Umweltmanagement" eingerichtet, das im September 2008 eröffnet wurde. Die ausgebildeten Fachexperten erhielten ebenfalls im September 2008 ihre Zertifikate als Umweltmanager / Umweltauditoren.
Alle ausgebildeten Umweltmanager und Umweltauditoren sind in die Lage versetzt worden, selbständig umweltorientierte Untersuchungen und Beratungen durchzuführen und die Umgebungsbedingungen Lärm, Beleuchtung, Klima, Gase orientierend zu messen und zu bewerten, so wie es in Deutschland üblich ist. Dies betrifft auch die vorbereitenden Gespräche mit der Geschäftsführung der Unternehmen sowie die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Untersuchungen.
Zielgruppe
Erreicht werden sollen arbeitslose Ingenieure und Ökonomen, aber auch andere an einer zusätzlichen Weiterbildung zum Umweltmanager / Umweltauditor interessierte Fachleute, die sich der Verbesserung der Arbeits- und Umweltbedingungen in Aserbaidschan verpflichtet fühlen.
Eine andere Zielgruppe sind die Geschäftsführer aserbaidschanischer Unternehmen, die zur umweltorientierten Betreung und damit zur Verbesserung der Arbeits- und Umwelbedingungen in ihren Unternehmen sensibilisiert werden sollen.
Implementation
Strategie
Unsere Strategie ist in folgenden drei Richtungen zu charakterisieren.
Erstens wurde sofort zu Projektbeginn ein Netzwerk aufgebaut, das eine enge Kommunikation und Kooperation mit den wesentlichen Projektpartnern gestattet. Diese sind die Ministerien für Ökologie und Naturressourcen, die Nationale Konföderation der Arbeitgeber, der Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsförderverein sowie die Deutsche Botschaft.
Zweitens wurde von vornherein auf eine sehr praxisverbundene Aus- und Weiterbildung gesetzt, da es sich bei den Teilnehmern größtenteils um sehr erfahrene Ingenieure und Ökonomen handelt, die ein neues Einsatzfeld suchen. Die Ausbildungsmethode "Training on the job" war dominierend. Außerdem wurden zwischen den Seminarphasen vor Ort konkrete Anleitungen zum Selbststudium sowie zur Ausarbeitung von Umweltdokumentationen gegeben, um die verfügbare Zeit effektiv zu nutzen.
Drittens wurde die Chance genutzt, stabile Kooperationsbeziehungen mit Unternehmen aufzubauen, die auch nach Projektabschluss bestehen bleiben. Auf diese Weise werden wesentliche Ergebnisse des Projekts nachhaltig in die Praxis umgesetzt.
Ressourcen
Neben finanziellen Ressourcen für Sach-, Verbrauchs- und Reisekosten wurden personelle Ressourcen im Umfang von ca. 15 Mann-Monaten bereit gestellt. Weiterhin sind Regelungen zur Know-How-Nutzung von IAS getroffen worden.
Partner
Partner in Deutschland ist die SEQUA gGmbH, die das Projekt aus Mitteln des BMZ-finanzierten PPP-Programms kofinanziert. Kooperationspartner in Aserbaidschan sind das Ministerium für Ökologie und Naturressourcen, das Wasserunternehmen AZERSU, die Nationale Konföderation der Arbeitgeber ASK sowie der Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsförderverein.
Herausforderungen
Beeinträchtigt wurde das Projekt durch die politischen Ereignisse in Georgien und die damit verbundene Abberufung der ursprünglich beabsichtigten Teilnahme georgischer Fachexperten. Bedingt dadurch mußte die Zahl aserbaidschanischer Teilnehmer operativ aufgestockt werden.
Achievement
Von den 15 umweltorientiert auszubildenden Fachexperten werden voraussichtlich 90 % in Unternehmen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung als Umweltmanager bzw. Umweltauditoren tätig werden und somit die Umweltproblematik in den nächsten Jahren entscheidend im positiven Sinne beeinflussen helfen. Die in die Pilot- und Fallstudien einbezogenen Unternehmen sind für die Belange des Umweltschutzes sensibilisiert worden.
Das im September 2008 eröffnete Konsultationszentrum wird bereits jetzt gut angenommen und wird für die Wasserbranche Aserbaidschans einen Multiplikationseffekt auslösen.
Lessons learned
Um die spezifischen Bedingungen zum Projektgegenstand in der Bundesrepublik Deutschland besser vermitteln und aus Sicht des Seminarteilnehmers kennenlernen zu können, sollte in jedem Fall eine kurze Ausbildungsphase in Deutschland eingeplant werden. Die zunächst entstehenden Mehrkosten werden dann durch ein effektiveres Mittun der Teilnehmer während der Aus- und Weiterbildung im Zielland kompensiert.
Man sollte sich über die Lage der Feiertage in Aserbaidschan informieren und in Abhängigkeit davon die Aufenthalte vor Ort planen, um Ausfälle von vornherein zu vermeiden.
Man muss wissen, dass sich insbesondere die Jugend wieder auf Sitten und Bräuche des Islam besinnt.
IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung
Contact person
Prof. Dr. Manfred Rentzsch (Forschung)
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