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Yayasan German Garment Training Centre (GGTC) - Ausbildung von unterpriviligierten Schülern

Background to the casestudy

Problemdarstellung/Situation

Die Finanzkrise 1998 hat viele Indonesier veranlasst sich neu zu orientieren. Vielen ist ein Neuanfang geglückt, viele kämpfen nach wie vor an den Folgen dieser Krise. Eine gesellschaftliche Folge dieser Zeit ist die nach wie vor sehr hohe Arbeitslosenrate von Absolventen von allgemein- und berufsbildenden höheren Schulen (34% unter allen arbeitslosgemeldeten Personen im Februar 2008 lt. Statistics Indonesia). Auf der anderen Seite übersteigt die Nachfrage von gut ausgebildeten Arbeitskräften bei weitem das Angebot. Im Textilsektor führt dies zu Wettbewerbsnachteilen von indonesischen Textilunternehmen am internationalen Markt. Schlüsselpositionen werden von internationalen Experten besetzt, weil keine heimischen Fachkräfte zur Verfügung stehen. Mangelndes Qualitätsbewusstsein in der Fertigung und im Umgang mit Einkäufern von internationalen Konzernen machen die indonesischen Textilindustrie zu einem Spielball der Globalisierung. Einige deutsche Textilunternehmen haben bereits 1997 erkannt, dass gerade die indonesische Kultur Potentiale für eine enge und loyale Zusammenarbeit bietet. Es wurde beschlossen, der indonesischen Textilindustrie zu helfen, Arbeitskräfte zu qualifizieren, damit den Anforderungen des internationalen Textilmarktes entsprochen werden kann und dass dadurch der indonesische Textilsektor die Entwicklung der internationalen Textilindustrie mitgestalten und sich etwas von den Fesseln der Globalisierungstendenzen im Sektor befreien kann.

Bezug zum Kerngeschäft

Ausbildung ist die Kernaufgabe des International Garment Training Centre (IGTC). Das IGTC sieht sich in erster Linie als ein Umsetzer für CSR-Aktivitäten anderer (Vereinen, Entwicklungsorganisationen, Unternehmen, Ministerien und anderen Verwaltungsinstitutionen), führt aber auch eigene CSR-Aktivitäten durch.
CSR-Aktivitäten am IGTC :

1.) IGTC bietet Kurse und Seminare zur CSR-Philosophie in der Textilindustrie an, dazu gehören Themenbereiche wie „Code of Conduct“ und „Sustainable Development“.

2.) IGTC sieht sich als Vorbild einer gut organisierten wirtschaftlichen Einheit, von der zukünftige Manager in der indonesischen Textilindustrie die Umsetzung von „guter“ Mitarbeiterführung, „sozialen“ Arbeitsbedingungen, bewussten Umgang mit der Umwelt etc. lernen können.

3.) IGTC trägt zur Armutsbekämpfung bei. Spendengelder von Unternehmen, Entwicklungsorganisationen und Vereinen werden für Programme verwendet, die Frauen eine berufliche Qualifizierung geben, damit diese nach Beendigung des Programms eine kleine Näherei führen können.

4.) IGTC tritt als Agent für CSR-Aktivitäten von internationalen Unternehmen auf. Unternehmen beauftragen IGTC mit der Durchführung von CSR-Aktivitäten, indem sie Stipendien oder Programmfinanzierungen bereitstellen. Die Stipendien bringt IGTC in einen Fonds für bedürftige Studenten.

Intension of corporate citizenship

Beschreibung Aktivität

1. IGTC bietet Kurse und Seminare: Kurse und Seminare zu „Code of Conduct“ und „Sustainable Development“ werden Unternehmen im Textilsektor angeboten, damit Unternehmen die Möglichkeit gegeben wird, CSR-Berichte bzw. Sustainability-Reports entsprechend der Global Reporting Initiative (GRI) zu verfassen. Alle Studenten belegen diese Kurse und Seminare verpflichtend während der Ausbildung am IGTC.

2. IGTC agiert als Vorbild: „Corporate Social Responsibility“ ist für IGTC Unternehmenskultur und spiegelt sich wieder in:

i. Mitarbeiterführung: Transparenz von Entscheidungen und in der Administration; Vermittlung von flachen Hierarchien und damit verbunden die Steigerung der Verantwortlichkeit eines jeden Mitarbeiters. Studenten werden angehalten diesen Mitarbeiterführungsstil in Projekt- und Gruppenarbeiten umzusetzen. Im studentischen Zusammenleben wird besonders grosser Wert auf Kooperation gelegt. Gute Studenten werden angehalten, schwächeren Studenten zu helfen.

ii. Arbeitsbedingungen: Sauberkeit am Campus (Innen- und Aussenanlagen), Sicherheit, Planbarkeit hinsichtlich Verlässlichkeit von Terminen sowie Nachhaltigkeit von Aktivitäten und Massnahmen.

iii. Umwelt: Mülltrennung und Kompostierung werden begleitet von einem Campus-Programm zur Abfallvermeidung. Eine Initiative mit den Studenten wurde gestartet unter: „Campus goes Green“. Diesem Motto zur Folge wurden Grünanlagen und Zierteiche angelegt, um das Mikroklima am Campus zu verbessern. Die Nutzung und Aufbereitung von Abwasser ist ein Projekt im Diskussionsstadium.

iv. Menschenrechte: Sämtliche indonesische Ethnien und Religionen sind unter Studenten und IGTC-Personal vertreten. Oberste Maxime ist, dass jeder mit gleichem Respekt und gleicher Würde behandelt wird.

v. Gemeinschaft: IGTC-Management motiviert die Studenten zu gemeinsamen Aktionen in der Freizeit. Erste Ergebnisse sind, dass Studenten des IGTC Englisch- und Mathematikunterricht an die Kinder der umliegenden Gemeinde erteilen. IGTC als Institution leistet seinen Beitrag zur „Gemeinschaftsentwicklung“ durch die Beschäftigung von administrativen und handwerklichen Personal aus der umliegenden Gemeinde.

3. IGTC trägt zur Armutsbekämpfung bei:

i. IGTC implementiert Frauen-Programme (Nähkurse), die von Spenderorganisationen in Auftrag gegeben werden.

ii. Bislang wurden Stipendien an 800 Studenten verteilt, die sich eine weiterführende Ausbildung nicht leisten konnten und zum Zeitpunkt Bewerbung ohne Job waren. Die Stipendien decken die Ausbildungskosten, die Unterkunft im Studentenheim, die Verpflegung (3 Mahlzeiten täglich) und ärztliche Versorgung am IGTC Campus. Nach der Graduierung unterstützt IGTC die Studenten, dass sie eine Anstellung entsprechend ihrer Qualifizierung erhalten. Anstellungsverträge werden mit den potentiellen Arbeitgebern diskutiert.

4. IGTC tritt als Agent für CSR-Aktivitäten auf:

i. Unternehmen bringen im Rahmen von unternehmenseigenen CSR-Akitivitäten Spenden oder Stipendien zu IGTC mit dem Auftrag, entweder gezielte Programme durchzuführen oder die Stipendien dem Stipendien Fonds zuzuführen.

ii. Von 2005 – 2007 wurden mehr als 400 Studenten aus der Region Aceh zu Näherinnen ausgebildet. Diese Aktivitäten wurden von Commerzbank, GTZ und s.Oliver finanziert.

iii. 2007 wurden in Zusammenarbeit mit der GTZ 70 Frauen (im Alter von 18 - 30) aus Yogyakarta und Umgebung zu Naeherinnen ausgebildet. Eine Startfinanzierung ermöglichte es, den Frauen einen eigenen Kleinbetrieb zu eröffnen.

iv. 2004 - 2006 wurden in mehreren Stufen 100 Frauen aus Indramayu und Karawang in Zusammenarbeit mit dem indonesischen Frauenministerium, YKAI, AWA, BWA, mehreren Rotary Clubs und ILO zu Näherinnen ausgebildet, um den Frauen alternative Erwerbsmöglichkeiten abseits der Prostitution zu bieten.

Zielgruppe

Prioritäre Zielgruppe für die Stipendienprogramme sind arbeitslose Absolventen von berufsbildenden - und allgemein höheren Schulen im Altern von 17 – 30 Jahren, die Interesse an einer weiterführenden Ausbildung im Textilsektor bekunden, aber aus finanziellen Gründen sich diese Ausbildung nicht leisten können. Eine weitere Zielgruppe für Programme finanziert von Vereinen und Unternehmen sind Frauen, die als arm eingestuft werden. Dadurch sollen Frauen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen, dass sie eine kleine Näherei selbständig führen können.

Implementation

Strategie

Kurse und Seminare: Zum einen sind die Kurse und Seminare zu den Themen „Code of Conduct“ und „Sustainability Development“ in den verschiedenen Curricula des IGTC verankert, zum anderen werden diese Kurse und Seminare auf Anfrage der Textilindustrie angeboten.

Vorbildwirkung: Die am IGTC „gelebte“ kaufmännische Sorgfalt, welche auch den Umgang mit Mitarbeitern wie auch den Umwelt- und den Nachhaltigkeitsgedanken inkludieren, sollten die Studenten als „normal“ empfinden. IGTC möchte damit zeigen, dass man Unternehmen auch ohne Korruption, Ausbeutung von Mensch, Umwelt und Material erfolgreich führen kann.

Armutsbekämpfung: Die Auswahlkriterien für Stipendiaten beinhalten Indikatoren, die Information über die Bedürftigkeit liefern. Bevor jedoch die Bedürftigkeit festgestellt wird, muss die Leistungsfähigkeit des Studenten bewiesen sein. Nur so kann auch die Nachhaltigkeit des Stipendiums gewährleistet werden. Würden Studenten die Ausbildung abbrechen, könnte nicht von einer Nachhaltigkeit des Stipendiums gesprochen werden.

Agent für CSR-Aktivitäten: Strategie ist es, die Zusammenführung von Gebern und Bedürftigen über die Ausbildung zu garantieren.

Ressourcen

Das IGTC verfügt über 10.000m² Grund und Boden. Das Centre verfügt über 10 Klassenräume inklusive zwei Computerklassen, eine Kleinfabrik mit drei Produktionslinien, eine Bibliothek sowie eine Materialbibliothek, Unterkünfte für 192 Personen, eine Kantine die dreimal täglich warme Mahlzeiten serviert. Weiters gibt es eine Veranstaltungshalle sowie ein Sportfeld für Volleyball, Badminton, Basketball.

Partner

Auszug der Kooperationspartner der letzten zwei Jahre:
American Women’s Association, Jakarta(AWA)
- British Community Council, Jakarta
- British Women’s Association, Jakarta
- Bruecke, Jakarta
- Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM)
- Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)
- EKONID
- Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
- Indonesian Child Welfare Foundation, Jakarta
- IGI Indonesian German Institute, Jakarta
- ILO International Labour Organisation, Jakarta
- Rotary Club, Bogor, Kowloon, Würzburg, Evanstown/US
- Werkgroep 72, Jakarta

Herausforderungen

Spezielle Herausforderungen sieht das IGTC-Management vor allem im Anspruch der Vorbildwirkung, in der Armutsbekämpfung und in der Rolle als Agent für CSR-Aktivitäten.

Vorbildwirkung: Toleranz, Disziplin, Verantwortung übernehmen und Kooperation sind für viele Studenten keine Selbstverständlichkeit. Es bedarf der Kontrolle, der Evaluierung und nötigenfalls der Erarbeitung von gemeinsamen Massnahmen, dass Studenten den Umgang mit Toleranz und Disziplin erlernen. Verantwortung übernehmen und Kooperation lernen die Studenten im Unterricht.

Armutsbekämpfung: Programmumsetzungen mit Frauen haben gezeigt, dass Frauen, wenn sie nicht die nötige Schulbildung und Verständnis mitbringen, dem Training nicht folgen können. Frauen, die mindestens die Grundschule (8 Jahre) abgeschlossen haben, profitieren von den Projekten. Stipendiaten hingegen müssen eine allgemein oder berufsbildende höhere Schule abgeschlossen haben, um das Trainingsprogramm erfolgreich abschliessen zu können.

Agent für CSR-Aktivitäten: Abhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen. In Indonesien ist jedes Unternehmen verpflichtet 2% des Gewinns nach Steuer für CSR-Aktivitäten bereitzustellen. In Zeiten der Rezession bedeutet dies auch einen Rückgang von Zahlungen zum Stipendien Fonds. Es gilt am IGTC ein Instrument zu finden, dass konjunkturelle Schwankungen die Auslastung des IGTCs nicht beeinträchtigt.

Achievement

1. Alle Stipendiaten des IGTCs haben bislang adäquate Arbeit in der indonesischen Textilindustrie gefunden und können einen Lohn erwarten, der über dem Mindestlohn liegt. (Durchschnittsmonatslohn eines IGTC Abgängers beträgt bei Arbeitsbeginn IDR 1,662,000,- Mindestlohn Indonesien 602,702IDR (Statistics Indonesia, 2006)).

2. Das formelle indonesische Berufsbildungssystem sucht die Kooperation mit IGTC.

3. Indonesische Provinzregierungen stellen Stipendien für Studenten der Region zur Verfügung.

4. Internationale Unternehmen und Entwicklungsorganisationen schätzen IGTC als Agenten.

5. Die indonesische Textilindustrie schätzt die Qualität der Ausbildung und versucht sich vermehrt aktiv am IGTC einzubringen.

Lessons learned

In einem Land wie Indonesien muss speziell daran gedacht werden, wie mit der Korruption umgegangen wird. Transparenz, Normen und Standards verhelfen zu sicherem, unabhängigem Arbeiten.

Anforderungskriterien (Zulassungskriterien) für Stipendiaten und Programmteilnehmer unbedingt einhalten, um die Nachhaltigkeit der Ausbildung garantieren zu können.

Ein Trainingsinstitut für berufliche Ausbildung muss wie ein Unternehmen geführt werden, damit den Studenten der „berufliche“ Alltag einer Administration vorgelebt werden kann und sie sich auch darin widerfinden.

Keine direkten finanziellen Zuwendungen an Auszubildende geben, sondern über Angebote wie Ausbildung oder Bereitstellung von Sachmitteln helfen.

Monitoring, Evaluierung, persönliches Coaching sowie Geduld und nachhaltige Aktivitäten sind Voraussetzung für Erfolg.

Keine breite Streuung des Engagements, sondern punktuell konzentrierte, messbare Aktionen planen und implementieren.

Den potentiellen Partner für die Umsetzung von gemeinsamen Vorhaben vorsichtig auswählen und die – überprüfbaren – Ergebnisse aus früheren Projekten des Partners analysieren.

Yayasan German Garment Training Centre (GGTC)

Company business type: Ausbildung und Beratung
Volume of trade: 300.000 EUR
Employees: 45
Countries: Indonesia
Duration of CSR activity: 1999 to ongoing

Contact person

Johann Hoepflinger (Director)

Telephone: +62 811 112127

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