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Bayer AG - Strategische Partnerschaft mit United Nations Environment Programme im Bereich Jugend und Umwelt

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung / Situation

Eine wachsende Weltbevölkerung, knapper werdende Ressourcen, stetig steigende Anforderungen an Welternährung und Gesundheit, Erderwärmung auch als Folge menschlichen Handelns – die Herausforderungen für die heutige, aber auch kommende Generationen sind immens.

Als weltweit tätiges, technologiegetriebenes Erfinderunternehmen bietet die Bayer AG Antworten auf diese drängenden Fragen aus dem Kerngeschäft heraus. Dieser Anspruch ist im Leitsatz des Konzerns „Bayer: Science For A Better Life“ fest geschrieben. Die Herausforderungen sind global und sie sind dauerhaft: Ihnen erfolgreich zu begegnen kann deshalb nur gemeinsam und im Dialog mit denjenigen geschehen, die von den Auswirkungen der heutigen Entwicklungen am stärksten betroffen sein werden: den jungen Menschen weltweit.

Bayer hat daher 2004 als erstes Wirtschaftsunternehmen eine strategische Partnerschaft mit United Nations Environment Programme (UNEP) gestartet und 2007 für weitere drei Jahre bestätigt. Die Partner haben eine Reihe von internationalen Initiativen angestoßen, die junge Umweltaktivisten rund um den Globus vernetzen und mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft ins Gespräch bringen. Der Konzern investiert in die Kooperation mit UNEP jährlich 1,2 Millionen Euro.

Bezug zum Kerngeschäft

Als weltweit produzierendes Unternehmen emittiert Bayer Treibhausgase – und ist damit Teil des Problems Klimawandel. Gleichzeitig entwickelt der Konzern vielfältige Produkte und Lösungen, um dem Klimawandel zu begegnen und seine Folgen abzumildern. Im Rahmen seines integrierten „Bayer Climate Program“ investiert das Unternehmen bis 2010 nicht nur eine Milliarde Euro in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien, sondern verfolgt auch ambitionierte Emissionsreduktionsziele entlang seiner Produktionskette. Die strategische Partnerschaft mit UNEP bietet Bayer die Chance, mit jungen Umweltaktivisten weltweit ein konstruktives Gespräch zu führen, eigene Lösungsansätze aus dem Kerngeschäft zu vermitteln und selbst wichtige Impulse für ein nachhaltig orientiertes Handeln zu gewinnen. Der Austausch zwischen Industrienationen und Schwellenländern nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Wissen zu teilen einerseits, Anregungen zu erhalten andererseits – für Bayer ist der Dialog mit den Vertretern kommender Generationen ein elementarer Baustein seiner Unternehmenspolitik. Diese gründet auf dem Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung, in dem Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft gleichrangig berücksichtigt werden.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität

Bayer Young Environmental Envoy
Jährlich lädt das Unternehmen 50 junge Umweltschützer aus allen Weltregionen zu einer einwöchigen Studienreise nach Deutschland ein. Die Teilnehmer erhalten Informationen aus erster Hand: Sie lernen ressourcenschonende Produktionsverfahren und ökologisch orientierte Produktentwicklung kennen, vertiefen konkrete Aspekte in Workshops und diskutieren: mit dem Bayer-Umweltvorstand, hochrangigen UNEP-Repräsentanten, Nachhaltigkeitsexperten und Vertretern der Politik. Aus dem lokal in Thailand gestarteten Projekt ist eine Dialogplattform geworden, die Jugendliche aus 18 Ländern modernen Umweltschutz hautnah erleben lässt. Das gewonnene Wissen nehmen die in ihren Heimatländern ernannten „jungen Umweltbotschafter“ dorthin mit zurück mit und verwenden es für ihr lokales Engagement.

TUNZA International Youth Conference
Die weltweite Jugend-Umweltarbeit lebt maßgeblich vom Wissens- und Erfahrungsaustausch und dem Aufbau dauerhafter internationaler Netzwerke. UNEP und Bayer forcieren daher ein Jugend-Umweltnetzwerk in den einzelnen Weltregionen. Vertreter aus den Mitgliedsländern der einzelnen Netzwerke treffen sich jährlich zu Regionalkonferenzen, um aktuelle Umwelt-Themen zu diskutieren. Alle zwei Jahre richten die Partner einen globalen Jugend-Umweltgipfel aus, die TUNZA-Konferenz. 2007 luden UNEP und die Bayer AG als Gastgeber und Organisator 180 junge Umweltschützer aus 85 Nationen zur dritten Konferenz nach Leverkusen ein. Eine Woche lang lernten die Teilnehmer umweltbewusste Produktionsverfahren kennen, hielten Arbeitssitzungen und Workshops ab, hörten Vorträge und diskutierten mit Vertretern des Konzerns, von UNEP und weiteren Nachhaltigkeits-Experten. Zur Konferenzeröffnung sprachen u. a. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, UNEP-Chef Achim Steiner und NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers. Aus dem TUNZA-Gipfel gingen nicht zuletzt die für zwei Jahre gewählten Vertreter des „TUNZA Youth Advisory Council“ hervor, der die Positionen und Forderungen der Jugendlichen auch gegenüber den politischen Gremien der Vereinten Nationen koordiniert und vertritt. Bayer richtete eine weltweite Online-Community ein, übergab ein neues Logo und ein schenkte einen eigens komponierten Song: „Time for Action“. Zudem unterstützt der Konzern die TUNZA-Publikation, die online und in einer Druckauflage von 40.000 Exemplaren erscheint, um Zugang zu technisch weniger weit entwickelten Regionen zu finden. „TUNZA“ ist der Oberbegriff für die Jugend-Aktivitäten von UNEP und bedeutet in Kisuaheli „mit Sorgfalt und Hingabe behandeln“.

Eco-Minds
Seit 2005 richten UNEP und Bayer im asiatisch-pazifischen Raum alle zwei Jahre ein interdisziplinäres Forum für Studierende ein, um übergreifende wissenschaftliche Lösungen für praktische Probleme im Kontext von Sustainable Development zu entwickeln. Studierende aus Natur-, Ingenieurs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften entwickeln unter Anleitung internationaler Experten fundierte Fallstudien zu konkreten regionalen Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung. Die Lösungswege sollen sowohl ökonomisch wie ökologisch sinnvoll sein und auf soziale Akzeptanz stoßen.

Internationaler Kinder-Malwettbewerb
Die jährliche weltweite Ausschreibung eines Malwettbewerbs für Kinder bis vierzehn Jahre bietet diesen die Chance, ihre ganz persönliche Sicht auf das Thema Umwelt, ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen  darzustellen. Das Leitmotiv des Wettbewerbs orientiert sich am Jahresmotto des Weltumwelttages. 2008 war das Wettbewerbsthema „Was wir heute gegen den Klimawandel tun können“ – über 15.000 Bilder aus mehr als 100 Ländern erreichten die Juroren. Die regionalen und der globale Gewinner (die vierzehnjährige Gloria Ip Tung aus China) wurden zu den offiziellen Feierlichkeiten des Weltumwelttages eingeladen und feierlich geehrt. Im Anschluss startete eine Ausstellung der besten Bilder mit internationalen Stationen.

Zielgruppe

Die Zielgruppen der strategischen Partnerschaft sind vielfältig: Neben den jungen Umweltaktivisten selbst zählen dazu Vertreter der Politik, Nichtregierungsorganisationen sowie die Zivilgesellschaft in den Ländern selbst, die durch die Initiativen von UNEP und Bayer erreicht werden. Zudem spricht Bayer durch dieses Engagement auch die eigenen Mitarbeiter an, die sich beispielsweise im Rahmen der TUNZA-Konferenz als Corporate Volunteers einbrachten.

Implementierung

Strategie

Die Strategie, die der UNEP-Partnerschaft zu Grunde liegt, verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:

1. Ein klares Bekenntnis der Bayer AG zum Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung und die Dokumentation des facettenreichen Beitrags des Konzerns in diesem Kontext.

2. Die Aufnahme eines konstruktiven und dauerhaften Dialogs mit jungen Umweltaktivisten in allen Regionen der Welt, die als Entscheider von Morgen wichtige Dialogpartner für das Unternehmen bei seinem geschäftlichen und ethischen Handeln sind.

3. Die Positionierung von Bayer als Good Corporate Citizen und damit verbundene Reputationseffekte.

Aus der Doppelrolle, Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung zu sein, resultiert eine Vermittlungsproblematik, die der Konzern traditionell sehr ernst nimmt. Es geht darum, darzulegen, dass Bayer kontinuierlich und engagiert darauf hin arbeitet, verursachte Umweltbelastungen konsequent zu reduzieren – und gleichzeitig umweltfreundliche Produkte und Technologien entwickelt, die den Klimawandel abmildern helfen.

UNEP und Bayer unterhalten eine strategische Partnerschaft. Aus Konzernsicht bedeutet das: Aufmerksamkeit und Involvierung bis auf Vorstandsebene. So bringen sich der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning und der Bayer-Vorstand für Innovation, Technologie und Umwelt, Dr. Wolfgang Plischke, persönlich in dieses Engagement ein.

Ressourcen

Bayer investiert in die UNEP-Partnerschaft jährlich 1,2 Millionen Euro. Darüber hinaus findet eine Anbindung des Engagements an zahlreiche Konzernbereiche statt, beispielsweise durch die Integration von Bayer-Spezialisten in Veranstaltungen, Corporate Volunteering durch Mitarbeiter, das Know-how der Unternehmenskommunikation und der Internet-Entwicklung, das Veranstaltungsmanagement und so weiter.

Partner

Strategischer Partner ist das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, das United Nations Environment Programme, kurz UNEP.

In den einzelnen Projekten gibt es vielfältige Partnerschaften mit NGOs, politischen Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Herausforderungen

Die strategische Partnerschaft mit UNEP adressiert aktiv diverse potenzielle Problemfelder. Die Aufnahme eines internationalen Dialogs mit der wichtigen Stakeholder-Zielgruppe junger Umweltaktivisten hilft, Reputationsrisiken zu vermeiden und bietet die Möglichkeit, die eigene Position in Richtung Politik und Zivilgesellschaft zu kommunizieren: Bayer akzeptiert, als Emittent von Treibhausgasen zum Klimawandel beizutragen, bietet gleichzeitig aber vielfältige Lösungen aus dem Kerngeschäft des Unternehmens heraus – und lädt zu einem transparenten und konstruktiven Austausch über beide Aspekte ein.

Ergebnisse

15.000 Einreichungen aus 100 Ländern im Rahmen des Internationalen Kinder-Malwettbewerbs 2008, 180 Teilnehmer aus 85 Nationen auf dem dritten TUNZA-Umweltgipfel 2007, von dem Print-Medien in einer Auflage von 8,5 Millionen sowie 49 TV- und Radiosender berichteten – die Zahlen zeigen, dass UNEP und Bayer mit den Zielen und Inhalten ihrer Partnerschaft den richtigen Weg beschreiten.

Bundesumweltminister Gabriel bilanzierte 2007: „Bayer stellt eines der besten Unternehmensbeispiele für gelebte gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Entwicklung dar“. Seit 2004 wurde im Rahmen der Partnerschaft ein globales Jugend-Umweltnetzwerk mit mehreren Tausend Beteiligten aufgebaut.
Und UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner hielt aus Anlass des TUNZA-Gipfels fest: "Die Konferenz hat alle Zielsetzungen erreicht und bot für junge UmweltschützerInnen eine einzigartige Gelegenheit, um Erfahrungen auszutauschen und die Bedeutung von Technologie in der Förderung des Umweltschutzes zu erkennen".

Die volle Wertschöpfung dieses Engagements liegt naturgemäß an anderer Stelle und lässt sich nicht in Zahlen oder Statistiken ausdrücken. Sie zeigt sich im Aufbau einer vertrauensvollen und durch wechselseitigen Respekt geprägten Beziehung zwischen dem Konzern und jungen Menschen weltweit, denen die Umwelt ein zentrales persönliches Anliegen ist, und von denen viele in diesem Bereich später eine zentrale Rolle einnehmen werden.

Lessons Learned

Bei einem multilateralen Engagement wie der Partnerschaft zwischen UNEP und Bayer ist das Wissen um soziokulturelle Zusammenhänge, gesellschaftliche Entwicklungsthemen, umwelttechnologische Entwicklungsstände und die Relevanz des Themas Klimaschutz in den jeweiligen Ländern unabdingbar. Bayer gewinnt dieses insbesondere auch über die Einbindung der Konzernniederlassungen vor Ort.

Klimaschutz als gesellschaftliches Handlungsfeld eignet sich für ein Unternehmen, wenn es a) dauerhaft angelegt ist und b) durch einen messbaren Wertbeitrag aus dem Kerngeschäft heraus belegt werden kann.

Ein Unternehmen, das sich in diesem Handlungsfeld innerhalb der Zielgruppe Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene engagieren möchte, sollte beachten: 1. Das Thema und die eigenen Inhalte und Positionen müssen zielgruppengerecht vermittelt werden und 2. tritt neben das eigene inhaltliche Engagement zwingend die persönliche Beziehungsebene, da Jugendliche und junge Erwachsene neben ihrem eigenem Fachwissen und ihrem persönlichen Engagement auch einen emotionalen Zugang zum Weltthema Klimawandel besitzen.

Zuletzt empfiehlt sich unter Gesichtspunkten der Glaubwürdigkeit, Expertise und Seriosität die Zusammenarbeit mit einem reputierten Partner.

Bayer AG

Geschäftsbereiche: Gesundheit, Ernährung, hochwertige Materialien
Umsatz: 32,385 Mrd. EUR
Mitarbeiter: 106.200
Länder: Brasilien, China, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Malaysia, Peru, Philippinen, Polen, Republik Korea, Singapur, Thailand, Venezuela, Vietnam
Zeitraum der Aktivität: 2004 - andauernd

Ansprechpartner

Dirk Frenzel / Gesellschaftspolitik und Umwelt

Telefon: 0049 214 30 29 908