Website-Pfad

Bayer CropScience AG - Bayer CropScience Child Care Program - Die Rechte von Kindern schützen

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung/Situation

In Indien hat Bayer CropScience Ende 2002 das Saatgutunternehmen Proagro übernommen und wurde dabei mit Kinderarbeit in der Produktion von Baumwollsaatgut konfrontiert.

Die Position von Bayer CropScience zum Thema Menschenrechte ist unmissverständlich und beinhaltet ein striktes Verbot von Kinderarbeit. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ist Kinderarbeit in der Landwirtschaft oder bei leichten industriellen Tätigkeiten leider immer noch weit verbreitet und Bestandteil einer tief verwurzelten Kultur.

Armut ist eine der Hauptursachen für Kinderarbeit, allerdings oft nicht die Einzige. Andere Gründe spielen ebenfalls eine große Rolle:

  • Zur erforderlichen Handbestäubung von Blüten bei der Saatgutherstellung seien Kinderhände ideale Werkzeuge und die Körpergröße der Kinder ähnelte der Wuchshöhe der Baumwollpflanzen, so dass eine schnellere Bearbeitung möglich sei.
  • Kinder sind im Vergleich zu erwachsenen Arbeitskräften oft schüchtern und fordern keine geregelten Arbeitszeiten oder etwa die Einhaltung von Pausen.

Bezug zum Kerngeschäft

Die Bayer CropScience AG zählt mit einem Jahresumsatz von rund 6,5 Milliarden Euro (2009) zu den weltweit führenden, innovativen Crop-Science Unternehmen mit den Tätigkeitsbereichen Pflanzenschutz (Crop Protection), Schädlingsbekämpfungsmittel für den nicht-landwirtschaftlichen Gebrauch (Environmental Science) sowie Saatgut- und Pflanzeneigenschaften (BioScience).

Die Geschäftsaktivitäten konzentrieren sich dabei auf die vier Kernkulturen Raps, Reis, Baumwolle und Gemüse. Darüber hinaus hat das Unternehmen die Forschung an verbesserten Getreidesorten aufgenommen. Verstärkt in den Forschungsfokus des Unternehmens rückt auch die Sojabohne.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität

Unmittelbar nachdem wir Kenntnis über Kinderarbeit in unserer Baumwollsaatgutproduktion erhielten, haben wir mit dem Aufbau eines effektiven Paketes von Gegenmaßnahmen begonnen: 

1. Vertragliches Verbot von Kinderarbeit
Verträge, die wir mit unseren Partnern schließen, untersagen unmissverständlich Kinderarbeit. Abgestufte Sanktionen bei Nichtbefolgung und Vorteile beim Verzicht auf Kinderarbeit werden klar vereinbart.

2. Regelmäßige Besuche der Anbauflächen zur Alterskontrolle
Mehrmals pro Saison werden beispielsweise Baumwollanbauflächen von Bayer CropScience-Teams besucht. Dafür ist eine eigene Organisationseinheit verantwortlich. Jährlich erfolgt eine Überprüfung der Ergebnisse durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer.

3. Bildungsangebote „Learning for Life“
Die Initiative erstreckt sich von der Wiedereingliederung in das reguläre Schulsystem bis hin zu berufsbildenden Maßnahmen. Die Projekte unter dem Dach unserer „Learning for Life“ Initiative stellen einen Schwerpunkt im „Bayer CropScience Child Care Program“ dar:

  • Bayer School of Agriculture
    Im Januar 2008 nahm das Berufsbildungszentrum „Bayer School of Agriculture“ nahe Hyderabad, seine Arbeit auf. Es soll unterprivilegierten Kindern im ländlichen Raum praktische Fähigkeiten in der Landwirtschaft vermitteln und sie so auf eine qualifizierte spätere Arbeit vorbereiten.
  • Naandi Foundation – „Creative Learning Centers“
    Im Bundesstaat Andhra Pradesh arbeitet Bayer CropScience mit der indischen Naandi Foundation zusammen. Einschulungen und Rückintegrationen werden damit wirkungsvoll unterstützt. So konnten beispielsweise bislang mehr als 1.000 Kinder seit 2004 wieder in das reguläre Schulsystem eingegliedert werden.
  • Grundlegende Berufsbildung in Schulen – „Introduction to Basic Technology“
    Seit Dezember 2008 bietet das mit zwei erfahrenen Nicht-Regierungsorganisationen durchgeführte Projekt berufsbildenden Unterricht für die 8. und 9. Klasse an. Damit soll die Attraktivität des Schulbesuchs erhöht werden. Bayer CropScience hat zunächst in 5 Schulen im Bundesstaat Karnataka mit dem Projekt begonnen.

4. Schärfung des Problembewusstseins
Schulbildung ist der Schlüssel für späteres höheres Einkommen. Dies vermitteln unsere Kommunikationsmaßnahmen, und sie zeigen den Bauern, dass sie auf den Feldern auch ohne Kinder wirtschaftlich arbeiten können.

5. Anreize für Landwirte
Durch Anreize wie beispielsweise Schulungen im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und durch die Wissensvermittlung zum Pflanzenbau im Rahmen unseres „Target 400“ Programms, unterstützen wir die Wirtschaftlichkeit des Baumwollanbaus.

  • Bayer CropScience hilft bei der Vermittlung von Mikrokrediten zu seriösen Zinssätzen beziehungsweise stellt diese selbst zur Verfügung.
  • In 15 Dörfern im Bundesstaat Karnataka hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Warenterminbörse und der Indischen Post Dienstleistungszentren eingerichtet. Farmer können hier den Wetterbericht erhalten, aber auch Ernteversicherungen, aktuelle Preisinformationen und Angebote zur Zwischenlagerung ihrer Ernten bekommen. Sie erhalten somit einen unmittelbaren Marktzugang. Auch eine umfassende Beratung zum Pflanzenbau wird hier durchgeführt.

Zielgruppe

 

  • Die Baumwollsaatgutproduzenten (Landwirte)
  • Die Menschen aus den ländlichen Gemeinden, die als Feldarbeiter für unsere Produzenten tätig sind
  • Die Kinder aus der Region

Zielgruppen im weiteren Sinne sind auch

  • Nicht-Regierungsorganisationen
  • Schulbehörden
  • Regierungen und
  • die Öffentlichkeit im Allgemeinen.

Sie können uns helfen, dass das „Bayer CropScience Child Care Program“ als gutes Praxisbeispiel zur maßgeblichen Reduzierung von Kinderarbeit weitere Verbreitung findet. 

Implementierung

Strategie

Die Beseitigung von Kinderarbeit ist eine komplexe Aufgabe und erfordert umfassende Lösungsansätze. Um den Kindern wirklich zu helfen, muss sichergestellt sein, dass die Familien mit ausreichendem Einkommen versorgt sind. Gleichzeitig ist den Kindern eine langfristige (Berufs-) Perspektive anzubieten. Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Aufsichts- und Prüfmaßnahmen sollen sicherstellen, dass Kinder nicht auf den Feldern arbeiten – dies ist nur ein Teil der Aufgabe. Viel wichtiger ist allerdings, eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen zu erreichen: Die Bearbeitung der Felder ist auch ohne Kinderarbeit wirtschaftlich erfolgreich durchführbar. Ziel des beschriebenen, mehrstufigen Aktionsprogramms in Indien ist es, den Kindern und ihren Familien in den Anbaugebieten zu verdeutlichen, dass Kinderarbeit kein Weg sein darf, um den Lebensunterhalt sicherzustellen.

Ressourcen

Wesentlicher als der nur schwer zu bezifferbare Input in ein Programm ist das messbar Erreichte. Deswegen wird auf die Nennung einer nur  aufwendig zu ermittelnden und hier wenig aussagekräftigen Zahl verzichtet.

Das Programm von Bayer CropScience ist eine Querschnittsaufgabe von Management, den Spezialisten des Child Care Teams, den Mitarbeitern der Saatgut-Produktionsteams und den Kollegen der Kommunikation, die einen wesentlichen Beitrag zur Schärfung des Problembewusstseins leisten. Daneben tragen auch Mitarbeiter durch Gastvorträge in Schulen und durch ihr ganz persönliches Engagement und ihre Überzeugung zum Gelingen des Projektes bei.

Partner

 

  • Vignana Jyothi (NRO) - berufliche Bildung in der „Bayer School of Agriculture“
  • Naandi Foundation - Einschulung und Rückintegration von Kindern in das staatliche Schulsystem
  • Vigyan Ashram und Prajayatna (NRO) - Umsetzung des „Introduction to Basic Technology“-Projekts
  • Indische Warenterminbörse und Indische Post – Einrichtung dörflicher Servicezentren
  • eigenes Beratungsgremium aus unabhängigen Experten (Fair Labor Association, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), theologische Hochschule Friedensau, The Energy and Research Institute (TERI))

Herausforderungen

Die Akzeptanz für Kinderarbeit ist im ländlichen Bereich Indiens tief verwurzelt. Indem wir klar und unmissverständlich kommunizieren, dass Kinderarbeit von Bayer CropScience nicht toleriert wird, stehen wir mit dieser Forderung zunächst im Widerspruch zum tradierten Wertesystem.

Bayer CropScience musste „Überzeugungsarbeit“ leisten und Vertrauen und Glaubwürdigkeit schaffen, um damit letztlich eine Bewusstseinsänderung zu erreichen. Das Unternehmen konnte langfristig nur erfolgreich sein, indem die Menschen davon überzeugt wurden, dass Kinder mit einer besseren Ausbildung eine bessere Zukunftschance haben.

Diese Bewusstseinsänderung geschah über viele kleine Schritte. Die Menschen erkannten zunächst, dass die Zusammenarbeit mit Bayer CropScience ihnen unmittelbar Vorteile brachte: So konnte durch die Wissensvermittlung über Pflanzenbau beispielsweise der Ernteertrag signifikant und dauerhaft gesteigert werden. Hieraus ergab sich eine erhöhte Bereitschaft zuzuhören und Ratschläge in die Tat umzusetzen.

Ergebnisse

  • In der Bayer CropScience Zulieferkette für Baumwollsaatgut in Indien gibt es keine systematische Kinderarbeit mehr. Es werden nur noch vereinzelte Fälle von Kinderarbeit angetroffen, die sofort unterbunden werden.
  • Das „Introduction to Basic Technology“ Programm ereichte seit dem Start bis zum Juni 2009 bereits 1.000 Kinder.
  • Durch die Zusammenarbeit mit der Naandi Foundation konnten seit Projektbeginn bis zum September 2009 1.402 Kinder in das Schulsystem (re-)integriert werden.
  • In der gemeinsam mit Vignana Jyothi gegründeten landwirtschaftlichen Berufsschule in der Nähe von Hyderabad haben im Januar 2009 die Absolventen des ersten Einjahreskurses abgeschlossen. 19 der insgesamt 27 Absolventen dieses ersten Jahrganges haben eine Anstellung erhalten. Ein zweiter Jahrgang hat im Januar 2010 erfolgreich seine Ausbildung beendet.
  • In den im Dezember 2008 gemeinsam mit der Multi Commodity Exchange India und der Indischen Post ins Leben gerufenen „Dörflichen Servicezentren“ (Gramin Suvidha Kendra) haben sich bis September 2009 337 Anbauer zur Teilnahme am Projekt registriert.
  • Unter dem Dach des internationalen Verbandes CropLife International wurde gemeinsam mit anderen Unternehmen aus der Saatgutindustrie eine Position gegen Kinderarbeit abgestimmt und anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni 2009 veröffentlicht. An der Erstellung der Position waren neben Unternehmen auch Nicht-Regierungsorganisationen wie die Fair Labor Association und zwischenstaatliche Organisationen wie die International Labor Organisation (ILO) und der United Nations International Children’s Emergency Fund (UNICEF) beteiligt.
  • Das von Bayer CropScience zur Verfügung gestellte  Kommunikationsmaterial erreichte geschätzte 9.000 – 10.000 Menschen in Indien.

Lessons Learned

Die umzusetzenden Maßnahmen sollten den Menschen einen unmittelbaren und sofort spürbaren Vorteil bringen. Dies erhöht die Akzeptanz für weiterführende Schritte. Anzustreben ist eine Win-Win Situation für das Unternehmen und die betroffenen Menschen.

Für Bayer CropScience hat sich als vorteilhaft erwiesen mit lokalen, der Landessprache mächtigen Organisationen zusammen zu arbeiten. Eine starke Intervention durch Mitarbeiter aus Europa ist möglichst zu vermeiden, außer wenn ganz spezifisches Know-how punktuell benötigt wird. Europäisches Personal ist meist weder mit den lokalen Gegebenheiten, den kulturellen Besonderheiten noch mit der Sprache vertraut.

Bayer CropScience AG

Geschäftsbereiche: Crop Protection, BioScience, Environmental Science
Umsatz: 6.510 Mio € EUR
Mitarbeiter: 18.700
Länder: Indien
Zeitraum der Aktivität: 2003 - andauernd

Ansprechpartner

Herr Dr. Uwe Brekau, Abteilung Corporate Social Responsibility

Telefon: 02173-38-0