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BMW - Engagement gegen HIV/AIDS
Hintergrund der Fallstudie
Problemdarstellung/Situation
In Südafrika ist AIDS bereits die häufigste Todesursache. Weltweit hat AIDS ein bisher nicht gekanntes Ausmaß angenommen und ist zu einer der größten Herausforderungen unserer Zeit geworden. Wie aus dem jüngsten Weltaidsbericht der Vereinten Nationen hervorgeht, sind etwa 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. HIV/AIDS behindert die gesellschaftliche Entwicklung gerade dort am meisten, wo - wie in Südafrika - Wohlstand und soziale Sicherheit dringend gebraucht werden. Die BMW Group sieht sich aufgrund dieser besorgniserregenden Situation in ihrem Selbstverständnis als "Corporate Citizen" aufgerufen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag zur Bekämpfung des Problems zu leisten. Die BMW Group bietet in Südafrika ihren Mitarbeitern, deren Familien und den Gemeinden durch Aufklärung, Vorbeugung und medizinische Versorgung umfassende Unterstützung im Kampf gegen HIV/AIDS.
Bezug zum Kerngeschäft
Die Pandemie hat in Südafrika zu einem wachsenden Fachkräftemangel geführt. Gut ausgebildete Arbeitskräfte gehen den dort ansässigen Unternehmen aufgrund der Krankheit verloren.
Um dieser Entwicklung gegenzusteuern war die BMW Group eine der ersten Firmen in Südafrika mit einer eigenen Anti-AIDS-Strategie und engagiert sich bis heute umfassend, vor allem auch in den Gemeinden um den Werksstandort.
85% der Belegschaft kennt ihren HIV-Status. Programme in der Krankenstation des Werks ermöglichen zudem, dass HIV-Infizierte möglichst lang weiter arbeiten können.
Ziel des Engagements
Beschreibung der Aktivität
Investition in die Zukunftsfähigkeit Südafrikas
Das Engagement der BMW Group zur AIDS-Prävention und Gesundheitsvorsorge in Südafrika verfolgt das langfristige Ziel, die Rate der Neuinfektionen mit HIV zu senken und bereits HIV-Infizierten eine langfristige Lebensperspektive zu bieten. Insbesondere die junge Generation soll vor Infektionen geschützt werden, um die Zukunft der südafrikanischen Gesellschaft auf allen Ebenen zu sichern.
Nachhaltigkeit
Soziale Ziele des Engagements liegen in der HIV/AIDS-Prävention angefangen bei Kindern und Jugendlichen sowie in der medizinischen Versorgung von HIV-infizierten Mitarbeitern und deren Familien. In das Programm sind neben Mitarbeitern und deren Familien immer mehr auch die Gemeinden, Zulieferer, Händler und die Gesellschaft im Allgemeinen involviert.
Workplace-Programme im BMW Werk in Rosslyn
Als eine der ersten Firmen in Südafrika engagiert sich die BMW Group seit dem Jahr 2000 mit dem Workplace-Programme „AID vor AIDS“ gegen HIV/AIDS im Werk in Rosslyn.
Durch die KAP-Studie wurde im Vorfeld des Programms das Wissen (Knowledge) und die Haltung (Attitutes) der Mitarbeiter gegenüber der Krankheit abgefragt, sowie festgestellt, welche Gewohnheiten (Practices) auf deren Verhalten Einfluss nehmen.
In der Praxis stehen Aufklärungsarbeit, Beratung (inkl. Ernährung und Lebensführung), freiwillige, individuelle und anonyme HIV-Tests, psychologische Betreuung und kostenlose Kondom-Abgabe sowie Behandlungsprogramme für HIV-positive und an AIDS-erkrankte Werksmitarbeiter und deren Angehörige im Zentrum des Engagements.
Seit Beginn des Projektes haben sich 85% der etwa 3000 Mitarbeiter freiwilligen Tests unterzogen und kennen ihren HIV-Status. Das Wissen über die Krankheit und über die eigene Betroffenheit ist Ausgangspunkt für die Wirksamkeit aller Maßnahmen und zentrales Element im Kampf gegen die Pandemie.
Das Gesundheitszentrum des Werks ermöglicht durch eine individuelle Behandlung die medizinische Versorgung HIV-Infizierter, diese können so trotz Infektion möglichst lange ein aktives und normales Leben führen können.
Des Weiteren wird bereits im Werkskindergarten über HIV-Risiken aufgeklärt; für Frauen gibt es ein eigenes Frauenforum. Ziel ist es, durch regelmäßige Diskussionen die Mitarbeiterinnen zu Themen wie „Der Körper und seine Gesundheit“ oder auch zum Umgang mit Missbrauch zu informieren und dadurch zu stärken.
Gemeinde- und Gesundheitszentrum in Soshanguve
Seit 2005 unterstützt die BMW Groups das Gemeinde- und Gesundheitszentrum Soshanguve Multi-Purpose Health & Wellness Centre sowie Schulen in den anliegenden Gemeinden, in denen ein hoher Anteil der Werksmitarbeiter lebt. In dem Zentrum wird eine umfassende medizinische Betreuung und psychologische Beratung für die Bevölkerung angeboten. Die Einrichtungen mit dem vorrangigen Ziel die HIV-Infektionsrate bei Jugendlichen zu senken, können von den 700.000 Einwohnern der Gemeinden genutzt werden. Tatsächlich erhalten 4.000 – 5.000 Menschen jeden Monat gesundheitliche und soziale sowie psychologische Dienstleistungen. Weiter sind ein Ausbildungszentrum, eine Bibliothek und eine Gemüsegärtnerei an das Zentrum angeschlossen.
LoveLife Youth-Centre in Knysna
Zielgruppe
Mitarbeiter und Bewohner der umliegenden Gemeinden, im Besonderen Jugendliche.
Implementierung
Strategie
Das Programm der BMW Group Südafrika beruht auf zwei wichtigen Säulen:
Umfassende Aufklärungsmaßnahmen, um Neuinfektionen zu verhindern und individuelle Behandlungsmaßnahmen, um eine lange Lebenserwartung für HIV-positive bzw. an AIDS-erkrankte Mitarbeiter und deren Familien zu gewährleisten. Schlüsselfaktoren sind dabei ein dezidiertes Testprogramm und die Schaffung bzw. Erhaltung einer Kultur des Vertrauens unter den Mitarbeitern.
Bereits im Dezember 2000 wurden HIV/AIDS-Richtlinien innerhalb der BMW Group Südafrika verabschiedet und der Belegschaft vorgestellt. Die Inhalte wurden auf die allgemeinen Richtlinien des Unternehmens, auf gute Anwendbarkeit und auf die bestehende Rechtslage in Südafrika abgestimmt.
Das Pflegepersonal der Gesundheitsstation wurde gezielt geschult. Eine Vollzeit-Ärztin und ein HIV-Spezialist wurden beauftragt, das Programm zu begleiten. Um die medizinischen Kapazitäten zu erweitern, durchlief das gesamte Pflegepersonal der medizinischen Betriebseinrichtungen intensive Schulungen zur Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten, zur Beratung bei HIV/AIDS-Fragen sowie Fortbildung in punkto Familien- und Eheberatung.
HIV-positive und AIDS-erkrankte Mitarbeiter und deren Familien erhalten über das speziell eingerichtet Gesundheitsprogramm „AID for AIDS“ eine weitreichende Betreuung. Das Personal versorgt sie mit allen erforderlichen Medikamenten, berät zu Ernährung und Lebensführung und unterstützt mit Gesundheitschecks und psychologischer Betreuung.
Ressourcen
- Einsatz personeller Ressourcen: Krankenstation im Werk, Betriebsärzte
- Einsatz finanzieller Ressourcen: für den Kauf von Medikamenten, für den Bau und die Ausstattung von Präventions- und Gesundheitszentren; Mittel für medizinische Betreuung; Mittel für Aufklärungs-Veranstaltung
Partner
Lokaler Partner: SEQUA – www.sequa.de
Sequa ist eine gemeinnützige Organisation des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
SEQUA sichert die Fonds für das ganzheitliche von der Gemeinde geführte Gesundheitszentrum in Soshanguve.
Lokaler Partner: LoveLife Trust – www.lovelife.org.za
Die Kampagne von LoveLife ist nicht nur eine Safer-Sex-Kampagne, sondern eine nationale Jugendbewegung, die sich für einen Lebensstil einsetzt, durch den das Risiko einer HIV-Infektion vermieden wird. Die Programme von LoveLife werden von freiwilligen Jugendlichen, den so genannten "groundBREAKERS", in ganz Südafrika realisiert.
Herausforderungen
1) Herausforderung:
Gesellschaftliche Programme gegen HIV/AIDS auf weitere Produktionsstandorte ausweiten.
2) Herausforderung:
Unterstützung von Händlern und Lieferanten bei der Initiierung und dem Aufbau eigener Programme gegen HIV/AIDS.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde das „Dealer HIV/AIDS“ Projekt in Südafrika initiiert, das durch social network mapping, in der Nachbarschaft von BMW Händlern, die Grundlage für nachhaltige HIV-Programme legt.
Ergebnisse
Errichtung eines Gemeinde- und Gesundheitszentrums in Soshanguve in Werksnähe:
Gesundheitliche und soziale Dienstleistungen sowie psychologische Beratungen für 4.000-5.000 Menschen jeden Monat.
Bau eines Jugendzentrums in einer unterprivilegierten Gemeinde:
Hintergrund des Projektes ist, dass sich die BMW Group neben den zahlreichen Maßnahmen für Mitarbeiter der BMW Standorte nicht nur in umliegenden Gemeinden engagiert, sondern Ressourcen und Erfahrungen in die südafrikanische Gesellschaft überträgt. So kam es das die BMW Group gemeinsam mit Partnern wie z.B. SEQUA ein Gemeinde- und Gesundheitszentrum zur medizinischen und psychologischen Betreuung der Bevölkerung eröffnete.
Das Zentrum trägt sich finanziell selbst und wird unter der Schirmherrschaft der Ikhwezi Group von Mitgliedern der Gemeinde geführt. Durch dieses Gemeindezentrum haben 700.000 Einwohner der Gemeinde Zugang zu einem Gesundheitsdienst, einer Bibliothek, einem Ausbildungszentrum und einer Gemüsegärtnerei.
Um den Erfolg des Projektes sicher zu stellen, hat die BMW Group Südafrika eine Ressourcenbasis von verfügbaren Gesundheits- und sozialen Hilfseinrichtungen in der Umgebung geschaffen.
Lessons Learned
- HIV/AIDS muss nicht automatisch ein schnelles Todesurteil sein, vorausgesetzt man kennt seinen Infektionsstatus.
- Es gibt nicht den „einen“ richtigen Weg im Bereich der Aufklärungsarbeit bzgl. HIV/AIDS. Die weit verbreitete ABC-Nachricht (abstain, be faithful, condomise) wäre vor Ort nur wenig sinnvoll gewesen und wäre an der Realität der Menschen vorbei gegangen, da der größte Teil der Mitarbeiter in monogamen Beziehungen lebt.
- Zentraler Bestandteil des Programms ist die umfassende Beratung für Betroffene und Mitarbeiter, die ihren HIV-Status in Erfahrung bringen möchten. Informiert zu sein bedeutet seinen Lebensstil im Falle einer Infektion aktiv ändern zu können. Zudem erfahren infizierte Menschen durch die Beratung Beachtung und finden Gehör für ihre Probleme.
- Therapien und Medikamente gegen die Entstehung von Retroviren schlagen an und sind erfolgreich.
- Eine gesunde Lebensweise ist essentiell, damit HIV-positive Menschen lange gesund leben können.
- Die Klinik ist ein allumfassendes Gesundheitszentrum und es wird dort nicht nur HIV/AIDS behandelt. Dies vermeidet eine Stigmatisierung von Betroffenen.
Die Rücksichtnahme auf Kultur und Traditionen ist wichtiger Bestandteil des Programms. Aufgrund der Tatsache, dass in Südafrika traditionelle Heiler großes Vertrauen seitens der Bevölkerung erfahren, war es von großer Bedeutung diese in das Programm mit einzubeziehen. Sei es im Bereich der Aufklärungsarbeit oder innerhalb der Gemeinden, um sicherstellen zu können, dass Betroffene regelmäßig ihre Medikamente nehmen.
