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BSH Bosch und Siemens Hausgeräte: Austausch von veralteten und energieineffizienten Kühlschränken in brasilianischen Armenvierteln

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung/Situation

In den brasilianischen Armenvierteln stehen hunderttausend veraltete Kühlschränke mit enorm hohem Stromverbrauch und schlechter Kühlleistung, die größtenteils noch klimaschädliche Gase enthalten und oft undicht sind. Durch den enorm hohen Stromverbrauch der Geräte können viele Bewohner ihre Stromrechnungen nicht bezahlen und wechseln deshalb zu illegalen Anbietern, so genannten "Strompiraten".

Bezug zum Kerngeschäft

Die Favelabewohner erhalten höchst energieeffiziente Kühlgeräte aus der BSH-Fabrik im brasilianischen Hortolandia. Somit trägt die BSH mit einer ihrer Kernkompetenzen dazu bei, dass der Stromverbrauch des Landes sinkt, leistet einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz und sorgt dafür, dass die Bewohner ihre Stromrechnung bei deutlich verbessertem Komfort bezahlen können.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität

Die brasilianische Regierung verpflichtet Energieversorgungsunternehmen, einen festgelegten Teil ihres Umsatzes in Projekte zur Verbesserung der Energieeffizienz im Land zu investieren. Gemeinsam mit Regierung und lokalen Stromversorgern hat die BSH deshalb ein Kühlschrankaustauschprogramm gestartet. Die Energieversorger kaufen die Kühlschränke bei der BSH und stellen den Bewohnern der Armenviertel die Geräte kostenlos zur Verfügung. Die alten Geräte werden von der BSH und ihren Partnerunternehmen abgeholt und umweltgerecht entsorgt bzw. recycelt. Die in den Kühlschränken enthaltenen klimaschädigenden Gase FCKW und FKW werden fachgerecht abgesaugt und zerstört. So wird sichergestellt, dass die Gase nicht in die Atmosphäre entweichen und die alten Kühlschränke auf einer Müllkippe landen oder auf dem Drittmarkt weiterverkauft werden.

Zielgruppe

Arme Bevölkerungsschichten, die sich keinen neuen Kühlschrank leisten können und aufgrund des enorm hohen Stromverbrauchs des alten Geräts ihre Stromrechnung nicht bezahlen können.

Implementierung

Strategie

Das Projekt ist strategisch auf ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit ausgerichtet. Duch den Verkauf der Kühlschränke an die Stromanbieter schafft die BSH ökonomischen Mehrwert. Die neuen energieeffizienten Kühlschränke senken den Stromverbrauch der Bewohner erheblich und verbessern deren Lebenssituation, was ebenfalls einen ökonomischen und sozialen Mehrwert bedeutet. Der geringere Stromverbrauch und die Vernichtung der klimaschädigenden Gase kommen maßgeblich dem Klimaschutz zugute. Die neuen Kühlschränke sparen rund 800 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht beim brasilianischen Energiemix etwa zwei bis drei Tonnen Kohlendioxid pro Kühlschrank in zehn Jahren.

Ressourcen

Die BSH Brasilien stellt den Stromversorgern neben den effizienten und umweltschonenden Kühlschränken das komplette Managementpaket für Logistik und Entsorgung bereit. Dabei werden Partnerunternehmen aus Logistik (Anlieferung und Abholung am Haushalt) und Entsorgung gezielt eingebunden und durch die BSH Vertriebs- und Logistikorganisation gesteuert.

Mit den energieeffizienten Geräten hat die BSH die Technologie FCKW/FKW-freier Geräte für den brasilianischen Markt lokal entwickelt und eingeführt. Das Projekt wird (direkt an die Geschäftsführung angebunden) gemeinsam von den Verantwortlichen für Umweltschutz und Business Development koordiniert.

Partner

Mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wurde im Rahmen eines PPP-Projekts (Public Private Partnership) die Konzeption und Einführung des Austauschprojekts unter Einbindung des Clean Development Mechanism (CDM) nach UNFCCC-Vorgaben (United Nations Framework Convention on Climate Change) durchgeführt.

Herausforderungen

Die energieeffizienten Kältegeräte sind aufgrund der FKW-freien Technologie und spezieller Isolationstechnik deutlich teurer in der Herstellung als herkömmliche Geräte. Zudem gibt es für die BSH eine hohe Marktbarriere, da die Favela-Bewohner die Kühlschränke nicht bezahlen können. Wettbewerber üben hohen Druck auf die Energieversorger aus, diese anstelle der BSH mit kostengünstigeren aber wesentlich energieintensiveren Geräten zu beliefern.

Nur eine gesamtwirtschafltiche und ökologische Betrachtung aller Aspekte konnte die Energieversorger und die Politik von dem Projekt überzeugen. Zusätzlich musste für das Recycling ein Partner mit hohen (EU-)Standards gefunden werden. Weitere Herausforderungen liegen in der Ausweitung des Systems mit Hilfe des Clean-Development-Mechanism-Systems. Hierbei sollen Erlöse aus Emissionsminderungen die Kostennachteile kompensieren bzw. Kaufanreize für breitere Bevölkerungsgruppen schaffen. Dazu ist u.a. eine Entsorgung der Altgeräte unter Einschluss der Vernichtung von Kühlmitteln notwendig. Dies stellt z. Zt. in Brasilien noch eine technologische Barriere dar, zum anderen gibt es Regierungsvorbehalte beim Aufbau des Recycling-Systems bzw. der Freigabe des CDM-Systems.

Ergebnisse

In 2007 konnten bereits mehr als 50 000 Kühlschränke erfolgreich ausgetauscht werden.

Lessons Learned

BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH

Geschäftsbereiche: Hersteller von Haushaltsgroß- und -kleingeräten
Umsatz: 8,8 Mrd. EUR
Mitarbeiter: rund 39.000
Länder: Brasilien
Zeitraum der Aktivität: 2007 - andauernd

Ansprechpartner

Fridolin Weindl

Telefon: +49 (0) 89 - 4590-3391