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IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung - Aus- und Weiterbildung von Betriebsärzten in Aserbaidschan

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung/Situation

In Aserbaidschan gibt es bislang kaum ausgebildete Arbeitsmediziner. Ebenso verfügt das Land nicht über die entsprechenden technischen Ausrüstungen, um arbeitsmedizinische Untersuchungen durchzuführen. Der Wille, Arbeitsschutzmaßnahmen zum Wohl seiner Arbeitnehmer einzuführen, ist bei den meisten aserbaidschanischen Unternehmern noch nicht genügend ausgeprägt. Ebenso fehlen die Kenntnisse, wie Arbeitsschutzstandards einzuführen und umzusetzen sind. Druck von staatlicher Seite gibt es kaum.

Zwar existieren noch entsprechende Gesetze und Regelungen aus GUS-Zeiten; diese werden jedoch durch die zuständigen staatlichen Stellen - dem Arbeits- und Sozialministerium sowie dem Gesundheitsministerium - nicht konsequent genug um- bzw. durchgesetzt. Gründe hierfür sind auf der einen Seite die fehlenden personellen Ressourcen, auf der anderen Seite aber auch das mangelnde Problembewusstsein und der fehlende Wille, Kontrollfunktionen wahrzunehmen. Die Folge sind oft unzumutbare Arbeitsbedingungen und mangelnde Sicherheitsstandards.

Bezug zum Kerngeschäft

Die IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung ist eines der führenden, deutschlandweit vertretenen Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie betriebliches Gesundheitsmanagement. Mit ihrer Tochter dbgs GesundheitsService GmbH ist sie zugleich größter Anbieter für Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie in Europa.

Tätigkeitsfelder sind u.a. die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung von Unternehmen, die Durchführung von Check-ups nach dem Arbeitssicherheits- und Arbeitsschutzgesetz, von Arbeitsplatz- und Umweltmessungen, Beratungen und Maßnahmen im Bereich Betriebs- und Krankenhaushygiene, der Betriebs- und Organisationspsychologie, Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie einschließlich Fahreignungsprüfungen. Die IAS-Stiftung bietet zudem ein umfangreiches Seminarprogramm für Unternehmer an, die sich in den o.g. Bereichen weiterbilden wollen. In dem ausgearbeiteten Trainingsprogramm für die Betriebsärzte Aserbaidschans wird auf diese Tätigkeitsfelder Bezug genommen.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität

Anhand der im Vorfeld vorbereiteten Kriterien sind eine geeignete Klinik zum Aufbau eines Aserbaidschanisch-Deutschen Betriebsärztlichen Zentrums sowie geeignete Unternehmen für Praktika (und als mögliche Kunden für den Zeitraum nach Abschluss des Projektes) ausgewählt worden. Gleichzeitig ist das Wasserwerk Jeiranbatan, ca. 30 km von der Hauptstadt Baku entfernt und zugehörig zu Asersu JSC, als Pilot-Unternehmen für die ersten praktischen Phasen der Ausbildung der weiterzubildenden Ärzte gewonnen worden.

Anschließend wurde ein Trainingsprogramm für die auszubildenden Betriebsärzte erarbeitet und ins Russische übersetzt. Nach dem Transport der Geräte zur Erfassung und Bewertung arbeitsmedizinischer Parameter nach Baku erfolgte eine gründliche labor- und feldexperimentelle Ausbildung unter Einbeziehung der vor Ort verfügbaren Medizintechnik. Als weitere Lehrkräfte wurden aserbaidschanische Experten der Universität Baku einbezogen. Nach einer theoretischen und laborexperimentellen Ausbildung schloss sich eine Feldstudie im Pilotunternehmen „Wasserwerk Jeiranbatan“ an, in dem gemeinsam mit der Geschäftsführung und den Beschäftigten die Vorgehensweise der betriebsärztlichen Betreuung in einem Unternehmen exemplarisch demonstriert und an 2 Tagen trainiert wurde. Dieses Training ist in drei weiteren Unternehmen fortgesetzt worden.

Um das interdisziplinäre Denken und Arbeiten der Ärzte zu schulen, waren bei Rundgängen und Diskussionen in den Unternehmen jeweils die verantwortlichen Ingenieure für Arbeitsschutz anwesend. Die Auswertung der Feldstudien wurde in Protokollen nachvollziehbar dokumentiert, die auch Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen enthalten. Am Ende der Projektlaufzeit konnte den 15 weitergebildeten Fachärzten nach erfolgreicher mündlicher Abschlussprüfung in Anwesenheit des Botschaftsrates der Bundesrepublik Deutschland das Zertifikat als ausgewiesene Betriebsärztin / Betriebsarzt überreicht werden.

Alle ausgebildeten Betriebsärzte sind bereits in der Lage, selbständig arbeitsmedizinische Untersuchungen (Seh-, Hör-, Atemfunktionstests usw.) durchzuführen und die Umgebungsbedingungen Lärm, Beleuchtung, Klima, Gase orientierend zu messen und zu bewerten, so wie es auch in der Deutschland üblich ist. Dies betrifft ebenso die vorbereitenden Gespräche mit der Geschäftsführung der Unternehmen sowie die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Untersuchungen. Mit den in die Feldstudien einbezogenen Unternehmen sind zum Teil Verträge zur Weiterführung der betriebsärztlichen Betreuung nach Projektabschluss vorbereitet worden. Die Betreuung erfolgt von dem in Gründung befindlichen gemeinsamen Unternehmen „Sahhat-IAS Arbeitsmedizinisches Zentrum Baku“.

Zielgruppe

Erreicht werden sollen arbeitslose Ärzte sowie an einer Weiterbildung zum Betriebsarzt interessierte Fachärzte, die sich der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Aserbaidschan verpflichtet fühlen.

Eine andere Zielgruppe sind die Geschäftsführer aserbaidschanischer Unternehmen: Sie sollen für eine betriebsärztliche Betreuung und damit für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in ihren Unternehmen sensibilisiert werden.

Implementierung

Strategie

Unsere Strategie ist in folgenden drei Richtungen zu charakterisieren:

Erstens wurde sofort zu Projektbeginn ein Netzwerk entwickelt, das eine enge Kommunikation und Kooperation mit den wesentlichen Projektpartnern gestattet. Diese sind die Ministerien für Arbeit und Soziales und für Gesundheitswesen, die Nationale Konföderation der Arbeitgeber, der Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsförderverein, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die Deutsche Botschaft.

Zweitens wurde von vornherein auf eine sehr praxisverbundene Aus- und Weiterbildung gesetzt, da es sich bei den Teilnehmern größtenteils um sehr erfahrene Ärzte handelt, die ein neues Einsatzfeld suchen. Die Ausbildungsmethode "Training on the job" war dominierend. Einige der weitergebildeten Ärzte sind in das neu gebildete gemeinsame Zentrum "Sahhat-IAS Arbeitsmedizinisches Zentrum Baku" übernommen worden.

Drittens wurde die Chance genutzt, stabile Kooperationsbeziehungen mit Unternehmen zu entwickeln, die auch nach Projektabschluss eine betriebsärztliche Betreuung dieser Unternehmen gewährleisten und damit die Wirtschaftlichkeit des gemeinsamen Zentrums positiv beeinflussen.

Ressourcen

Neben finanziellen Ressourcen für Sach-, Verbrauchs- und Reisekosten wurden personelle Ressourcen im Umfang von ca. 10 Mann-Monaten bereit gestellt. Schließlich wurde eine Regelung zur Know-How-Nutzung des IAS getroffen.

Partner

Partner in Deutschland war die SEQUA gGmbH, die das Projekt aus Mitteln des BMZ-finanzierten PPP-Programms kofinanziert hat. Partner in Aserbaidschan waren die Ministerien für Arbeit und Soziales sowie für Gesundheitswesen, die Nationale Konföderation der Arbeitgeber ASK, der Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsförderverein, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und Entwicklung, die Universität Baku, das Institut für Berufskrankheiten in Sumgait sowie das "Enterprise Center" von BP.

Herausforderungen

Beeinträchtigt wurde das Projekt durch eine im Bereich des Ministeriums für Gesundheitswesen aufgedeckte Korruptionsaffäre. Bedingt dadurch kam die auf den Weg gebrachte Gesetzgebung auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes ins Stocken, die aber für unser Anliegen sehr hilfreich ist.

Ergebnisse

Von den 15 Betriebsärzten konnten 4 eine Festanstellung finden. Eine Betriebsärztin ist auf Grund ihres Zertifikats selbständig für die betriebsärztliche Betreuung aserbaidschanischer Unternehmen tätig. 10 Betriebsärzte arbeiten in Teilzeit als Fachärzte und versuchen, die vorhandene freie Kapazität je nach Möglichkeiten für die betriebsärztliche Tätigkeit zu nutzen. Die 12 in die Feldstudien einbezogenen Unternehmen haben auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes einen wesentlichen Schritt nach vorn getan und ihre Arbeitsbedingungen zum Teil erheblich verbessert.

Lessons Learned

Um die spezifischen Bedingungen zum Projektgegenstand in der Bundesrepublik Deutschland besser vermitteln und aus Sicht des Seminarteilnehmers kennen lernen zu können, sollte in jedem Fall eine kurze Ausbildungsphase in Deutschland eingeplant werden. Die zunächst entstehenden Mehrkosten werden dann durch ein effektiveres Mittun während der Aus- und Weiterbildung im Zielland kompensiert.

Man sollte sich über die Lage der Feiertage in Aserbaidschan informieren und in Abhängigkeit davon die Aufenthalte vor Ort planen, um Ausfälle von vornherein zu vermeiden.

Man muss wissen, dass sich insbesondere die Jugend wieder auf Sitten und Bräuche des Islam besinnt.

IAS Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung

Geschäftsbereiche: Arbeitsmedizin, Arbeits- und Umweltschutz
Umsatz: 39 Mio. EUR
Mitarbeiter: 669
Länder: Aserbaidschan
Zeitraum der Aktivität: 2004 - 2006

Ansprechpartner

Prof. Dr. Manfred Rentzsch (Forschung)

Telefon: +49 (0) 30 - 547 83 190