Website-Pfad
Metro Cash & Carry Vietnam - Aufbau von Zulieferketten im Obst- und Gemüsebereich
Hintergrund der Fallstudie
Problemdarstellung/Situation
Metro Cash & Carry Vietnam begann seinen Markteintritt in Vietnam im Jahre 2002. Wesentlich für den Erfolg der Handelskette, insbesondere bei Frischobst und –gemüse ist die Existenz von zuverlässigen Zulieferstrukturen im Lande, die Produkte in der von Metro nachgefragten Menge und Qualität liefern. Diese Zulieferstrukturen waren bei Markteintritt nicht existent und mussten erst aufgebaut werden.
Das Thema Lebensmittelsicherheit und Qualitätssicherung von Produkten wurde zu Projektbeginn noch wenig in der Öffentlichkeit thematisiert. Gleichzeitig gab es in Vietnam noch keine gesetzlichen Regelungen, die den WTO Standards im Bereich Groß- und Einzelhandel genügen.
Metro war der erste ausländische Supermarkt, der eine Lizenz zu Errichtung meherer Filialen im Lande erhielt und damit vor das Problem gestellt, Zulieferstrukturen entwickeln zu müssen.
Bezug zum Kerngeschäft
Für Metro als Großhändler ist die Versorgung mit frischen Obst- und Gemüseprodukten ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Aufgrund der geringen Haltbarkeit der Produkte ist es wichtig, dass die Zulieferbetriebe im Land liegen und gut an Metro angebunden sind. Auch die Existenz von Sammelstellen für Obst und Gemüse zum Abtransport in die großen Städte ist wesentlich. Dies ist in Vietnam aufgrund der Länge des Landes eine besondere Herausforderung. Generell ist die Mekong-Region das Hauptanbaugebiet für Agrarprodukte, es kommen aber auch bestimmte Obst- und Gemüsesorten aus dem Norden (Delta des Roten Flusses) und aus Hochland um Da Lat.
Metro hat den Aufbau von zuverlässigen Zulieferstrukturen unter Einhaltung eines Qualitätssicherungssystems zu einem expliziten Ziel erklärt und zielt dabei auch darauf ab, die Bauern/Genossenschaften direkt als Zulieferer – ohne Einschaltung von Zwischenhändlern - direkt an sich zu binden.
Ziel des Engagements
Beschreibung der Aktivität
Mittelpunkt der CSR-Aktivität bildet ein Wissens- und Technologietransfer.
Zum einen wurden insgesamt 112 Workshops und Seminare für über 6.600 Teilnehmer der insgesamt 12 Wertschöpfungsketten abgehalten. Dies umfasste Produzenten/Genossenschaften, staatliche Stellen, Groß- und Einzelhändler etc.
Die Workshops und Seminare wurden von lokalen Trainingsinstitutionen durchgeführt und die Inhalte mit relevanten Wirtschaftsverbänden abgestimmt.
Es wurden Monitoringsysteme eingeführt, die sowohl die Menge an verloren gegangenen Produkten erfassen, als auch die Verbesserungen in Qualität und Hygiene messbar machen.
Drei Bauerngruppen wurden hinsichtlich der Erreichung des GlobalGAP-Standards unterstützt. Zum anderen wurden 13 Bauernkooperativen und lokale Firmen mit Investitionen (Sammelstellen, Kühlhäuser, Sortieranlagen etc.) von Metro gefördert.
Die Abteilung inländische Marktpolitik des Industrie- und Handelsministeriums wurde in der Entwicklung einer modernen Gesetzgebung für den Groß- und Einzelhandel beraten.
Zielgruppe
Es sollen alle Teilnehmer ausgesuchter Wertschöpfungsketten in Vietnam erreicht werden (Bauern, Sammler, Großhändler, Einzelhändler), insbesondere die Gemüsebauern/Obstbauern als ärmster Teil der Kette. Der größte Teil der vietnamesischen Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten und hängt in hohem Masse von der Landwirtschaft (die Landwirtschaft hat einen Beschäftigtenanteil von 68%) und der Möglichkeit landwirtschaftliche Produkte zu verkaufen ab.
Ausgesucht wurden als Zielgruppen Akteure von 12 Wertschöpfungsketten, die sowohl in der Region des Mekong Deltas als auch in der Region um Da Lat und den Roten Fluss angesiedelt sind.
Implementierung
Strategie
Die spezielle Herangehensweise dieses Projekts ist es, alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette zu qualifizieren, um die gewünschten Produkte in der entsprechenden Quantität und Qualität herzustellen. Viele Probleme und großer Wertverlust für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind auf unzureichendes Know-How in den Bereichen der Nachernte-Behandlung, des Sortierens, Verpackens, Transports, Lagerung und Konservierung zurückzuführen. Oft werden in der Wertschöpfungskette aufgrund von unsachgemäßer Behandlung 1/3 der Produkte zu Ausschuss. Um die Haltbarkeit und die Qualität dieser Erzeugnisse zu erhöhen, bezieht die Strategie dieses Projektes alle Teilnehmer der Kette mit ein, um einen reibungslosen Ablauf und effektive Schnittstellen zu garantieren. Gleichzeitig werden die Bauern/ Genossenschaften auch in der Anwendung umweltschonender Anbaumethoden eingeführt, sodass negative Auswirkungen des Obst- und Gemüseanbaus auf die Umwelt reduziert werden.
Ressourcen
Im Vorfeld wurden von Metro zusammen mit zusätzlichen Partnern verschiedene Baselinestudien durchgeführt, die die Relevanz des Themas für Vietnam bestätigten und aufgrund von vorab definierten Kriterien zur Auswahl von 12 Zulieferketten führten. Danach wurden je Kette die genaueren Interventionen definiert.
Im Stadium der Projektdurchführung brachte Metro dann Investitionen in Höhe von 200.000 EUR für das Projekt auf. Diese finanziellen Mittel wurden für die Investitionen in Infrastruktur (Sammelstellen, Sortieranlagen etc.), aber auch in die Durchführung von verschiedenen Seminaren/Schulungen für Mitglieder der Wertschöpfungsketten verwendet. Für die Planung und Durchführung wurde darüber hinaus das benötigte Personal zur Verfügung gestellt.
Wichtig für den Erfolg dieser Aktivitäten war außerdem, dass Metro über die entsprechenden Marktkenntnisse verfügt und die Anforderungen des Marktes und der Kunden kennt. Insbesondere das Wissen bezüglich Qualitätsmanagement und Standards konnte in den Aktivitäten sinnvoll und Ziel führend umgesetzt werden.
Partner
Ja, mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), insbesondere dem Programm zur Förderung von Klein- und Mittelunternehmen in Vietnam. Daruberhinaus wurde mit vielen lokalen Partnern (Instituten, Verbänden, Ministerien etc.) kooperiert. Die GTZ stellte über ihre Fazilität für Public Private Partnerships Mittel in Höhe von Euro 200.000 zur Projektdurchführung zur Verfügung.
Der Schwerpunkt der GTZ Arbeit lag dabei auf der Beratung des Industrie- und Handelsministeriums zur Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Groß- und Einzelhandel. Ausserdem engagierte die GTZ sich im Bereich der Aufbau einer Infrastruktur (Ausbildung von Beratern und Förderung einer zukünftigen Zertifizierungsstelle) für Zertifizierung von Obst- und Gemüse nach GlobalGap Standard. Diese Aktivitäten erfolgen im Rahmen der Wertschöpfungskettenkomponente des o.g. Vorhabens.
Die Zusammenarbeit mit dem Industrie- und Handelsministerium diente vor allem der Anpassung des gesetzlichen Rahmens. Darüber hinaus wurde mit einer Vielzahl von Institutionen zu Ausbildungszwecken kooperiert und um eine möglichst weite Verbreitung des Themas Lebensmittelsicherheit und Bedeutung der Anwendung von Good Agricultural Practices zu erreichen.
Herausforderungen
Da die politische Ebene in Vietnam sehr viel Einfluss auf alle Aktivitäten im Land hat, ist es sehr wichtig, diese in die Planung und Durchführung einzubeziehen, sie von der Sinnhaftigkeit der Unternehmung zu überzeugen und ggfs. auch von dort eine Bereitstellung von Mitteln zu erreichen. Ohne die politische Unterstützung der zuständigen Volkskommitees können Vorhaben nicht erfolgreich sein.
Kulturelle Unterschiede müssen immer beachtet werden, weshalb die Einbeziehung von „lokalem Wissen“ wichtig ist. Auch die Einbindung der Zielgruppe (in diesem Falle die Bauern) und die Sensibilisierung für neue Themen ist für den Projekterfolg wichtig. Da die Priorität der Bauern meistens noch auf kurzfristigem Erfolg und schnellem Umsatz liegt und nachhaltige Landwirtschaft noch nicht sehr verbreitet ist, war die Einbeziehung und enge Zusammenarbeit mit den Bauern/Genossenschaften ein Schlüsselfaktor zum Erfolg.
Um diese Zielgruppen von Investitionen und einer langfristigen Erfolgsstrategie zu überzeugen zu können, wird viel Zeit benötigt. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass der vietnamesische Markt trotz des WTO-Beitritts noch nicht wirklich geöffnet ist und die Produzenten nicht immer verstehen, warum sie internationalen Standards gerecht werden sollen.
Ergebnisse
Die Verluste von Obst und Gemüse auf dem Weg vom Bauern zum Endabnehmer wurden erheblich reduziert (oft bis zu 30%), die Qualität wurde erhöht und es fand eine Verbesserung hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit statt.
Es fand eine Vermittlung von Wissen und der Bereitstellung der nötigen Infrastruktur statt, welche die Kooperativen und Bauern befähigt auch unabhängig von Metro besseren Marktzugang zu erhalten und durch eine verbesserte Qualität der Produkte und der Ausschaltung von Zwischenhändlern ein höheres Einkommen zu erzielen.
Vier Betriebe wurden feste Zulieferbetriebe von Metro. 3 Betriebe/Genossenschaften konnten nach GlobalGap zertifiziert werden und erste Exportaufträge verbuchen. Insbesondere die fest an Metro angebundenen Betriebe haben gute Chancen auch über Metros Eigenmarke „Cali“ auf Exportmärkte zu gelangen.
Lessons Learned
Es ist unbedingt erforderlich, neben den Beziehungen zum zuständigen Volkskommitee einen engen Bezug zu den staatlichen Stellen, in diesem Falle vor allem die nachgeordneten Stellen des Agrarministeriums, Industrie- und Handelsministeriums und des Wissenschafts- und Technologieministeriums zu etablieren. Auch die Verbreitung von Wissen kann über diese Stellen oft sehr gut erfolgen. Die Einbindung von privaten Einrichtungen, wie Erzeugerverbänden/Genossenschaften ist jedoch auch machbar und sehr sinnvoll.
Für das genannte Vorhaben hat sich auch die Zusammenarbeit mit Universitäten bewährt, die über Fachwissen z.B. zu neuen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden verfügen.
