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Omniflora GmbH - Import und Vertrieb von Fairtrade Blumen aus Ostafrika

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung/Situation

Mehr als ein Drittel der Rosen, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Kenia und Tanzania, denn dort ist es rund um das Jahr warm und sonnig. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden meistens schlecht bezahlt während das Blumengeschäft für die Farmer sehr lukrativ ist. Die Löhne sind niedrig und oft werden die branchenüblichen Mindestlöhne nicht gezahlt. Schutzkleidung für die Behandlung der Blumen mit Düngemitteln fehlt ebenso, wie Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. HIV-Erkrankungen sind in Ostafrika weit verbreitet und es fehlt an medizinischer Versorgung und Hilfe für Aidswaisen.

Die teilweise wenig sozialen Zustände auf den von uns betreuten Blumenfarmen und die Aktivitäten von Fairtrade Köln, veranlaßten unser Unternehmen sich in diesem Bereich aktiv zu engagieren und alle Farmen zur Zertifizierung zu bewegen. Wir begannen zuerst mit Max Havelaar in der Schweiz zusammen zu arbeiten und dann mit Fairtrade in Köln und Oslo. Unterstützt werden FT - Projekte in Ostafrika, hauptsächlich in der Umgebung von Arusha in Tanzania und in Nairobi, Naivasha, Thika, Kericho und anderen Gegenden in Kenya.

Bezug zum Kerngeschäft

Unsere Aktivitäten haben sich mittlerweile zum Kerngeschäft unseres Un-ternehmens entwickelt. Wir wickeln ca. 75 Prozent unseres Umsatzes mit Fairtrade-Ware ab.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität

Unser Unternehmen importiert pro Jahr ca. 130 bis 150 Millionen frische Schnittblumen und vertreibt diese an den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland (Edeka/Rewe/KaisersTengelmann/Penny) in der Schweiz (Coop) und an Unternehmen in Skandinavien und Österreich. Die hier anfallende Fairtrade-Prämie in Höhe von 10 Prozent des Blumenwertes wird von unserem Unternehmen an die Joint Bodies der Blumenfarmen in Afrika überwiesen. Damit werden Projekte auf den Farmen oder in den naheliegenden Kommunen finanziert. Es handelt sich um cirka 1,5 Millionen Euro Entwickungsgelder pro Jahr, welche durch die Aktivitäten unseres Unternehmens jährlich nach Afrika transferiert werden.

Zielgruppe

Die Mitarbeiter auf den Blumenfarmen, deren Familien und Mitglieder der Kommunen.

Implementierung

Strategie

Qualitativ hochwertige Schnittblumen über möglichst viele Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels anzubieten und damit möglichst viele Blumenfarmen durch FLO Cert zertifizieren zu lassen um den Kreis der Begünstigten durch die Fairtrade - Prämie zu erweitern.

Ressourcen

Das gesamte Unternehmen bringt sich in diese Aktivitäten ein. Es ist nicht die Aktivität einer Abteilung und begrenzter Ressourcen, viel mehr steht Fairtrade im Mittelpunkt der gesamten Firmenaktivitäten.

Neben den Lizenzgebühren für das Fairtrade – Siegel zahlen wir den Fairtrade – Preis für die Blumen und eine Entwicklungsprämie. Unser Engagement geht aber noch weiter. Wir haben in diesem Jahr - für ein Waisenhaus mit 38 Kindern in Kenia - zusätzlich über 50.000 Euro gespendet . Die Kinder waren kurz davor ihr Dach über dem Kopf zu verlieren. Als ich zusammen mit einem Geschäftspartner aus Schweden von dem Schicksal der Aidswaisen erfuhr, haben wir sofort reagiert und beschlossen die Kinder zu unterstützen. Im kommenden Jahr werden wir in einem nahe gelegenen Krankenhaus eine Station für Wöchnerinnen einrichten.

Partner

Mit Fairtrade Deutschland, Fairtrade Österreich, Max Havelaar Stiftung Schweiz, Max Havelaar Schweden und Flo-Cert in Bonn.

Wir sind die Verbindung mit Fairtrade eingegangen, weil uns das System von Fairtrade Labelling überzeugt hat. Auf der Produzentenseite werden die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessert und zwar nicht über ein Spendensystem, sondern indem ein fairer Preis für die Waren gezahlt wird. Ein Komitee aus Vertretern der Angestellten, Arbeiterinnen und des Management entscheidet demokratisch über die Verwendung des Fairtrade–Premium für soziale Projekte oder Maßnahmen auf der Farm, die zum Umweltschutz, zur Verbesserung der Produktqualität oder Aus- und Fort-bildung der Beschäftigten u.ä. beitragen.

Der Fairtrade Standard und seine Überprüfung durch FLO Cert, einem nach ISO 65 akkreditiertem Zertifizier, garantiert mir als Unternehmen, dass ILO – Kernarbeitsnormen, WHO Richtlinien, und Umweltkonventionen berücksichtigt werden. Das gibt mir die Sicherheit die Lieferkette in meinem Unternehmen in sozial verantwortlicher Weise zu führen.

Herausforderungen

Die Blumenfarmen galt es vom Konzept des Fairen Handels zu überzeugen sowie alle Mitarbeiter der Farmen über Fairtrade zu informieren. Ebenso war eine große Herausforderung und ein wirtschaftliches Risiko auf fair gehandelte Produkte umzustellen und die Handelspartner des Lebensmittelhandels zu überzeugen diese Produkte zu listen obwohl der Verkaufspreis höher ist als der von konventioneller Ware, die über den Handel in Holland bezogen wird.

Ergebnisse

Eine große Anzahl von durchgeführten Projekten durch die Blumenfarmen. Siehe separate Projektlisten im Downloadbereich

Der Erfolg von Fairtrade auf den Blumenfarmen besteht in der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen. Nicht nur die Arbeiterinnen und Arbeiter profitieren von den Verbesserungen, auch Familienangehörigen kommt bspw. die kostenlose medizinische Versorgung zugute. Es werden Schulen gebaut, mit Trinkwasser- und Solaranlagen versehen, Moskitonetzte an Kinder verteilt und Unterkünfte für die Beschäftigten gebaut.

Trinkwasser wird auf den Farmen bereitgestellt, die Beschäftigten erhalten eine Mahlzeit und bekommen die Möglichkeit sich weiterzubilden. Es wird über HIV/AIDS aufgeklärt und regionale Krankenhäuser erhalten Unterstützung für die Behandlung von AIDS-Patienten.

Der Einrichtung von Baumschulen und der Anbau von Tomaten, Spinat, Kohl und anderen Gemüsesorten dient der Ernährungssicherung. Einer Selbsthilfe Kleinkreditkooperative wurde Geld zur Verfügung gestellt.
Kenianern, die 2007 von den Unruhen im Zusammenhang mit den Wahlen betroffen waren, erhielten Nahrungsmittelspenden.

Lessons Learned

Unternehmen, die sich in diesem Feld engagieren möchten müssen bereit sein mit vollem Engagement und Überzeugung eine Vorreiterrolle zu übernehmen und Maßstäbe in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht zu setzen und dauerhaft zu praktizieren.

Entwicklung braucht Zeit und neben Geld auch viele andere Faktoren wie Beratung und Begleitung. Für einen Unternehmer bedeutet es, dass man sich auf einen langjährigen Prozess einlässt und Verantwortung übernimmt. Belohnt wird man am Ende, weil man sieht, wie sich das Leben der Menschen kontinuierlich verbessert.

Omniflora GmbH

Geschäftsbereiche: Blumenimport
Umsatz: 32 Millionen EUR
Mitarbeiter: 61
Länder: Kenia, Tansania
Zeitraum der Aktivität: 2003 - andauernd

Ansprechpartner

Klaus Voss

Telefon: +49 6102 7115 11

Weiterführende Links