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Siemens Stiftung - Discovery Box - Experimentierkasten für die Vorschule

Hintergrund der Fallstudie

Problemdarstellung/Situation

Weltweit nimmt der Bedarf an qualifizierten Ingenieuren stark zu - der qualifizierte Nachwuchs dagegen sinkt. Deshalb ist es für die Zukunft eines Landes von höchster Bedeutung, bereits frühzeitig Kinder und Jugendliche mit den spannenden Themen der Naturwissenschaften und Technik vertraut zu machen und so Interesse und Begeisterung für diesen Bereich zu wecken.

Die Siemens AG fördert dies im Rahmen ihres weltweiten Bildungsprogramms Siemens Generation21. Die früher auf Konzernebene zentral betreuten Projekte aus dem Bereich Vorschule und Schule sind auf die im September 2008 gegründete Siemens Stiftung übergegangen. So auch das Projekt der Discovery Box.

Ende 2005 begann die Siemens AG mit ihrem Engagement im Vorschul¬bereich. Damals zeigten Untersuchungen, dass es für diese Altersgruppe kaum Angebote im Bereich der Naturwissenschaften und Technik gab. Hinzu kamen große Berührungsängste der Erziehungskräfte in Bezug auf die Vermittlung naturwissen¬schaftlicher Kenntnisse.
Um diese Lücke zu schließen, begann Siemens 2005 mit der Vergabe der "Forscherkiste" an Kindergärten in Deutschland; diese wurde von der Science Lab GmbH&Co.KG explizit für diese Zielgruppe entwickelt. Bis heute wurden 3.300 Forscherkisten in Deutschland vergeben. Die große Akzeptanz des Projekts zeigt sich in dem stetig ansteigenden Interesse von Erziehungskräften und Eltern, aber auch in Anfragen von Institutionen aus dem Bildungsbereich sowie der Politik.

Auf Grund des großen Erfolgs und einer ähnlichen Bildungs¬situation in vielen Ländern wurde 2007 eine internationale Version der Forscherkiste - die "Discovery Box" - entwickelt. Diese wird sukzessive, in Zusammenarbeit mit lokalen Kooperationspartnern und den Siemens Regionalgesellschaften weltweit an Kindergärten sowie Vorschulen verteilt.

Bezug zum Kerngeschäft 

Gesellschaftliches Engagement ist seit der Firmengründung vor mehr als 160 Jahren fester Bestandteil der Unternehmenskultur der Siemens AG. Um die Nachhaltigkeit und Sichtbarkeit der Fördermaßnahmen zu schärfen, hat das Unternehmen im September 2008 die gemeinnützige Siemens Stiftung gegründet. Die zuvor zentral auf Konzernebene des Unternehmens betreuten Projekte aus den Corporate-Citizenship-Programmen Siemens Generation21 und Siemens Caring Hands wurden in die Siemens Stiftung übertragen. Dazu gehört auch das Projekt Discovery Box.

Gemäß dem Stiftungsauftrag ist die Förderung der MINT-Bildung einer der Schwerpunkte der Siemens Stiftung. Denn trotz guter Karriereaussichten später im Beruf, sind die MINT-Fächer in Deutschland und anderen Ländern unterrepräsentiert. Neben dem entstehenden Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften, ist durch fehlende Innovation auch die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft bedroht.
Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, unterstützt und initiiert die Stiftung zahlreiche Aktivitäten für Vorschule und Schule, die das Interesse an Naturwissenschaften und Technik wecken und fördern sollen.
Die Vorschule ist dabei ein idealer Ansatzpunkt für die Vermittlung von Grundwerten, Freude am Lernen, technischer Begeisterung und Verständnis für Naturwissenschaften. Mit Hilfe der Discovery Box lernen Kinder diese Themen spielerisch kennen und schaffen eine Basis für den späteren Umgang damit.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität 

Die Discovery Box wurde exklusiv für die Siemens AG von der Science Lab GmbH entwickelt und das Projekt im Januar 2009 auf die Siemens Stiftung übertragen. Die Experimentierkiste ermöglicht Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, Zusammenhänge und Phänomene aus Natur und Technik spielerisch zu erforschen. In zwei stabilen Holzkisten wird eine komplette Ausrüstung zur Durchführung von Versuchen aus den Bereichen Energy & Electricity sowie Environment & Health angeboten. Erzieherinnen und Erzieher erhalten Material, das es ihnen erleichtert die Experimente durchzuführen, ohne sich selbst um die Beschaffung von Hilfsmitteln kümmern zu müssen. Neben Versuchsmaterialien wie Glühbirnen, Elektromotoren oder Thermometern finden sich auch Becher mit Löchern zum Nachbau einer Wasserreinigungsanlage in der umfassenden Materialsammlung. Themenkarten beschreiben und erklären den Experimentieraufbau. Auf der Begleit-DVD, die neben Deutsch und Englisch auch in den Sprachen Französisch, Spanisch und Portugiesisch erhältlich ist, werden die Experimente anschaulich vorgeführt. So können auch ungeübte Erziehungskräfte schnell und einfach die Experimente durchführen. Bisher wurde die Discovery Box in rund 30 Ländern implementiert und bereits mehr als 1.700 Mal verteilt. Alle von Deutschland ins Ausland gelieferten Boxen werden von Mitarbeitern der Caritas Werkstatt für behinderte Menschen, München, konfektioniert. In einigen Ländern wird die Discovery Box noch an die besonderen Bedürfnisse des Landes angepasst und dort vor Ort nachgebaut. Dabei wird immer mit einem dafür qualifizierten Partner zusammengearbeitet.

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an 3- bis 6-jährige Kinder in Vorschulen oder Kindergärten. Es schließt darüber hinaus auch die Erziehungskräfte mit ein, die zusammen mit den Kindern die Experimente durchführen und sie erklären sollen. Die Box ist vielseitig und jeweils abhängig von Bildungsplänen und Anforderungen in verschiedenen Ländern einsetzbar.

Implementierung

Strategie 

Die Nachfrage nach den Experimentierkisten zeigt, wie groß der Bedarf und das Interesse an naturwissenschaftlichen Materialien im Vorschulbereich sind. Besonders in diesem Alter kann ein Grundinteresse geweckt und Begeisterung für Technik geschaffen werden. Je früher Kinder mit diesen Themen spielerisch umgehen lernen, desto vertrauter wird ihr Umgang damit später sein. Bei der Wissensvermittlung bedarf es natürlich ganz besonderer Methoden: Denn Kinder lernen, indem sie beobachten und nachahmen. Die Discovery Box ermöglicht genau dieses Experimentieren und Ausprobieren.Nachdem das Pilotprojekt mit der Forscherkiste in Deutschland so erfolgreich war und weiterhin ist, und die Problemstellung und die Leitziele in vielen Ländern ähnlich gelagert sind, wurde das Projekt weltweit ausgefahren. Auch mit der Discovery Box kann der ganzheitliche und nachhaltige Ansatz, den die Siemens Stiftung verfolgt, verwirklicht werden: Die Discovery Box führt einerseits Kinder an Naturwissenschaften und Technik heran und gibt andererseits Erziehungskräften die Möglichkeit sich auf diesem Gebiet weiterzubilden. Somit ist die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleistet. 

Ressourcen

Die Discovery Box wurde von der Science Lab GmbH konzipiert und umgesetzt. Die DVD wurde mit professioneller Hilfe erstellt. Alle nötigen Finanzmittel stellte die Siemens AG bereit. Das Projekt ist zeitlich nicht begrenzt und wird von der Siemens Stiftung weiter gefördert und ausgebaut. Die Anpassung in den Ländern wird u.a. von den Siemens Regionalgesellschaften koordiniert. Dabei besteht ein reger Austausch mit lokalen Bildungsinstitutionen und zuständigen Ministerien. Eine genaue Angabe zu den beteiligten Personen und zum Zeitaufwand ist somit kaum möglich.

Partner

Das pädagogische Konzept der Discovery Box entwickelte Science Lab GmbH&Co.KG. Die Fertigung und Bestückung der Boxen übernimmt in Deutschland die Caritas Werkstätte für behinderte Menschen. Für Begleitheft und DVD wurden weitere externe Firmen beauftragt. Für die Einführung der Boxen weltweit werden momentan Kooperationen aufgebaut, wie z.B. im ost-europäischen Raum.

Herausforderungen 

Da vor der Einführung im jeweiligen Land die Bildungssituation von der Siemens Stiftung analysiert wird, gibt es i. d. R. keine Schwierigkeiten. Allerdings können auch nicht in allen Ländern die Boxen verteilt werden, z. B. in Frankreich, da hier die Landesgesetze eine direkte Adressierung der Vorschulen nicht erlauben. Schwierigkeiten machen eher die unterschiedlichen Einfuhrbestimmungen. So kam es in der Anfangsphase in wenigen Fällen zur zeitweisen Beschlagnahmung durch den Zoll, da z. B. Holzkisten oder die beigefügte Erde nicht den Bestimmungen entsprachen. Deswegen müssen die Einfuhrbestimmungen und Umstände in den jeweiligen Ländern stets intensiv geprüft werden.

Ergebnisse

Seit Vergabe der ersten Forscherkiste 2005 wurden bis heute fast 3.300 Forscherkisten in Deutschland ausgegeben und somit rund 396.000 Kinder und rund 6.600 Erziehungskräfte erreicht. Auf Grund der anhaltend großen Nachfrage und dem steigenden Interesse in Kindergärten und Vorschulen wird das Projekt in Deutschland weitergeführt.
Auch weltweit  hält die Nachfrage an, so dass die 2007 eingeführte Discovery Box bereits über 1.700 Mal in 30 Ländern vergeben wurde. Die Siemens AG übergab beispielsweise zahlreiche Boxen in China und Brasilien.

Die nationale und internationale Nachfrage unterstreicht den Erfolg und zeigt den Bedarf an Materialien und Konzepten, um Kinder an Naturwissenschaften und Technik heranzuführen. Die Discovery Box füllt somit eine zentrale Lücke. Die Einführung in weiteren Ländern, beispielsweise im ost-europäischen Raum, ist bereits in Planung.

Lessons Learned

Bei der Vermittlung von Wissen sind die kulturellen Gegebenheiten und Anforderungen eines Landes entscheidend. Reines Fachwissen kann im Bildungsbereich nicht direkt weitergegeben werden. Es bedarf der Zusammenarbeit mit Pädagogen sowie Experten, die Inhalte entsprechend dem Bedarf vor Ort aufbereiten können. Der rege Austausch zwischen Fachbereichen des Unternehmens und der Hilfe von außen ist grundlegend für ein gelungenes und sinnvoll einsetzbares Ergebnis.

Zudem spielen die Erziehungskräfte eine entscheidende Rolle - sie müssen ebenso wie die entsprechenden offiziellen Stellen das Projekt mittragen.

Beim internationalen Einsatz der Discovery Box ist wichtig, die lokalen Gegebenheiten eines Landes vor Einführung des Projektes zu prüfen. Deshalb wird in Zusammenarbeit mit den Siemens Regionalgesellschaften vor Ort die jeweilige Situation von allen Seiten eruiert. Vor allem Bildungspläne sind hier wichtig. So wird festgestellt, wo und für welche Altersgruppe die Box eingesetzt werden kann, um den lokalen Ansprüchen an die Ausbildung der Kinder gerecht werden zu können.

Deswegen sollten Ministerien sowie lokale Bildungsinstitutionen von Anfang an eingebunden werden. Sei es für die Anpassung des Produktes an die lokalen Gegebenheiten - zum Beispiel Übersetzung der Dokumentation (wie in Kairo durch Mitarbeiter einer Universität geschehen) - oder aber für die eigentliche Einführung und die Auswahl der Kindergärten und Vorschulen. Um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen, ist ein solches Projekt nur langfristig angelegt sinnvoll.

Siemens Stiftung

Geschäftsbereiche: Bildung und Soziales
Mitarbeiter: 30
Länder: Ägypten, Brasilien, China, Deutschland, Irland, Kolumbien
Zeitraum der Aktivität: 2009 - andauernd

Ansprechpartner

Angela Clerc

Telefon: +49 (89) 636-36741