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Siemens Stiftung - Einsatz für Wasser und Gesundheit

Hintergrund der Fallstudie

Problemstellung

Der sichere Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein fundamentales Menschenrecht. Dennoch leben heute 884 Millionen Menschen ohne sauberes Trinkwasser. Familien müssen große Anstrengungen unternehmen, um das lebenswichtige Element zu organisieren. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich etwa 2,2 Millionen Menschen an den Folgen verunreinigten Wassers, viele davon sind Kinder unter 5 Jahren. Durch den Klimawandel sind immer mehr Regionen von wiederkehrenden Katastrophen und den damit verbundenen Folgen bedroht. Die UN hat sich deswegen zum Milleniums-Entwicklungsziel gesetzt, bis 2015 den Anteil derjenigen Menschen zu halbieren, die ohne verlässlichen Trinkwasserzugang und eine grundlegende Sanitärversorgung leben. Die Siemens Stiftung unterstützt dieses Ziel mit ihrem Engagement für eine verbesserte Versorgung mit dem lebenswichtigen Element in den entwicklungsschwachen Regionen dieser Erde. Die mobile Wasserfilteranlage "SkyHydrant" bietet ein verlässliches und kostengünstiges Trinkwasseraufbereitungssystem für Menschen in Katastrophengebieten und Entwicklungsländern. Der SkyHydrant basiert auf neuester Membrantechnologie. Jeder Filter kann am Tag bis zu 10.000 Liter sauberes Trinkwasser produzieren.

Bezug zum Kerngeschäft

Die Siemens Stiftung, Ende 2008 von der Siemens AG gegründet, antwortet mit ihren internationalen Programmen auf die Herausforderungen einer vielschichtigen und konfliktbesetzten Welt. Sie möchte Menschen darin unterstützen, selbstverantwortlich und nachhaltig zu handeln und leistet damit einen Beitrag zu einer offeneren Gesellschaft.
Ausschlaggebend für die Aktivitäten sind die Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Die Siemens Stiftung leistet ihren Beitrag durch ihr Engagement in Hilfsprojekten für Entwicklungsländer. Im Zentrum des humanitären Einsatzes steht dabei immer die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Bereitstellung von Wasserfiltern für den nachhaltigen Einsatz kombiniert mit Aufklärungsarbeit im Bereich Wasser, Gesundheit und Hygiene sind wichtige Bestandteile dieser Hilfe. Zusätzlich unterstützt die Stiftung den Bau von Schulen, um Kindern in den armen Ländern der Erde eine Grundbildung zu ermöglichen. Mit diesem Engagement setzt sich die Siemens Stiftung tatkräftig dafür ein, Armut und Hunger zu bekämpfen, Bildung für alle zu ermöglichen und ökologische Nachhaltigkeit zu sichern.

Ziel des Engagements

Beschreibung der Aktivität 

Das Vorhandensein von sauberem Wasser ist eine notwendige Voraussetzung für das Überleben vieler Menschen. Deshalb ist die verbesserte Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern sowie nach akuten Katastrophen ein wichtiges Anliegen der Siemens Stiftung. In ihrem Engagement für Wasser und Gesundheit kooperiert die Stiftung mit der gemeinnützigen SkyJuice Foundation mit Sitz in Australien. Die 2005 gegründete Foundation produziert und distribuiert die mobile Wasserfilteranlage "SkyHydrant": Ein Membranfilter entfernt Krankheitserreger, Viren, Schwebstoffe und Trübungen aus dem Rohwasser und produziert auf diese Weise pro Tag bis zu 10.000 Liter Trinkwasser. Die Filteranlage ist einfach zu transportieren und kann ohne elektrischen Strom betrieben werden. Die Siemens Stiftung trägt dazu bei, dass die mobilen Geräte der SkyJuice Foundation weltweit zum Einsatz kommen. Momentan verrichten sie ihre nützlichen Dienste bei Projekten in den afrikanischen Ländern Burkina Faso, Kenia, Angola und Äthiopien. Das erste gemeinsame Projekt mit der SkyJuice Foundation (damals unter Siemens AG) war die Spende von Wasserfiltern nach dem Zyklon Sidr in Bangladesch im Jahr 2007. Auch 2008 nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan und dem Wirbelsturm Nargis in Myanmar lieferten SkyHydranten Trinkwasser für die betroffenen Menschen.

Wie das Filtersystem eine nachhaltige Trinkwasserversorgung sicherstellt, macht das Pilotprojekt der SkyJuice Foundation in Kenia deutlich. Die Dörfer Obambo und Kadenge versorgten sich in der Vergangenheit mit verunreinigtem Wasser aus einem nahe gelegenen Stausee. Durchfallerkrankungen, Thyphus und Cholera waren ständige Begleiter der Dorfbewohner. Dies änderte sich mit der Installation einer Wasserfilteranlage, bestehend aus 4 SkyHydrant Filtermodulen. Dieser versorgt nun die Bewohner mit sauberem Trinkwasser. Durch ein umlagefinanziertes Betriebsmodell befindet sich die Anlage vollständig im Besitz und in der Verantwortung der lokalen Dorfgemeinschaft. Alle Wartungsmaßnahmen werden im Ort selbst manuell durchgeführt und benötigen nur geringe Mittel, so dass die Filtermodule eine Lebensdauer von sieben bis zehn Jahren haben. 2.500 Menschen erhalten sauberes Trinkwasser für weniger als 50 Cent pro Kopf und Jahr.

Das Engagement beider Partner wird beständig ausgeweitet. Weltweit sind bis heute über 600 Wasserfilter-Systeme der SkyJuice Foundation in 16 Ländern auf 4 Kontinenten in Betrieb genommen. Damit leisten die Kooperationspartner Siemens Stiftung und SkyJuice Foundation einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der UN-Millenniumsziele. 

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich vor allem an Menschen, die an keine geregelte Trinkwasserversorgung angeschlossen sind. Dies betrifft vor allem Bewohner der ärmsten Länder der Erde, die keine Aussicht auf die Anbindung an eine Wasserinfrastruktur haben Aber auch Betroffene von Naturkatastrophen, die schnell technische Hilfe benötigen, werden mit dem Wasserfilter unterstützt.

Implementierung

Strategie

Der Grundgedanke des Projektes ist, erprobte Technologien für die ärmsten Gemeinden zum Wohle der Gesundheit und der Umwelt verfügbar zu machen. Wir möchten in Not geratene Menschen nachhaltig dabei unterstützen, sich selbst zu helfen. Wasser, Gesundheit und Bildung sind hier die Kompetenzfelder für die Hilfsaktivitäten der Siemens Stiftung.

Ressourcen

Neben finanziellen Ressourcen bringt die Siemens Stiftung technische Unterstützung, Know-how im Bereich humanitäre Hilfe sowie Beratung in das Projekt ein. Das Engagement  der Siemens Stiftung ist in ein weites Netzwerk an Partnern eingebettet. Auf diese Weise kann die Wirksamkeit und die Reichweite des Engagements vielfach multipliziert werden.

Partner

Neben der Kooperation mit der SkyJuice Foundation arbeiten wir mit weiteren humanitären Organisationen zusammen. Denn diese verfügen über ein hervorragendes Netzwerk − bestehend aus eigenen Mitarbeitern oder lokalen Partnerorganisationen − und können Aufbauarbeit an Ort und Stelle leisten. Für die wirkungsvolle Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsprojekte kooperiert die Siemens Stiftung deshalb unter anderem mit UNICEF, CARE, der Stiftung UNESCO, der Initiative Hope ’87 und der Kinderrechtsorganisation Save the Children. Nach Naturkatastrophen ist das Rote Kreuz ein wichtiger Ansprechpartner für eine schnelle und koordinierte Hilfe.

 

Herausforderungen 

Die eigentliche Technologie des SkyHydrant wurde für einen Einsatz in Industriefilteranlagen entwickelt. Eine entscheidende Herausforderung für eine Verwendung in Entwicklungsländern war daher, die Technik soweit zu vereinfachen, dass auch Menschen ohne technische Ausbildung und Vorkenntnisse damit zurecht kommen konnten.

Um die Frachtkosten so gering wie möglich zu halten, wird vor allem auf die Verwendung von leichtem Material geachtet.

Bei der Zusammenarbeit mit Entwicklungsregionen ist es wichtig, eine angemessene Lösung zu implementieren. Die Übertragung von westlichen Standards auf Entwicklungsgebiete ist nicht effektiv und brachte in der Vergangenheit oft Abhängigkeiten von Experten und keine langfristigen Erfolge. Entscheidend ist es daher, die betroffenen Personen vor Ort selbst mit der bereit gestellten Technik vertraut zu machen. Die Siemens Stiftung möchte mit seinem Engagement vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Ergebnisse

Weltweit wurden bisher über 600 Systeme in 16 Ländern auf 4 Kontinenten von der SkyJuice Foundation in Betrieb genommen. Ein Filter produziert bis zu 10.000 Liter sauberes Trinkwasser am Tag. Mit einem SkyHydrant-Filtermodul können so zwischen 500 und 1.000 Menschen versorgt werden. Die Lebens- und Entwicklungschancen dieser Menschen können sich durch den Einsatz der Technik entscheidend verbessern. Nach dem Zyklon Sidr in Bangladesch reduzierte der Einsatz des SkyHydrant Krankheiten, die auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen sind, auf fast Null Prozent. Auch die Bewohner der Dörfer Obambo und Kadenge in Kenia, die im Rahmen eines Pilotprojektes sauberes Trinkwasser aus den SkyHydranten beziehen, berichten über eine deutlich verbesserte Lebenqualität. Krankheiten werden eingedämmt, die Kindersterblichkeit sinkt und lange Fußmärsche zur nächsten Wasserquelle sind nicht mehr vonnöten. Durch die verbesserte Infrastruktur hat die Region zudem an Attraktivität gewonnen.

Lessons Learned

Um eine nachhaltige Wasserversorgung aufzubauen, sind nicht nur technische und logistische Fertigkeiten gefragt. Es müssen auch die Lebens- und Erfahrungswelt der Betroffenen beachtet werden. Dabei sind besonders Wasser und der Wasserzugang in vielen Kulturen spirituell besetzt. So verweigerten zum Beispiel Menschen in einer vom Tsunami betroffenen Region in Asien, ihr Trinkwasser von einer Filterstation zu beziehen, die an einem Ort aufgestellt wurde, an dem Mitglieder der Gemeinschaft ertrunken sind. Es bedarf einer aufmerksamen Zeit für die Experten vor Ort, alle relevanten Faktoren zu erfassen und bei der Umsetzung der Filteranlage zu berücksichtigen. Dies sollte immer durch eine enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung geschehen. Die Maßstäbe für die Umsetzung des Projektes können somit nicht von außen festgelegt werden, sondern müssen vor Ort und im Gespräch mit den Betroffenen gefunden werden. Die Verantwortung für den Bau und Erhalt der Wasserfilteranlagen muss dabei weitestgehend in den Händen der jeweiligen Gemeinde liegen. Denn sie ist es, die den nachaltigen Einsatz des Wassersystems garantiert. Ebenso ist entscheidend, dass die technische Lösung flexibel und in ihrem Einsatz skalierbar ist. Jede Entwicklungsregion und jedes Katastrophengebiet hat einen spezifischen Bedarf für die Wasserversorgung. In Kenntnis dieser Voraussetzung ist der SkyHydrant an fast jede Vor-Ort-Situation anpassungsfähig: die Pumpen, die das Oberflächenwasser in die Tanks pumpen, können mit Windkraft, Solarenergie oder einem Dieselmotor betrieben werden. Alle Wartungs- und Reinigungsmaßnahmen der Filtermembran sind mit wenigen Handgriffen durchzuführen. Der Membranfilter ist robust und kann bis zu zehn Jahre eingesetzt werden.

Siemens Stiftung

Geschäftsbereiche: Bildung und Soziales
Mitarbeiter: ca. 30 Mitarbeiter
Länder: Äthiopien, Angola, Burkina Faso, Indonesien, Kenia
Zeitraum der Aktivität: 2009 - andauernd

Ansprechpartner

Christine Weyrich

Telefon: +49 (89) 636-34154