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Entwicklungsgeschäfte
Entwicklung und Geschäft gehen Hand in Hand - ein Perspektivenwechsel
Entwicklungszusammenarbeit und Geschäft – das waren bislang oft getrennte Welten.
Aber: Geschäftsentwicklung und Armutsbekämpfung können Hand in Hand gehen – das ist die Grundidee von Entwicklungsgeschäften. Geschäfte machen mit den Armen – gegen Armut. Das kann funktionieren, weil Menschen, die in den Slums und Dörfern von Entwicklungsländern leben, heute nur unzureichend in Märkte eingebunden sind. Durch den Zugang zu Märkten können sich jedoch viele Chancen eröffnen. Diese Art von Geschäften erfordern von Unternehmen zunächst einen Perspektivwechsel: Von Menschen in Armut als hilfebedürftige Empfänger von Spenden zu tatkräftigen Agenten.
Arme können hierbei doppelt profitieren – als Produzenten und Konsumenten. Als Produzenten bekommen sie bessere Verkaufschancen und damit höhere Einnahmen. Als Konsumenten profitieren sie vom Zugang zu Produkten und Dienstleistungen, die Grundbedürfnisse befriedigen und eine höhere Produktivität zulassen. Geschäftsmodelle, die so Chancen eröffnen, schaffen außerdem auch Einkommens- und Geschäftsmöglichkeiten für Dritte: Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kleinstunternehmer werden benötigt, um ein Geschäft am Laufen zu halten. Durch Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort lassen sich außerdem lokale Kenntnisse und Vertrauensverhältnisse nutzen.
Für Unternehmen bieten Entwicklungsgeschäfte Chancen auf vielen Ebenen:
- Aufbau wachstumsstarker Einkaufs- und Absatzmärkte: Derzeit leben rund 4 Milliarden Menschen am unteren Ende der Einkommenspyramide. Das Marktvolumen auf der Absatzseite wurde 2007 auf 5 Billionen US Dollar geschätzt. Da die Bevölkerungszahlen in Entwicklungsländern weiter steigen werden, ist mit einem schnellen Wachstum dieser Märkte zu rechnen. Auf der Einkaufsseite kann eine Einbindung z.B. von Kleinbauern oder Handwerkern zu kostengünstiger und qualitativ hochwertiger Produktion führen.
- Reputationsgewinn und Öffentlichkeitsarbeit: Der gesellschaftliche Beitrag, den Entwicklungsgeschäfte leisten, stärkt das Ansehen und Vertrauen zum Unternehmen bei Kunden, Zulieferern, Regierungen, Investoren und der breiten Öffentlichkeit.
- Mitarbeiterbindung und – bildung: Engagement für gesellschaftliche Ziele des Arbeitgebers ist vielen Mitarbeitern ein Anliegen und stärkt die Identifikation mit dem Unternehmen. Der Einsatz von Mitarbeitern bei Entwicklungsgeschäften kann auch als Training, Führungskräfteausbildung, oder als Persönlichkeitsentwicklung genutzt werden.
- Innovationen und Innovationsfähigkeit: Ein neues Marktumfeld mit ganz anderen Erwartungen und Herausforderungen im Vergleich zu herkömmlichen Märkten braucht Innovation. Neue Lösungen für Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle sind der Motor von Unternehmenswachstum und Voraussetzung, um dauerhaft am Markt zu bestehen.
Strukturelle Herausforderungen
Entwicklungsgeschäfte sind für Unternehmen nicht einfach.
Im Gegenteil: Unternehmen müssen Herausforderungen meistern, die sie aus entwickelten Märkten nicht in diesem Ausmaß kennen. So fehlen in den ländlichen Gebieten und urbanen Armenvierteln von Entwicklungsländern meist Strukturen, die effiziente erst Marktprozesse ermöglichen. Ohne diese Marktinfrastruktur versagen traditionelle Geschäftsmodelle und fressen Transaktionskosten den Gewinn auf.
Eine Analyse des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zeigt Hindernisse in fünf Bereichen auf:
- Marktinformationen
Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, an zuverlässige Marktinformationen zu kommen. Standarddaten der Marktforschung, wie sozioökonomische Daten, Kaufgewohnheiten und Nutzerprofile sind für Bewohner von Slums und Dörfern in Entwicklungsländern selten erfasst. - Regulatorisches Umfeld
Gesetzliche Regelungen und deren Durchsetzung sind in Entwicklungsländern oft unzureichend. Ohne funktionierende Gerichte und andere staatliche Ordnungssysteme fehlt es Unternehmen an Vertragssicherheit und Schutz vor Kriminalität. Die Armen selbst können kaum auf rechtsstaatliche Prozesse zurückgreifen. Sie haben oft weder Ausweis noch Geburts- oder Besitzurkunde oder einen Nachweis für einen festen Wohnsitz. - Physische Infrastruktur
Der Austausch von Waren und Dienstleistungen aber auch Information wird durch schlechte Infrastruktur behindert. Straßen, Leitungen für Strom, Wasser oder auch Internet sind nicht vorhanden oder in schlechtem Zustand. - Wissen und Fähigkeiten
Um am Markt teilnehmen zu können, sind Wissen über Produkte und deren Verwendung sowie Fähigkeiten wie etwa Lesen und Schreiben essentiell. Doch der Zugang zu Informationen und sogar zu elementarer Bildung ist gerade in ländlichen Gegenden schwierig. - Zugang zu Finanzdienstleistungen
Arme Haushalte verfügen selten über ein Spar- oder Girokonto, was die Anschaffung teurer Produkte erschwert und Bezahlmethoden wie Überweisungen ausschließt. Versicherungen und Kredite sind für viele Menschen nicht verfügbar. Haushalte und Unternehmen können so ihre Finanzen kaum vorausschauend managen, sondern leben von der Hand in den Mund.
Diese strukturellen Schwierigkeiten stellen besondere Anforderungen an den gesamten Geschäftsentwicklungsprozess. Vom Aufdecken von Geschäftschancen bis hin zur Replizierung eines erfolgreichen Modells in anderen Ländern gilt es, auf die besonderen Herausforderungen mit passenden Lösungen zu reagieren. Die wachsende Zahl guter Beispiele zeigt, dass immer mehr Unternehmen diese Herausforderungen meistern.
Ungewöhnliche Geschäftsmodelle
Entwicklungsgeschäfte funktionieren ziemlich ähnlich und doch ganz anders als das Geschäft in etablierten Märkten.
Ähnlich, weil es auch hier darum geht, Wettbewerbsvorteile durch ein klares, attraktives Nutzenversprechen, effiziente Prozesse und herausragende Partner zu gewinnen. Anders, weil Geschäftsprozesse oft durch schwierige Marktbedingungen und mangelnde Erfahrung erschwert werden und die Partner ungewöhnlich sind.
Aufgrund der schwierigen Marktbedingungen kann der Aufwand für Transport, Kommunikation und Training, Qualitätskontrolle und Vertragsdurchsetzung bei Entwicklungsgeschäften leicht die Margen gegen null laufen lassen.
Unternehmen müssen bei Entwicklungsgeschäften daher Lösungen finden, um Transaktionskosten gering zu halten. Der UNDP-Bericht „Creating Value for All“ (2008) zeigt fünf grundsätzliche Strategien, mit denen Unternehmen Lösungen für Markthindernisse finden und damit zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell im Markt der Armen gelangen können.
- Produkte und Prozesse anpassen
Durch Produktanpassungen können Hindernisse vermieden werden. Mobile Datenübertragung etwa macht Netzstrukturen überflüssig und erleichtert die Bereitstellung informationsbasierter Dienstleistungen von Mobile Banking bis Telemedizin. Neue Technologien ermöglichen auch eine netzunabhängige Versorgung mit Elektrizität und Wasser. Neue Identifizierungssysteme wie biometrische Informationen können amtliche Unterlagen zum Teil ersetzen.
Auch Prozessinnovationen können helfen, Zugangsbarrieren zu senken, indem Anforderungen vereinfacht werden: So können Prepaid-Karten für Handys auf den Philippinen schon mit Beträgen von nur 0,40 Euro aufgeladen werden. Damit können auch Menschen ohne Bankkonto und Adressnachweis ein Mobiltelefon nutzen. - In Marktbedingungen investieren
Wo es notwendig ist, Hindernisse zu beheben, können Unternehmen selbst das Marktumfeld gestalten. Häufig geschieht dies im Bereich der Information. Unternehmen investieren in Werbung, Kundeninformation und -training. Zum Teil bieten Unternehmen relativ teure Konsumgüter wie Kühlschränke mit Finanzierungslösungen an oder bauen Infrastruktur etwa in Form von Datennetz auf. - Kompetenzen der Zielgruppe nutzen
Fast alle erfolgreichen Geschäftsmodelle nutzen die Marktkenntnis und soziale Einbindung von Menschen aus der Zielgruppe: Sie liefern Informationen über die Bedürfnisse der Zielgruppe oder Marktgegebenheiten zu Marktforschungszwecken, die sind in den Vertrieb eingebunden und liefern Produkte aus, bieten Kundendienstleistungen an oder vermitteln Informationen über erklärungsbedürftige Produkte wie etwa Versicherungen. - Mit anderen Organisationen kooperieren
Nicht nur andere Unternehmen, auch öffentliche Dienstleister und Entwicklungsorganisationen bieten Fähigkeiten und Wissen, die das Geschäftsmodell vervollständigen können. Sie sind oft schon lange im Zielmarkt aktiv und verfügen über Marktkenntnis, Distributionssysteme, Kommunikationskanäle und etablierte Beziehungen.
Manchmal ist es auch sinnvoll, Ressourcen einer Branche zu bündeln, um gemeinsam in Marktbedingungen investieren zu können. So schufen in Indien mehrere Banken eine Ratingagentur für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), um die Kosten der Bonitätsprüfung zu senken. - Mit Regierungen Dialog führen
Oft sind Unternehmen bei Entwicklungsgeschäften auf die Kooperation mit Regierungen angewiesen. Zur Bestimmung und Durchsetzung allgemeinverbindlicher Regeln ist allein der Staat legitimiert. Gerade in den Bereichen Bildung, Information und Infrastruktur können Regierungen helfen, Marktstrukturen zu verbessern. Unternehmen können ein wichtiger Ansprechpartner für Regierungen sein, wenn es um adäquate wirtschaftliche Rahmenbedingungen geht, da sie die Marktschwierigkeiten kennen und ein Eigeninteresse haben, diese sie anzugehen.
Erfolgfaktoren in der Organisation
Entwicklungsgeschäfte bedürfen einiger Kompetenzen in der Organisation. Oft finden sich in der eigenen Organisation die größten Barrieren: Entwicklungsgeschäfte passen häufig nicht in die gewohnten Abläufe, sind gegenüber der Unternehmensführung erklärungsbedürftig und erfordern mehr Zeit und Ressourcen als herkömmliche Projekte.
Damit die Durchführung trotzdem gelingen kann, sind folgende Erfolgsfaktoren entscheidend:
- Unterstützung durch die Unternehmensführung: Nur wenn das Management die Initiative unterstützt, gibt es genügend Rückhalt sowie die nötigen Ressourcen, um auch unvorhergesehene Schwierigkeiten und Verzögerungen im Projekt zu überleben. Um die Unternehmensführung zu überzeugen, bedarf es einer guten Analyse mit einer soliden Bewertung von Risiken und einer klaren Darstellung des Mehrwerts für das Unternehmen. Diese Argumentation sollte auch den nicht-monetären Wertbeitrag des Unternehmens für die Bereiche Personal, Öffentlichkeitsarbeit, Regierungsbeziehungen oder Forschung und Entwicklung deutlich machen.
- Zusammenarbeit mit den Zuständigen für gesellschaftliches Engagement, CSR und Nachhaltigkeit: Viele Entwicklungsgeschäfte sind zunächst in der CSR-Abteilung angesiedelt, bis sie so weit entwickelt sind, dass sie ins Standardgeschäft wandern können. Die CSR-Abteilung, die als Hauptaufgabe die Auseinandersetzung mit vielfältigen Stakeholderinteressen hat, wird so zum Experimentierlabor für unternehmerische Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen.
Doch auch wenn Entwicklungsgeschäfte organisatorisch anders verortet sind – beispielsweise in der Abteilung für Business Development oder bei Geschäftseinheiten vor Ort – empfiehlt sich die enge Kooperation mit den Abteilungen für gesellschaftliches Engagement und Nachhaltigkeit. So kann man effektiv Ziele und Erfolge kommunizieren, Synergien im Unternehmen nutzen und eventuell sogar auf bestehende Projekterfahrungen zurückgreifen.
Entwicklungsgeschäften bewegen sich an der Schnittstelle von Kerngeschäft und gesellschaftlichem Engagement. Dies kann dazu beitragen, alle CSR-Aktivitäten des Unternehmens stärker am Kerngeschäft auszurichten.
- Rückhalt in der Mitarbeiterschaft: Mitarbeiter sollten über das Projekt informiert werden und unter Umständen sogar Möglichkeiten erhalten, sich zu beteiligen – etwa in Form von Ideenwettbewerben, Volunteering, Trainings- und Weiterbildungsaufenthalten oder einfach durch eine Diskussion im Intranet. Geschäftsentwicklung, die auf innovative Weise sozialen Mehrwert schafft, hat ein großes Identifikationspotential für Mitarbeiter.
- Starke Partner vor Ort: Starke Partner in dem Land und der Region, wo das Entwicklungsgeschäft etabliert werden soll, sind unverzichtbar. Idealerweise sollte man hier auch auf eigene Strukturen vor Ort, wie Tochtergesellschaften oder Niederlassungen, zurückgreifen können und volle Unterstützung von ihnen bekommen. Wichtig sind aber auch Partner mit komplementären Kompetenzen, etwa Entwicklungsorganisationen oder Produktionsgenossenschaften.
- Interdisziplinäres Team: Entwicklungsgeschäfte bauen zum einen auf Kernkompetenzen und etablierte Geschäftsprozesse, verlangen aber zum anderen einen offenen Blick für ungewöhnliche Lösungen und ein Verständnis für andere Kulturen und Länder. Dieser Strauß an Kompetenzen lässt sich am besten durch ein interdisziplinäres Team zusammentragen. Dazu gehören Profis aus Marketing und Supply Chain Management, Produkt- und Geschäftsentwicklung sowie Kenner des lokalen Kontexts und zeitweise durchaus auch Experten von außen, wie Anthropologen oder Entwicklungshelfer.
- Freiräume im Unternehmen: Entwicklungsgeschäfte passen selten in etablierte Abläufe im Unternehmen. Weder Forschung noch Entwicklung noch Business Development bieten ausreichend Freiräume für „learning by doing“. Einzelinitiativen können in der CSR-Abteilung angesiedelt werden. Allerdings verfügen diese meist nur über geringe Ressourcen. Interne „Business Incubators“ (Inkubatoren) können die nötigen Strukturen besser bereitstellen. Diese Organisationseinheiten werden mit finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet, um mittelfristig eine bestimmte Anzahl wachstumsstarker Geschäftsmodelle zu generieren. Wie dies geschieht, bleibt den Mitarbeitern überlassen. Einige Unternehmen haben auch extra „Social Business“-Bereiche geschaffen und zum Teil in gemeinnützige Organisationen ausgegliedert, so dass die Gewinnerwartung ganz wegfällt. Hier stehen Lernerfahrungen und der Umgang mit Stakeholdern im Vordergrund.
- Langfristige Organisationsplanung: Es sollte frühzeitig daran gedacht werden, wie Entwicklungsgeschäfte organisatorisch aufgehängt werden. Sollen sie in den Ländergesellschaften ausgeführt werden? Oder wird in der Zentrale ein neuer Center für Entwicklungsgeschäfte geschaffen? Auch die Ausweitung der Geschäftsfelder auf andere Länder oder abgewandelte Produkte sollte von Anfang an mitgedacht werden.
Branchenbeispele
Folgende Branchen bieten deutschen Unternehmen viele Möglichkeiten für Entwicklungsgeschäfte:
Energie
Markt der Armen
1,6 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Strom. Energie zum Kochen, Heizen, zum Antrieb von Maschinen und zur Lichterzeugung gewinnen sie aus Benzin, Gas, Holz oder Batterien. Brennstoffe wie Petroleum sind nicht nur ineffizient und teuer, sondern auch schädlich für Gesundheit und Umwelt.
Marktnachteile für Menschen in Armut
Für die 1,6 Milliarden Menschen ohne Strom sind Maschinen und moderne Kommunikationsmittel nutzlos, mühsames Holzsammeln frisst potentielle Zeit für Arbeit, Schulbesuche o. Ä.
Wenn Petroleum oder Holz in Innenräumen verbrannt werden, entsteht schädlicher Rauch. 1,6 Millionen Menschen sterben laut WHO jährlich an den Folgen dieser Zustände. Zudem ist die Feuer- und Verletzungsgefahr erheblich. Auch die Umwelt wird durch den CO2-Ausstoß belastet.
Im Vergleich zu Strom aus dem Netz sind die verfügbaren Energielösungen erheblich teurer. In Bangladesch kostet in netzfernen Gebieten die Nutzung von Energie (Kerosin, Batterien etc.) umgerechnet 1,60 EUR pro Kilowattstunde, also 10-mal mehr, als ein Privatverbraucher in Deutschland für Strom bezahlt. Viele Haushalte geben bis zu 50 Prozent ihres monetären Einkommens für Energie aus.
Lösungen
- Energieeffiziente Produkte wie etwa verbesserte Herde oder LED-Lampen sind gut für die Umwelt und sparen Geld.
- Eine dezentrale Stromversorgung kann durch Insellösungen mit Strom aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse gewährleistet werden. Investitionen in diesen Bereich können durch Kopplung mit Finanzierungslösungen ermöglicht werden.
- Die Rechnungsstellung bei der Stromversorgung von urbanen Armenvierteln kann mit Lösungen wie gemeinsamen Stromzählern bewältigt werden.
- Da der Markt für Biokraftstoff wächst, entstehen für Menschen im ländlichen Raum Einkommenschancen aus dem Verkauf von Zucker-, Stärke- und Ölpflanzen. Der Eigenverbrauch von Biomasse zur Energiegewinnung senkt Ausgaben.
- CO2-Einsparungen durch energieeffiziente Produkte und Energieproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen können überdies über Zertifikate im Emissionshandel verkauft werden.
Gesundheit
Markt der Armen
Die medizinische Versorgung ist in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern mangelhaft, und wirkungsvolle Medikamente sowie ärztliche Behandlungen sind für Arme oft nicht erschwinglich. Häufig wird von Armen kein Arzt konsultiert: Selbstmedikation ist nichts der Regelfall.
Menschen in Armut sind am häufigsten von Infektionskrankheiten wie Durchfall und Malaria sowie - besonders auf dem afrikanischen Kontinent – von HIV/AIDS und Komplikationen bei Schwangerschaften betroffen. Große Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung sind die mangelnde Hygiene, die schlechten Unterkünfte und geringes Wissen über die Ursachen und Übertragung von Krankheiten.
Marktnachteile für Menschen in Armut
Erkrankungen werden oft nicht behandelt und führen damit zu Arbeitsunfähigkeit oder gar zum Tod der Betroffenen. Beispiele sind die Augenkrankheit Grauer Star, die ohne Behandlung zur Erblindung führt, oder HIV/AIDS, dessen Ausbruch mit Medikamenten verlangsamt werden kann. Gerade bei Neugeborenen kann die Gabe einer antiretroviralen Therapie (Antikörper) zu einer drastischen Senkung des Krankheitsausbruchs führen.
Gerade in ländlichen Gegenden gibt es nicht genügend Ärzte und Apotheken. Einrichtungen der staatlichen Gesundheitsversorgung sind oft schlecht besetzt. Tagelange Reisen in das nächste Krankenhaus und stationäre Aufenthalte an heimatfernen Orten können sich viele Familien nicht leisten. Wenn sie unabdinglich sind, stürzen hohe Kosten Familien nicht selten in bittere Armut.
Lösungen
- Medizinisches Personal wie Krankenschwestern eröffnen kleine „Apotheken“ als Franchise-Nehmer, in dem sie mobil oder in ihren Krankenstationen günstige Medikamente anbieten und gleichzeitig medizinische Beratung anbieten.
- Die Produktion von günstigen Medikamenten oder die Vergabe von Lizenzen an Generikahersteller verbessert den Zugang zu medizinischer Versorgung.
- Die Einbindung von lokalem, medizinisch geschultem Personal oder lokalen Entwicklungsorganisationen für Voruntersuchte hilft, die Reichweite zu erhöhen und weite Wege zu vermeiden. Nach den Voruntersuchungen werden die schweren Fälle in Krankhäuser überwiesen, die nicht vor Ort behandelt werden können.
- Mobile Versorgung mit Klinikbussen erreicht Menschen in entlegenen Gegenden.
- Telemedizin ermöglicht hochwertige Beratung auf Distanz. Der Gesundheitszustand der Patienten wird vor Ort durch geschultes Personal ermittelt, die Daten werden per Internet oder Telefon an einen Arzt übermittelt, der eine Ferndiagnose erstellt und die Behandlungsvorschläge zurück in das Dorf übermittelt.
Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK)
Markt der Armen
Vielen Haushalten in Entwicklungsländern fehlt der Zugang zu moderner Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK): Internet, Telefonanschlüsse sowie lokal angepasste Hard- und Software sind oft wenig verbreitet, teuer oder von schlechter Qualität. Auf die Bedürfnisse armer Haushalte angepasste Informations- und Interaktionsangebote sind oft ebenfalls nicht vorhanden.
Marktnachteile für Menschen in Armut
Gerade auf dem Land ist der Zugang zu Informationstechnologie oft beschränkt. Dies gilt sowohl für die Netzabdeckung als auch für den Vertrieb von Endgeräten und Dienstleistungen. Der fehlende Zugang zu Telekommunikation kann bedeutende indirekte Effekte für die Armen haben. Dies können sowohl zusätzliche Ausgaben und Anstrengen bei der Informationsbeschaffung als auch entgangenes Einkommen durch fehlenden Marktzugang sein.
Lösungen
- In vielen Ländern haben sich mobile Technologien aufgrund der großen Distanzen und geringeren Installationskosten gegenüber Festnetzanschlüssen durchgesetzt. Mobiltelefone werden auch vermehrt für den Zugang zum Internet verwendet.
- Prepaid hat sich als Bezahlungsmethode etabliert. Mikrofinanzlösungen für Endgeräte ermöglichen oft neuen Kundengruppen Zugang zu ITK.
- Gemeinschaftliche Computerzentren bieten nicht nur bezahlbaren Zugang zum Internet, sondern auch Training, Vernetzung und Austausch vor Ort zwischen den Benutzern.
- Zusätzliche Service-Angebote können insbesondere Mobiltelefonie für Haushalte in Armut attraktiv machen: Mobile Banking auch über Ländergrenzen hinweg, Marktinformationen, Wetter, Teleshopping etc. schaffen Zusatznutzen, helfen Armut zu bekämpfen und können Einkommensquellen für Unternehmen sein.
Lebensmittel und Landwirtschaft
Markt der Armen
Die Lebensmittelbranche ist auf zwei Ebenen für Entwicklungsgeschäfte interessant: Sowohl auf der Konsumenten- als auch auf der Produzentenseite können Menschen mit geringem Einkommen in Wertschöpfungsketten eingebunden werden.
Marktnachteile für Menschen in Armut
In armen Haushalten stellen günstige Kohlehydrate wie Getreide und Zucker einen großen Teil der Ernährung dar. Eine ausgewogene Ernährung aus Obst und Gemüse, Milchprodukten und Fisch oder Fleisch ist selten gegeben. Die daraus resultierende Mangelernährung wirkt sich nachteilig auf die Entwicklung und das Wachstum von Kindern aus, was die Armut häufig betoniert.
Die Produzentenseite zeichnet sich durch geringe Produktivität sowie schlechtes Risikomanagement aus. Kleinbauern haben selten Zugang zu hochwertigem Saatgut, Überbrückungskrediten oder Bewässerungsanlagen und verkaufen ihre Produkte auf Grund fehlender Marktübersicht zu schlechten Preisen an Mittelsmänner. Risiken wie Ernteausfälle oder Arbeitsunfähigkeit können aus eigener Kraft nicht aufgefangen werden und bedrohen somit die Existenz ganzer Familien.
Lösungen
Auf Konsumentenseite:
- Die Entwicklung von mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherten und trotzdem günstigen Lebensmitteln beseitigt die Mangelernährung.
- Durch innovative, kleinteilige Vertriebsnetze wird eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sichergestellt.
- Häufig werden Lebensmittel in Portionspackungen (Sachets) verkauft, damit von dem geringen Haushaltseinkommen nicht zu viel in Vorräten gebunden wird.
Auf Produzentenseite
- Die Entwicklung von besseren Produktionsfaktoren, wie etwa widerstandsfähigem Saatgut oder Bewässerungsanlagen. Der Zugang zu diesen Materialien kann durch den Aufbau von regionalen Vertriebsnetzen und die Bereitstellung von Mikrokrediten gewährleistet werden.
- Trainings zur effektiven Nutzung produktiver Anbau-Methoden und Produkte.
- Zur Verbesserung der Vermarktungschancen für Kleinbauern können der Aufbau von Genossenschaften, die Bereitstellung von internet- oder mobilfunkgestützten Informationsdiensten und die Herstellung direkter Handelsbeziehungen dienen. Besonders der faire Handel nutzt diese Elemente effektiv.
- Ernte- und Sachversicherungen erleichtern Kleinbauern das Risikomanagement.
Interviews
Michael Anthony (Allianz SE) und Thomas Schwarz (Care Deutschland-Luxemburg e.V.) berichten über ihre gemeinsame Initiative, die sie auf Grund der verheerenden Zerstörung der Südostküste Indiens duch den Tsunami 2004, ins Leben gerufen haben.
Dr. Andreas Bluethner (BASF SE) spricht im Interview über die Besonderheiten von Geschäftsmodellen für den Markt der Armen, über Erwartungsmanagement und Hürden sowie den Nutzen für die Gesellschaft und das Unternehmen. BASF reichert Grundnahrungsmittel mit Vitamin- und Mineralstoffen an und bekämpft so die Mangelversorgung in ärmlichen Gebieten.
Jona Naguib (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ) beschreibt die Idee des BOP-Ansatzes, spricht über die Rolle der GTZ in der Umsetzung von BOP-Projekten und geht auf die Frage ein, wie solche Projekte zum Erfolgsmodell werden können.
Weiterführende Links
- Base of the pyramid (BOP) - Learning Lab Network
- BMZ/GTZ: Case Study Water Kiosks
- Business Fights Poverty (Social Network zum Thema BOP)
- Capturing the promise of mobile banking in emerging markets
- Next Billion (englischsprachiger Blog, weltweiter Fokus)
- Unternehmen Armut (deutschsprachiger Blog; auf deutschsprachige Akteure fokussiert)
- World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) launches Framework to measure the business contribution to society
- Siemens Stiftung - Einsatz für Wasser und Gesundheit
- BSH Bosch und Siemens Hausgeräte: Austausch von veralteten und energieineffizienten Kühlschränken in brasilianischen Armenvierteln
- Klughammer GmbH - Telemedizin in Entwicklungsländern
- Kraft Foods Deutschland GmbH - Nachhaltiger Kaffeeanbau in Kooperation mit der Rainforest Alliance
- Alfred Ritter GmbH & Co. KG - CACAONICA , ein agroforstliches Entwicklungsprojekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort sowie zum Schutz natürlicher Ressourcen als elementarer Lebensgrundlage.
- METRO Group - Trainingsprogramme für Fischer und Landwirte im Bereich Qualitätssicherung und Umweltschutz
- Metro Cash & Carry Vietnam - Aufbau von Zulieferketten im Obst- und Gemüsebereich
- Omniflora GmbH - Import und Vertrieb von Fairtrade Blumen aus Ostafrika
- Peter Riegel Weinimport GmbH - Menschenwürdige und sozial faire Lebens– und Arbeitsbedingungen auf dem Bioweingut Stellar Organics
- BaumInvest: Ökologische Aufforstung mit Edelholz in Costa Rica
Weiterführende Studien
- Emergia Institute, Entwicklungsgeschäfte - Geschäfte machen gegen Armut, PDF 4 MB
- BMZ/GTZ: Case Study Water Kiosks, PDF 757 KB
- The Next 4 Billion: Market Size and Business Strategy at the Base of the Pyramid, PDF 9 MB
- Business Linkages: Lessonss, Opportunities and Challenges, CSRI Report No. 16, PDF 482 KB
- Expanding Economic Opportunity: The role of large firms, CSRI Report No. 17, PDF 670 KB
- UNDP - Report - Creating Value For All: Strategies For Doing Business With The Poor, PDF 9 MB
- UNDP - Report - Creating Value For All: Executive Summary, PDF 2 MB
- UNDP Report Chapter 1, PDF 2 MB
- UNDP Report Chapter 2, PDF 674 KB
- UNDP Report Chapter 3, PDF 436 KB
- UNDP Report Chapter 4, PDF 990 KB
- UNDP Report Chapter 5, PDF 963 KB
- UNDP Report Chapter 6, PDF 859 KB
- UNDP Report Chapter 7, PDF 742 KB
- UNDP Report Chapter 8, PDF 244 KB
- UNDP Report Annexes, PDF 2 MB
