Website-Pfad
Argentinien
CSR-Stellenwert
CSR ist ein relativ neues Konzept in Argentinien. Die Wirtschaftskrise Ende 2001 machte soziale Probleme auch der besser gestellten Bevölkerung stärker bewusst. Insbesondere machte sich das aktive Engagement der NGOs bemerkbar, das in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Dies wiederum ließ auch die Unternehmer verstärktes soziales Engagement zeigen.
Im Jahre 2004 schlossen sich rund 250 argentinische Firmen dem UN Global Compact an und reichen seither regelmäßig ihre Fortschrittsberichte ein. Ihre Zahl wuchs danach allerdings nur langsam: Ende 2007 waren 279 argentinische Unternehmen Global Compact-Mitglieder. Nicht alle erkennen CSR als strategischen Faktor unternehmerischer Nachhaltigkeit an und nur die größeren Firmen haben CSR-Aktionen als ständigen Bestandteil ihrer Firmenpolitik aufgegriffen, sei es aufgrund von Vorschriften des Stammhauses oder direkter Druckausübung von Politik, Gesellschaft oder Investoren. Größere Firmen nutzen CSR-Maßnahmen in der Regel bewusst zur Imagepflege so wie um das politische Umfeld günstig zu beeinflussen. Eine wirtschaftliche Motivation liegt bei Unternehmen vor, die aufgrund konkreter CSR-Maßnahmen Export- oder Vermarktungsbarrieren abbauen können. Sie passen ihre Produktions- oder Beschaffungspolitik an umwelt- oder sozialfreundlichen Maßnahmen an. Daneben gibt es ein beträchtliches, vom Hilfsgedanken inspiriertes Engagement auch bei KMUs, die allerdings eher punktuell oder reaktiv agieren, indem sie Geld bzw. Güter oder Dienstleistungen spenden.
Die Regierung unterstützt im gewissen Rahmen die CSR-Aktivitäten; teilweise nimmt sie auch dankbar die Gelegenheit war, diese politisch zu begleiten. Es gibt aber keine steuerlichen Anreize oder gezielten Programme zur Förderung von CSR-Aktionen. Jedoch arbeiten Firmen beim staatlichen Sozialprogramm „Manos a la Obra“ mit, das Kleinstunternehmen bei der technischen Ausbildung und dem Ankauf ihrer Produkte unterstützt. Das Arbeitsministerium verhandelt derzeitig die Unterschrift eines Kooperationsabkommen mit UNDP, CEPAL und WTO. Diese werden technisch und finanziell die Errichtung einer offiziellen Datenerfassungs- bzw. Monitoringstelle von nationalen CSR-Aktivitäten unterstützen.
Die Medien berichten hauptsächlich über einzelne Hilfsaktionen von Unternehmen sowie Prämienverleihungen für sozialverantwortliches Verhalten. Eine Grundsatzdebatte findet jedoch kaum statt. Gelegentlich widmen sich private Fernsehsender und spezifische Internetauftritte dem Thema.
Eine 2008 lancierte Umfrage der privaten Stiftung ComunicaRSE mit 1.200 Teilnehmern aus der Zivilgesellschaft ergab folgendes:
- Der Begriff CSR ist umso bekannter, je älter der Befragte ist: In den Altersgruppen von 18-24 Jahren kennen ihn nur 23%, mit 31-40 Jahren 29% und bei den 61-70jährigen bis zu 64%.
- Diejenigen, die den Begriff nicht kennen, setzen ihre Erwartungen an gesellschaftliches Engagement von Unternehmen in erster Linie mit Arbeitsbeschaffung in Verbindung. Für diejenigen hingegen, die wissen, was CSR ist, steht der Begriff für Qualitätserfüllung, Bekämpfung der Kinderarbeit, Umweltschutz und Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeiter.
- Der Mediensektor wird für die Branchen mit der meisten Sozialverantwortung gehalten; es folgen die Chemie- und Lebensmittelindustrie, an letzter Stelle stehen die öffentlichen Dienstleister.
- Die bekannteste CSR-Aktivitäten sind Spendenaktionen, gefolgt von Ausbildungs- und Arbeitsfördermaßnahmen.
- 64% der Angestellten schätzen ihren Arbeitsgeber als sozialverantwortlich ein.
Im Rahmen des UN Global Compacts wurde 2004 mit Unterstützung von UNDP, CEPAL und der WTO das argentinische Netzwerk gegründet, an dem 20 Organisationen in Vertretung der verschiedenen Bereiche teilnehmen. Das Netzwerk ist seitdem eine wichtige Plattform für die verstärkte Kooperation von Wirtschaft, der UN, Staat und NGOs. Es fördert das Thema CSR aktiv mit Seminaren, Veröffentlichungen und Beratung. In Argentinien ist auch der Consejo Empresario Argentino para el Desarollo Sustentable (CEADS) – eine Organisation des World Business Council for Sustainable Development – aktiv. Einige der deutschen Unternehmen sind hier Mitglied.
Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) hat zusammen mit der deutsch-argentinischen Handelskammer und InWent das Kompetenzzentrum MERCOSUR für CSR gegründet, das seine Tätigkeiten im Juni 2006 aufnahm und seitdem im Bereich der sozialen und ökologischen Verantwortung Lösungen für kleine, nationale und transnationale Unternehmen entwirft, um Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu erhöhen. Die CSR-Arbeitsgruppe der deutsch-argentinischen Handelskammer organisiert monatliche Firmentreffen und regt ihre Mitglieder mit Seminaren und Veröffentlichungen zu CSR-Aktionen an.
Die deutsche Botschaft in Buenos Aires vermittelt konkrete Gelegenheiten für CSR in Form von Wohltätigkeitsveranstaltungen, Flankierung des deutschen Berufsbildungssystems und enger Zusammenarbeit mit der AHK, InWent und der GTZ/CIM bei umwelt- und klimaschutzbezogene Informationsveranstaltungen. Ziel ist es unter anderem, die Privatwirtschaft bei der Suche nach nachhaltigen Lösungen - insbesondere im Energiebereich - zu unterstützen.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
CSR-Verständnis
Die soziale Situation war nach der drastischen Abwertung des argentinischen Pesos und der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2002 katastrophal. Die vierjährige Rezession führte zu einer deutlichen Anhebung der Arbeitslosigkeit und Armut und beeinträchtigte die Leistungsfähigkeit des Staates im Gesundheits- und Erziehungssektor nachhaltig. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Sozialprogramme, die Notleidende direkt unterstützen (getragen vom Sozialministerium) sowie die subventionierten Preise für Energie und Transport.
Dem peronistischen Ideal verpflichtet ist eine auf Umverteilung angelegte Steuer- und Wirtschaftspolitik, gekoppelt mit dem Bemühen um den Aufbau einer exportfähigen Industrie, die neben dem Agrarsektor Arbeitsplätze schafft.
Firmen werden nach ihrem Nutzen in diesem Umfeld beurteilt und mit marktsteuernden Mitteln (Preisfestlegungen, Tarifeinfrierungen, Verstaatlichungen) beeinflusst. Unternehmen dürfen Spendengelder steuerlich bis zu 5% von der Gewinnsteuer absetzen; zusätzliche CSR-Anreize gibt es aber nicht.
Die Erfahrung der sozialen Ungleichheit, die zwar geringer ist als in benachbarten Ländern, jedoch größer als in Europa, begründet nach wie vor den hohen Stellenwert klassischer privater Wohltätigkeit. Das Umweltbewusstsein und der Nachhaltigkeitsgedanke dagegen greifen in Argentinien erst langsam um sich.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Erwartung an Unternehmen
Die argentinische Politik erwartet von Unternehmen, dass sie eine moralische Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft zeigen und sich gesellschaftlich engagieren. Zivilgesellschaftliche Akteure sehen die Rolle von Unternehmen dagegen hauptsächlich in philanthropische Aktivitäten.
Von deutschen Unternehmern wird grundsätzlich erwartet, dass sie ihre Beschäftigten gut bezahlen. Aufgrund der hohen Armut im Lande wird zudem von der Politik und der Bevölkerung ein soziales Engagement auf gesellschaftlicher Basis erwartet.
Deutsche Unternehmen bzw. Marken werden automatisch mit Qualität und Umweltfreundlichkeit gleichgesetzt. Hohe Standards werden daher vorausgesetzt und Ausbildungsprojekte wie die duale Berufsausbildung der AHK oder von Volkswagen werden sehr geschätzt.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Rahmenbedingungen
Umsetzung übergeordneter Referenztexte
OECD Argentinien
Ratifizierung: Kein Mitglied
Ansprechpartner vor Ort
Ambassador Rodolfo I. Rodríguez
Deputy Director of the National Directorate for Economic International Negotiations
Director of the OECD Coordination Unit
Ministry Arturo Hotton Risler
Deputy Director of the NPC
National Direction of International Economic Negotiations (DINEI)
Ministry of Foreign Affairs, International Trade and Worship
Esmeralda 1212, 9th floor
Buenos Aires, Argentina
Tel: +54 11 4819 7602 /8124 7607
Fax: +54 11 4819 7566
Email: oecde (at) mrecic.gov (dot) ar
rro (at) mrecic.gov (dot) ar
ahr (at) mrecic.gov (dot) ar
gnt (at) mrecic.gov (dot) ar
Web: www.cancilleria.gov.ar/pnc
Initiativen der Wirtschaft
GLOBAL COMPACT-Netzwerk
Ansprechpartner vor Ort
UNDP
Mr. Flavio Fuertes
flavio.fuertes (at) undp (dot) org
GC Office Country Coordinator
Mr. Jonas Haertle
E-mail: haertle (at) un (dot) org
WORLD BUSINESS COUNCIL FOR SUSTAINABLE DEVELOPMENT
Netzwerk vor Ort seit 1992
Ansprechpartner vor Ort
BCSD Argentina (CEADS)
Sebastian Bigorito, Executive Director
Suipacha 531 piso 5°
Buenos Aires (1008), República Argentina
Tel: +54 11 4328 9593 or +54 11 4327-3163
Fax: +54 11 4328 4512
E-mail: sbigorito (at) ceads.org (dot) ar
Website: www.ceads.org.ar
Handlungsfelder
Im Zusammenhang mit dem „Bicentenario“ im Jahr 2010 – der Zweihunderjahrfeier des Beginns des Unabhängigkeitsprozesses ergeben sich besonders gute Möglichkeiten, eigene CSR-Aktivitäten in einem Gesamtrahmenprogramm der deutschen Wirtschaft wirkungsvoll zur Geltung zu bringen.
Insbesondere der Bereich Bildung, Ausbildung und Innovation sind dabei, neben klassischen kulturellen Aktivitäten, besonders gut zu platzieren.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Armut
Die offizielle Arbeitslosigkeit ist dank wirtschaftlichen Erholung und der sozialpolitischen Maßnahmen nach der Krise von 2001/2002 auf rd. 8,5 Prozent gesunken. Trotzdem bleibt jeder vierte Arbeitsfähige unterbeschäftigt. Sowohl im Landesinnern wie im Großraum Buenos Aires sind die Grundbedürfnisse nur mangelhaft gedeckt, hier lebt noch 30% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.
Mikrokredite haben sich als besonders erfolgreiche nachhaltige Fördermaßnahmen erwiesen. Untersuchungen haben auch am argentinischen Beispiel die positiven Auswirkungen auf die Position der Frauen in der Gesellschaft, die Verbesserung der Lebensqualität und auf die Bildung gezeigt.
Eckdaten
- Durchschnittliche Lebenserwartung: Gesamt Population: 76,36 Jahre; Männlich: 73,11 Jahre; Weiblich: 79,11 Jahre (2008 est.)
- Säuglingssterblichkeit: Total: 11,78 Tote/1000 Geburten; Männlich: 13,12 Tote/1000 Geburten; Weiblich: 10,37 Tote/1000 Geburten (2008 est.)
- Unterernährung: 3% (2002/04)
- Zugang zu sauberem Wasser: 96% (2004)
- Zugang zu sanitären Einrichtungen: 91% (2004)
- Human Poverty Index: Rank 4 von 108 (2007/2008)
- Gini Index: 49 (2006)
- Bevölkerung unter der Armutsgrenze: 23,4% (Januar-Juni 2007)
Argentinische Konsumenten legen bei der Kaufentscheidung derzeit noch mehr Wert auf das Preis-Leistungs-Verhältnis als auf das soziale Engagement des Unternehmens oder die umweltfreundliche Produktion. Dennoch verbessern strategische CSR-Aktionen das Image der Marke, stärken deren Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Gesellschaft in die Firma. Sie sind für die politische Standortpflege (lokale Bürgermeister bis hin zu nationalen staatlichen Stellen) ein oftmals unersetzliches Instrument. Schließlich sind es Investitionen in der Entwicklung des Landes und damit neuer Marktchancen.
Akteure
Die Deutsch-Argentinische Handelskammer, die deutsche Botschaft und die politischen Stiftungen sind für Unternehmen gute Anlaufstellen, sich in Bezug auf soziale Institutionen und Gegebenheiten im Lande zu informieren.
Die Direktion für internationale Kooperation des argentinischen Außenministeriums hat in ihrer Webseite eine lange Liste von ausländischen Institutionen und NGOs einstellt, die im sozialen Sektor in Argentinien tätig sind: http://www.mrecic.gov.ar. In Argentinien sind über 105.000 sozialausgerichtete Organisationen tätig, viele davon eignen sich als Vermittler für CSR-Aktionen.
Die Suchmaschine Guia Solidaria http://www.guiasolidaria.org.ar/ verschafft zudem einen guten Überblick der wichtigsten NGOs je nach Schwerpunkt ihrer Arbeit.
Einige der wichtigsten NGOs sind:
- Help Argentina (Vernetzung von Gebern und den sozialen Organisationen)
Maipú 62, Piso 2, oficina 9
C1084ABA - Ciudad Autónoma de Buenos Aires
Tel.: +54 11 5032-6424
www.helpargentina.org - Fundación Red Solidaria (Vernetzung Geber und Empfängerinstitutionen)
redsolidaria (at) ssdnet.com (dot) ar,
Tel.: +54 11 4796-5828
http://www.redsolidaria.presencia.net/red_solidaria/redes_solidarias - Fundación Compromiso (Stärkung von sozial engagierten NGOs)
Arenales 1457 - 7º piso
(C1061AAO) - Buenos Aires - Argentina
Tel.:: +54 11 4811-3149
info (at) compromiso (dot) org
www.compromiso.org - Fundacion Conin (Unterernährung)
Tel.: 0261 – 4205004/ 155 - 006 – 5069
www.conin.org.ar
administracion (at) conin.org (dot) ar
Chancen und Risiken von Engagement im Bereich Armut
Im Allgemeinen muss man keine besonderen Gegebenheiten kultureller oder gesellschaftlicher Art beachten, die zu Konflikten führen könnten. Lediglich bei den indigenen Gemeinden sollte man sich vorher mit den entsprechenden Gemeindevertretern und engagierten zivilen Organisationen absprechen, da in diesen Gemeinden das Vorhaben ohne grundsätzliche Akzeptanz der Betroffenen von vornherein scheitern würde.
Unternehmensbeispiele
Zur direkten und kurzfristigen Armutsbekämpfung bieten sich folgende gezielte Fördermaßnahmen in den Orten mit hoher Armut an.
- Zentren für landwirtschaftliche Weiterbildung
- Krankenhäuser und Gesundheitszentren
- Arbeit mit eingeborenen Völkern
- Altersheime
- Kinder- und Jugendheime
- Mutter-Kind-Zentren, Suppenküchen
- Kindergärten
- Projekte zur Armen-Viertel-Entwicklung
Reine Spendengelder dürfen Unternehmen steuerlich bis zu 5% von der Gewinnsteuer absetzen. Größere Unternehmen gründen Stiftungen unter ihrem Namen für die Umsetzung ihrer CSR-Aktivitäten, um weitere steuerliche Vorteile zu nutzen.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Bildung
Für Unternehmen ergeben sich angesichts des beschriebenen Rahmens folgende dringende Handlungsfelder:
- Förderung der Berufsausbildung, insbesondere der dualen Form
- Partnerschaften mit Universitäten und Forschungsinstituten insbesondere im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich (Stipendien, Gerätespenden für renommierte Institute wie das derzeit im Aufbau befindliche Max-Planck-Institut für Biotechnologie in Buenos Aires bis hin zu Firmenlehrstühlen).
- Förderung der Begeisterung für Wissenschaft und Technik bereits im frühen Schulalter; Unternehmen gehen Partnerschaften mit Grundschulen ein, um Unterrichtsmaterialien zu spenden, naturwissenschaftliche Unterrichtseinheiten in Unternehmen zu organisieren etc.
- Spenden für Schulen und Schulausstattungen in sozial benachteiligten Gebieten.
Eckdaten
- Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (Anteil am BIP): 3,8%
- Schulpflicht: 5 – 15 Jahre
- Einschulungsquote: 99% der schulpflichtigen Kinder (2004)
- Alphabetisierung (Definition: ≥ 15jährige können lesen und schreiben): Gesamtbevölkerung: 97,2%; Männlich: 97,2%; Weiblich: 97,2% (2001 census)
- HDI Education Index: Rang 38 von 177: 0,732 (1 = max., 0 = keine Bildung)
- Durchschnittliche Dauer des (Hoch-)Schulbesuchs: Gesamt: 15 Jahre; Männlich: 14 Jahre: Weiblich 16 Jahre (2005)
Der Bildungsbereich bietet Herausforderungen, aber auf hohem Niveau. Investitionen in diesem Bereich sind besonders viel versprechend, da sie rasch exzellente Resultate erreichen können und angesichts der bildungsfreundlichen Mentalität der Bevölkerung auch als besonders signifikant wahrgenommen werden.
Akteure
- Berufsbildungszentrum (BBZ)
Instituto Ballester
Calle 69 No. 5140
1653 Villa Ballester
Buenos Aires, Argentina
Tel.: +54 11 4768-0760, int. 147
Fax.: +54 11 4738-3512
bbz (at) iballester.edu (dot) ar
www.bbz.iballester.edu.ar
http://www.bbz.iballester.edu.ar/de_index.php - Fundación SES
Avda. de Mayo 1156 Piso 2 (C1085ABO)
Ciudad Autónoma de Buenos Aires, República Argentina.
www.fundses.org.ar
Tel/fax +54 11 4381 4225 / 4381 3842
info (at) fundses.org (dot) ar - Fundación Desarrollar Argentina (IT)
Av. Libertador 184 - 9º piso C. - Buenos Aires – Argentina
info (at) desarrollar (dot) org
www.desarrollar.org
Chancen und Risiken von Engagement im Bereich Bildung
Die Förderung der wissenschaftlich-technischen Exzellenz ist persönlich erklärte politische Priorität der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Deutschland gilt als Bildungsland; viele argentinische Studenten beherrschen aufgrund ihrer Herkunft oder der Ausbildung in deutschen Schulen die deutsche Sprache. Eine größer angelegte gemeinsame Initiative der deutschen Wirtschaft für das große Jubiläumsjahr 2010 (200 Jahre seit Beginn des argentinischen Unabhängigkeitsprozesses) ist angedacht und würde die politische Wirkung jeder Einzelmaßnahme deutlich erhöhen.
Risiken bestehen allenfalls in der auf nationale Souveränität ausgerichteten und überforderten Schulbürokratie. Dem kann erfahrungsgemäß entgegen gewirkt werden, indem man frühzeitig und von der Botschaft unterstützt Kontakt zu den Schulbehörden aufnimmt, sich flexible Schulleiter heraussucht und auf Pilotprojekte setzt.
Unternehmensbeispiele
Deutsch-argentinische Handelskammer
Die deutsch-argentinische Handelskammer bietet seit 1977 zusammen mit dem Instituto Ballester (einer deutschen Auslandsschule) eine kaufmännische Berufsausbildung an; eine Mechatroniker-Ausbildung an der Hölters-Schule ist seit kurzem dazu gekommen.
CSR-WeltWeit Fallstudie: Mehr Informationen im ausführlichen Fallbeispiel.
Volkswagen SA
- Volkswagen bildet nach Angaben des Firmenchefs ca. 300 Lehrlinge in Zusammenarbeit mit lokalen Berufsschulen in Cordoba aus.
- Zudem richtet das Unternemen gerade den Lehrstuhl für Automobiltechnik in Zusammenarbeit mit der Universidad de Buenos Aires ein.
- Die Volkswagenstiftung finanziert außerdem ein Förderprogramm für exzellente Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft. In diesem Rahmen wirkt Volkswagen auch an einer geplanten Ausstellungen zu Innovation und Wissenschaft mit (bspw. Einladung an den Max-Planck-Science Tunnel nach Buenos Aires für das Jahr 2010).
CSR-WeltWeit Fallstudie: Mehr Informationen im ausführlichen Fallbeispiel über das duale System und den Lehrstuhl für Automobilmechanik
LANXESS SA
CSR-WeltWeit Fallstudie: Educate to Grow: funding program to support educative projects
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Gesundheit
Eckdaten
- Öffentliche Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP): 4,3% (2004)
- Medizinische Versorgung: 301 Ärzte pro 100 000 Einwohner (2000-2004)
- Säuglingssterblichkeit: Total: 11,78 Tote/1000 Geburten, Männlich: 13,12 Tote/1000 Geburten, Weiblich: 10,37 Tote/1000 Geburten (2008 est.)
- Müttersterblichkeit: 40 Tote/100 000 Geburten (1990-2004)
- Kinderunterernährung: 4% der unter 5jährigen (1996-2005)
- HIV/AIDS Prevalence Rate (>15 Jahre): <0,7 % (2001)
- HIV/AIDS Erkrankte: 130 000 Erkrankte (2001est.)
- HIV/AIDS Tote: 1 500 (2003 est.)
- Lebenserwartung: Gesamt Population: 76,36 Jahre; Männlich: 73,11 Jahre; Weiblich: 79,11 Jahre (2008 est.)
Auch das Gesundheitswesen litt stark unter der Wirtschaftskrise vom 2001/2002. Der Staat erhöhte 2003 den Staatshaushalt für den Bereich und ergriff gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung von Krankheiten. Trotzdem ist die Säuglingssterblichkeit aufgrund mangelhafter Behandlung bei Frühgeburten, Schwerstbehinderungen und infektiösen Krankeiten während der Schwangerschaft und bei der Geburt vergleichsweise hoch (2008, ~12/100). Besonders in den nördlichen armen Provinzen ist die Lage aufgrund mangelhafter sanitärer Bedingungen (Stroh- oder Astdächer, aufgestautem Wasser, fehlender Hygiene, usw.) schwierig. Es mangelt an sanitären Einrichtungen, Behandlungsräumen, Infrastruktur und Medikamenten. Gleichzeitig besteht der Bedarf an hochmodernen Geräten, für die ausgebildetes Fachpersonal bereitstünde.
Akteure
- Fundacion Conin (Unterernährung)
0261 – 4205004/ 155 - 006 – 5069
www.conin.org.ar
administracion (at) conin.org (dot) ar - Hospital Aleman
Av. Pueyrredón 1640 - C1118AAT Buenos Aires
Tel. +54 11 4827-7000 / Fax: +54 11 4805-6087
http://www.hospitalaleman.com.ar
Chancen und Risiken von Engagement im Bereich Gesundheit
Der allgemeine Nachholbedarf im Gesundheitssektor und bei Medizintechnik macht den argentinischen Markt mittelfristig für deutsche Unternehmen interessant. Mitte 2008 verkündete die Präsidentin Kirchner den Bau von 30 Krankenhäusern und 300 Gesundheitszentren bis zum Jahr 2010. Die Regierung kann keine riesigen Summen für das öffentliche Gesundheitssystem aufwenden, solange sich Wirtschaft und Staatsfinanzen nicht vollständig von der Wirtschaftskrise erholt haben. Die deutsche Medizintechnik kann trotzdem aus der sozialpolitischen Orientierung der Regierung Nutzen ziehen, sei es bei der Erschließung neuer Märkte, im Rahmen von PPP-Vorhaben oder bei privaten Sozialinitiativen.
Unternehmensbeispiele
Großspenden an moderne Krankenhäuser wie das Hospital Alemán in Buenos Aires
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Politische Mitwirkung
Eckdaten
- Wahlrecht: 18 Jahre, universal und verpflichtend
- Rangliste der Pressefreiheit: Rang 82 von 169 (2007)
Unternehmen könne sich an Projekten zur Aus- und Fortbildung politischer Führungskräfte beteiligen, insbesondere im kommunalen Umfeld. Zudem können sie einen Beitrag zu Prozessen der Verbesserung der institutionellen Qualität und Stärkung der Demokratie leisten.
Akteure
- CIPPEC
NGO, die sich mit Analyse, Beratung, Förderung und Evaluation in diversen Politikbereichen (Sozialpolitik, Wirtschafts- und Finanzpolitik, Stärkung von Institutionen und Rechtsstaat) beschäftigt
http://www.cippec.org - Poder Ciudadano
NGO, seit 1996 lokaler Vertreter von Transparency International, unterstützt u.a. von Friedrich-Ebert- und Konrad-Adenauer-Stiftung
http://www.poderciudadano.org/ - politische Stiftungen (Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung)
Chancen und Risiken von Engagement im Bereich Politische Mitwirkung
Bei sorgfältiger Auswahl der Kooperationspartner und -projekte überwiegen die Chancen eines Engagements im Bereich politischer Mitwirkung. Dabei dürfte die Unterstützung oder Schirmherrschaft bei konkreten Projekten die Sichtbarkeit des Engagements deutlich erhöhen. Die zahlreichen Beiträge von Unternehmen zu CIPPEC und Poder Ciudadano zeigt, dass Unterstützung durch Unternehmen im Bereich politischer Mitwirkung bereits etabliert ist. Allerdings sind bislang kaum deutsche Unternehmen in diesem Bereich engagiert.
Unternehmensbeispiele
ca. 400 lokale und internationale Unternehmen unterstützen die Arbeit von CIPPEC (NRO - "Centro de Implementación de Políticas Públicas para la Equidad y el Crecimiento")
Shell und Personal (Mobiltelefonie) unterstützen Arbeit von Poder Ciudadano
Lehrgang für Stadträte (organisiert von CIPPEC und Friedrich-Naumann-Stiftung) wurde von NEXTEL (Telefonie) und Nobleza Piccardo (Tabakindustrie) unterstützt.
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Umwelt
Eckdaten
- Emission CO2: 0,5% vom Weltgesamtausstoß (2004)
- Emission CO2 pro Kopf: 3,7 t (2004)
- Energieverbrauch: 88,98 Millionen kWh (2005)
- Wasserverbrauch (Haushalte/Industrie/Landwirtschaft): Total: 29,19 km3/Jahr(17%/9%/74%); Pro Kopf: 753 m3/Jahr (2000)
- Wasser-, Solar-, Wind-, Geothermalengerie: 4,6 % des Primärengerieverbrauchs (2005)
Das starke Ungleichgewicht zwischen den Fortschritten der Gesetzgebung im Bereich des Umweltschutzes auf der einen Seite und der Anwendung der Regelungen auf der anderen Seite ist wohl das größte Problem, das die argentinische Umweltpolitik zu lösen hat.
Die Wasserverschmutzung stellt vor allem in den Großstädten wie Buenos Aires oder Córdoba ein ernstes, gleichzeitig soziales Problem dar. Zu nennen ist die katastrophale Situation am biologisch toten Inlandsfluss Riochuelo, der die Armenviertel von Buenos Aires durchfließt. In den Großstädten ist auch die Luftqualität mangelhaft, was zum einen an der starken Abgasbelastung, zum anderen an den fehlenden Grünflächen liegt. Die dürftige Abfallversorgung trägt noch zusätzlich zur schlechten Umweltlage in den Ballungsräumen bei.
Akteure
- Fundación Vida Silvestre Argentina
Defensa 251 Piso 6 "K"
(C1065AAC) Buenos Aires, Argentina.
www.vidasilvestre.org.ar/
Tel: +54 11 4331-3631 / 4343-4086
Fax: +54 11 4331-2217 - Fundación Fundapaz
Castelli 12 2do A (1031) Buenos Aires, Argentina
+54 11 4864-8587
http://www.fundapaz.org.ar
Chancen und Risiken von Engagement im Bereich Umwelt
In all diesen Bereichen gibt es Ansatzpunkte für deutsche Umwelttechnologie.
In Umwelttechnik und effizienter Energienutzung besteht in Argentinien noch großer Informations- und Technologiebedarf, auch für die geschäftliche Nutzung der ausgezeichneten Ressourcen (Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft).
Etliche Unternehmen die sich auf dem internationalen Markt behaupten wollen, unterwerfen sich den Umwelt-ISO-Normen.
Unternehmensbeispiele
Ressourcenschutz, Energieschutz, Wasser- und Abfallmanagement, Waldschutz, Gentechnik
Quelle: Deutsche Botschaft, Buenos Aires
Daten & Fakten
Weiterführende Links
- Argentinien - Anti-Korruptions-Informationen
- BCSD Argentina (Consejo Empresario Argentino para el Desarollo Sustentable)
- Bertelsmann Transformation Index - Argentinien
- Corruption Perceptions Index 2008 (CPI)
- Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer
- Deutsche Botschaft Buenos Aires
- El Ministro de Economía y Producción
- Human Development Index - Argentinien
- Instituto Argentino de Responsabilidad Social Empresaria (IARSE; auf Spanisch)
- Interamerican Developmet Bank - Publikationen und Konferenzen zu CSR
- Länderinformationen Argentinien, Auswärtiges Amt
- UN Global Compact Argentina
- UNDP Argentina
Weiterführende Studien
- AHK & GTZ, Corporate Social Responsibility - CSR Mercosur, PDF 3 MB
- UN Global Compact, Las Comunicaciones sobre el Progreso 2005, PDF 1 MB
- Paul Alexander Haslam: The Corporate Social Responsibility System in Latin America and the Caribbean (03/2004), PDF 332 KB
- GTZ, PPPreport: Lateinamerika - offen für neue Ideen, PDF 683 KB
