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Bangladesch

CSR-Stellenwert

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Erde.Mehr als 40% der Bevölkerung gelten als extrem arm (BMZ 2010). Zwar erlebte die Wirtschaft seit 2004 Wachstumsraten von durchschnittlich rund 6%, aber mangelhafte Infrastruktur und Korruption sind nach wie vor dringende Probleme, die das Wachstum bremsen. Auslandsüberweisungen von Arbeitsmigranten aus der Golfregion sind neben der Beschäftigung in der Textilindustrie eine wichtige Einkommensquelle. Sie machen rund 11 Prozent des BIP aus, das ist der höchste Wert weltweit. Ein Großteil der Wirtschaftstätigkeit findet informell statt, was zu geringen Steuereinnahmen, aber auch zu einem geringen Bildungsniveau der Bevölkerung und schlechten Arbeitsbedingungen beiträgt.

In Bangladesch gibt es einige CSR-Aktivitäten. Viele davon werden von den Mitgliedsunternehmen der Textil-Verbände durchgeführt, z.B. von der Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA) oder von der Bangladesh Knitwear Manufacturers and Exporters Association (BKMEA). Initiativen gibt es auch bei  der Handelskammer Dhaka Chamber of Commerce and Industry (DDCI), bei Think Tanks wie dem Bangladesh Enterprise Institute (BEI) oder bei Banken (Standard Chartered Bank).

Die Regierung verfügt über keine explizite CSR-Politik. Ministerien wie das Ministry of Commerce und das Ministry of Information fordern aber die Industrie zur Durchführung von CSR-Maßnahmen auf, die auch steuerlich abgeschrieben werden können, wie zum Beispiel Spenden.

Der „Global Compact“ der Vereinten Nationen bringt Vertreter der Privatwirtschaft mit Einrichtungen der Vereinten Nationen, Arbeitnehmerverbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen, um die Umsetzung von Sozial- und Umweltmaßnahmen zu fördern.
Auch zwei privatwirtschaftliche Institutionen stehen Unternehmen mit CSR-Expertise zur Seite: das Bangladesh Enterprise Institute (BEI) und das CSR Centre Bangladesh. Das BEI unterstützt Partnerschaften und Programme innerhalb des privaten Sektors, die zu Bangladeschs Entwicklungszielen beitragen und organisiert das lokale Global Compact Netzwerk. Das CSR Centre Bangladesh weist auf Mängel in der Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards in Unternehmen und liefert Instrumente zur Verbesserung. Es fungiert außerdem als Netzwerk für den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Akteuren. Beide Institutionen bilden einen guten Anlaufpunkt für Unternehmen, die sich in Sachen CSR in Bangladesch engagieren möchten.

CSR-Verständnis

Allgemein verstehen Zivilgesellschaft, Unternehmer und Politiker in Bangladesch unter CSR-Maßnahmen die Unterstützung von philanthropischen Maßnahmen besonders im Schul- und Gesundheitsbereich. Dieser Fokus ist auch durch die islamische Tradition des Landes geprägt, die finanziell Bessergestellte auffordert, die Benachteiligten zu unterstützen. Von Unternehmen werden daher hauptsächlich wohltätige Maßnahmen erwartet, wie z.B. Spenden oder betriebsinterne Fortbildungsangebote.

In Bangladesch hat sich in den letzten Jahrzehnten eine starke NGO-Bewegung etabliert, angeführt vom Bangladesh Rural Advancement Committee (BRAC) und den Grameen Initiativen unter Führung des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus. Diese Organisationen sind in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aktiv und übernehmen dabei zum Teil auch Aufgaben im Bildungs- und Gesundheitssektor, die andernorts vom Staat umgesetzt werden. Sie fungieren als kritische Beobachter und deuten auf Missstände wie Korruption, Kinderarbeit und unwürdige Arbeitsbedingungen hin. Sie arbeiten aber auch häufig in Partnerschaften mit Unternehmen, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Außerdem bauen sie selbst „Social Businesses“ auf, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Bekanntestes Beispiel ist die Grameen Bank, die vor über 30 Jahren begann, Mikrokredite an Menschen in Armut zu vergeben. Seit ihrer Gründung hat die Grameen Bank acht Millionen Kunden bedient und Kredite in Höhe von neun Milliarden Dollar vergeben.

Multilaterale und bilaterale Organisationen unterstützen Unternehmen mit einer Reihe von Initiativen bei der Umsetzung von CSR Maßnahmen:

  • Das Programm PROGRESS (Promotion of Social, Environmental and Production Standards in the Ready-Made Garment Sector) der GTZ im Auftrag des BMZ fördert die Umsetzung von Sozial-, Umwelt- und Produktionsstandards im Textilsektor.
  • Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat 2008 eine Initiative zur Schaffung von „Green Jobs“ ins Leben gerufen. Dabei arbeitet sie zum Beispiel in einer Public Private Partnership (PPP) mit Grameen Shakti, einem Unternehmen aus der Grameen Gruppe, das Solarsysteme im ländlichen Bangladesch vertreibt. Unter anderem werden Frauen in der Instandhaltung von Solar-Panelen geschult.
  • Bangladesh ist einer der größten Hilfsempfänger aus dem Asian Development Fund der Asian Development Bank (ADB). Die Bank unterstütze zum Beispiel Grameen Phone, ein Unternehmer der Grameen Gruppe, das der Landbevölkerung Zugang zur Mobiltelefonie ermöglicht.

Erwartung an Unternehmen

Generell wird von Unternehmen erwartet, dass sie sich vor allem im Rahmen von philanthropischen Aktivitäten (zum Beispiel Spenden) für die Gesellschaft einsetzen. Dies sei eine moralische Verpflichtung der Unternehmen.

Ausländische Unternehmen haben zudem die Erwartungen ihrer Absatzmärkte im Auge. In Bangladesch sind nur wenige deutsche Firmen mit eigenen Produktionsstätten vertreten. Daher sind viele Unternehmen darauf angewiesen, dass ihre Lieferanten soziale Verantwortung beispielsweise im Umgang mit ihren Mitarbeitern zeigen. So engagieren sich deutsche Unternehmen, etwa in der Textilindustrie, für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten. Viele deutsche Firmen haben Kontrollmechanismen zur Überprüfung ihrer Lieferanten entwickelt und organisieren Schulungen, beispielsweise zur Verbesserung der Arbeitssicherheit oder zur Begrenzung von Schadstoffbelastungen.

Weitere Initiativen von deutschen Unternehmen sind:

Rahmenbedingungen

Staatliche Regulierungen - Umsetzung übergeordneter Referenztexte

Umsetzung übergeordneter Referenztexte

Die ILO Kernarbeitsnormen (Recht auf Kollektivverhandlungen, Abschaffung der Zwangsarbeit, Beseitigung der Kinderarbeit sowie das Diskriminierungsverbot) wurden in das Arbeitsgesetz übernommen. Eine aktive Verbreitung der Normen erfolgt durch Kampagnen im Radio, TV, über Poster, Workshops sowie Runde Tische. Des Weiteren werden Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zum Beispiel für Fabrikinspektoren angeboten.

Allerdings sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, um ein weitreichendes Bewusstsein zu schaffen und die Einhaltung der Normen zu garantieren. Die staatlichen Strukturen sind relativ schwach ausgeprägt, was die Durchsetzung der Vorschriften in vielen Fällen praktisch unmöglich macht. Korruption ist weit verbreitet und verhindert zusätzlich die Umsetzung der rechtlichen Vorgaben. Große Defizite bestehen zudem in der Rechtsprechung. Die Aussicht auf langwierige und teure Prozesse verhindert meist, dass Mitarbeiter den Klageweg gegen ihre Arbeitgeber überhaupt beschreiten. In einigen Fällen gelingt es mit Unterstützung von NGOs, Rechte auf dem Klageweg durchzusetzen.

Wirtschaftsinitiativen - CSR-Instrumente der Wirtschaft

GLOBAL COMPACT-Netzwerk

Ansprechpartner vor Ort ist das Bangladesh Enterprise Institute, ein unabhängiger Think Tank zur Förderung des Wachstums der Privatwirtschaft. Besonders im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen möchte es zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und Wachstumschancenaufzeigen.

Ansprechpartner:
Frau Shahaman S. Zaman (CEO)
CSR Centre, Bangladesh Enterprise Institute
Email: ceo (at) csrcentre-bd (dot) org
http://www.bei-bd.org

Handlungsfelder

Armut

Link zum CSR WeltWeit-Dossier "Entwicklungsgeschäfte"

Bangladesch zählt zu den ärmsten Ländern der Welt („least developed countries“, LDC). Mehr als 40% der Bevölkerung lebt unter der nationalen Armutsgrenze (definiert als Zugang zu weniger als 2.221 kcal. Nahrung pro Tag). Unterernährung ist ein weit verbreitetes Problem, das durch die Nahrungsmittelkrise von 2007/08 und dem darauffolgenden Anstieg der Lebensmittelpreise noch verstärkt wurde. Vor allem Kinder sind von der Unterernährung betroffen (2005: 40% aller unter 5-jährigen).

Eckdaten

  • Lebenserwartung: Gesamtpopulation: 62 Jahre (2003)
  • Säuglingssterblichkeit: Total: 65 Tote / 1000 Geburten (2004)
  • Human Poverty Index: Rang 112 von 135 (2009)
  • HDI für Bangladesch: 0,543(146. von 182 Länder)
  • Gini Index: 34% (2000)
  • Bevölkerung unter der Armutsgrenze: 40%

Die Regierung hat Programme zur Armutsbekämpfung aufgesetzt: Das Asrayan Project setzt sich beispielsweise für die Schaffung von adäquatem Wohnraum, Bildungsmaßnahmen sowie verbindliche rechtliche Grundlagen für Landbesitzer ein (http://www.abashanpmo.gov.bd/).

Akteure

Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ)
http://www.gtz.de/en/weltweit/asien-pazifik/604.htm

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
http://www.bmz.de/de/laender/partnerlaender/bangladesh/index.html

NETZ e.V.
NETZ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich auf die Entwicklungszusammenarbeit mit Bangladesch spezialisiert hat. Seit 1989 unterstützt der Verein Menschen, die von Armut besonders betroffen sind, mit konkreten Selbsthilfe-Projekten in den Bereichen Ernährung, Bildung, Gesundheit und Menschenrechte. Hierfür arbeitet Netz e.V. partnerschaftlich mit qualifizierten, in der Bevölkerung verankerten Organisationen zusammen. http://www.bangladesch.org

BRAC
BRAC ist eine der größten nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationender Welt mit Aktivitäten in 64 Distrikten Bangladeschs, über 7 Millionen Mitgliedern der Mikrofinanzgruppe, knapp 40.000  Grundschulen und vielen freiwilligen Helfern. Insgesamt beschäftigt die NGO rund 120.000 Menschen, überwiegend Frauen. Zahlreiche Programme zur Mikrofinanzierung und Bildung werden zurzeit in neun Ländern Asiens und Afrikas angeboten, die ca. 110 Millionen Menschen zu Gute kommen. www.brac.net

Grameen Bank Ltd.
Unter ihrem Gründer Prof. Muhammad Yunus hat die Grameen Bank traditionelle Methoden des Kreditwesens revolutioniert, und durch Mikrokredite vor allem an Frauen nachhaltig zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Bangladesch beigetragen. Zur Gruppe gehören zahlreiche weitere Unternehmen und Initiativen etwa in den Bereichen Kommunikation, Gesundheit, und Bauen. http://www.grameen-info.org/

NROs wie BRAC und Grameen leisten mit vielfältigen Initiativen ebenfalls einen Beitrag zur Armutsbekämpfung, etwa durch Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur, der Energieversorgung, der Gesundheitsvorsorge, Infrastruktur oder durch das Angebot von Mikrokrediten und Versicherungen (http://www.grameen-info.org/).

Unternehmensbeispiele

BASF Grameen Ltd

BASF SE und Grameen Healthcare Trust haben im März 2009 das Joint Venture BASF Grameen Ltd. gegründet. Ziele des Unternehmens sind eine bessere Gesundheitsversorgung sowie der Aufbau von Geschäftsmöglichkeiten für Menschen aus armen Bevölkerungsschichten in Bangladesch. BASF Grameen Ltd. wird dazu mit zwei Produkten der BASF starten: Portionsbeutel mit Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung sowie beschichtete Moskitonetze zum Schutz vor krankheitsübertragenden Insekten.
http://www.basf.com/group/corporate/de/sustainability/economy/
social-business

Otto Group

Die Versandhandelsgruppe Otto und Grameen haben ein Joint Venture zur Errichtung der Grameen Otto Textile Company gegründet, einer Textilfabrik mit hohen Arbeitsstandards. Der Profit wird im Grameen Otto Trust verwaltet und dient ausschließlich der Verbesserung der Lebensumstände der Angestellten, ihrer Familien und den Gemeinden vor Ort.
http://www.ottogroup.com/uploads/media/
091111_Grameen_Otto_Group_JV_dt.pdf

 

Bildung

Der Besuch der Grundschule ist für viele Kinder in Bangladesch nicht selbstverständlich. Zwar ist der Besuch von staatlichen Grundschulen kostenlos, aber die erforderliche Ausstattung wie Uniformen und Lehrmaterial sind für viele Eltern unerschwinglich. Zudem sind besonders auf dem Land Schulen oft weit entfernt, und der tägliche Transport der Kinder ist für viele Eltern nicht finanzierbar.

Eckdaten

  • Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (Anteil am BIP): 2,7% (2007), Rang 151 weltweit
  • Schulpflicht: 5 Jahre
  • Einschulungsquote: 86,4% (2008)
  • Alphabetisierung (Definition: ≥ 15jährige können lesen und schreiben): Gesamtbevölkerung: 47,9%, männlich 54%, weiblich 42,4% (2001 Census)
  • HDI Education Index: 146 
  • Durchschnittliche Dauer des (Hoch-)Schulbesuchs: Gesamt: 8 Jahre, männlich 8 Jahre, weiblich 8 Jahre (2004)

Eine weiterführende Schule können sich nur wenige Familien in Bangladesch leisten. Zum einen ist der Besuch dieser Schulen kostenpflichtig, zum anderen sind viele Familien auf das Einkommen durch die Arbeitskraft der Kinder angewiesen. Laut UNICEF arbeiten in Bangladesch rund 4,9 Millionen Kinder unter 14 Jahren regelmäßig, um sich und ihre Familien zu ernähren. Große räumliche Entfernungen, die veraltete Ausstattung der Schulen sowie ein Mangel an qualifizierten Lehrern erschweren den Kindern die Ausbildung zusätzlich. International vergleichbare Schulabschlüsse sind meist nur durch privat finanzierten Zusatzunterricht zu erlangen, der lediglich für einen kleinen Teil der Bevölkerung erschwinglich ist.

Akteure

AlphaBangla Verein für Bildung
AlphaBangla ist ein gemeinnütziger Verein, der ein Schulprojekt im Dorf Syedpur finanziert http://www.alphabangla.de

Andheri-Hilfe e.V. Bonn
Die Andheri-Hilfe Bonn ist eine unabhängige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit. Zurzeit fördert sie ca. 150 Projekte und Programme in Indien und Bangladesch zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der ärmsten Bevölkerungsgruppen. Die Schwerpunkte der Förderung liegen in den Bereichen Sozialarbeit, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der landwirtschaftlichen und  ländlichen Entwicklung. http://www.andheri-hilfe.de

BESCO - Hilfe für Bangladesch e. V.
BESCO ist eine gemeinnützige freiwillige Hilfsorganisation für Bildung und soziokulturelle Entwicklung in Bangladesch. http://www.besco-hfb.de/

Lichtbrücke e.V.
Die Lichtbrücke ist ein eingetragener Verein mit dem Ziel, durch nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe den Armen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Der Verein unterstützt vor allem Projekte mit einem integrierten Ansatz im ländlichen Raum und in Slumgebieten in Bangladesch. http://www.lichtbruecke.com/22-0-der-verein.html

NETZ e.V.
NETZ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich auf die Entwicklungszusammenarbeit mit Bangladesch spezialisiert hat. Seit 1989 unterstützt der Verein Menschen, die von Armut besonders betroffen sind, mit konkreten Selbsthilfe-Projekten in den Bereichen Ernährung, Bildung, Gesundheit und Menschenrechte. Hierfür arbeitet Netz e.V. partnerschaftlich mit qualifizierten, in der Bevölkerung verankerten Organisationen zusammen. http://www.bangladesch.org/

Die Zahl der staatlichen und privaten Universitäten des Landes beläuft sich laut Weltbank auf rund 80 Einrichtungen. Der Anteil der Bevölkerung mit höherer Bildung ist nach wie vor sehr gering. Schätzungen gehen davon aus, dass nur rund 12 Prozent aller Schulabgänger eine Universität besuchen.

Unternehmensbeispiele

CBS Consulting

Seit 2005 engagiert sich CBS Consulting als Partner für Bildungsprojekte in Bangladesch. Im Dorf "Uttar Gidari" entstand im Laufe von vier Jahren eine Dorfgrundschule für 180 Kinder. Nun unterstützt das Unternehmen ein weiteres Schulprojekt.
Link zum CBS-Projekt

Teaching Exchange Niedersachsen

In dem Kooperationsprojekt „Teaching Exchange" arbeiten Lehrer und Vertreter von außerschulischen Bildungsinstitutionen aus Niedersachsen und Bremen, Bangladesch, Brasilien, Südafrika und Tansania gemeinsam an der Erstellung eines Handbuches. Dieses Buch soll Lehrenden und Lernenden in Nord und Süd Ansätze Globalen Lernens im Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung vorstellen, Basisinformationen zu relevanten Weltthemen liefern, die unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichen sowie Anregungen für mögliche Lehr- und Lernreihen geben.
http://www.nibis.de/nibis.phtml?menid=2758

Metro Group

In Kooperation mit dem nationalen Verband der Textilfabrikanten (BKMEA) wird METRO im Juli 2010 eine Tagesstätte für 60 Kinder eröffnen. Neben der Aufsichtsfunktion legt die Einrichtung einen Schwerpunkt auf Erziehung und Lernen. Zusätzlich umfasst das Tagesstättenangebot auch Kurse für Mütter zu den Themen Gesundheitsvorsorge, Hygiene und Geburtenkontrolle.
http://www.metrogroup.de/servlet/PB/menu/1258080_l1/index.htm

Chancen und Risiken
Die Öffentlichkeit in Bangladesch hat erkannt, dass Bildung eine Chance für eine bessere Zukunft und Entwicklung des Landes ist. Bildung wird als eines der wichtigsten Aufgabengebiete anerkannt, und Engagement wird mit Wohlwollen registriert. Die Regierung in Dhaka hat auch erkannt, dass im Bereich Bildung große Defizite bestehen. Der Mangel an Facharbeitern verhindert zum Teil die geplante Ansiedlung ausländischer Investoren. Deutsche Firmen könnten daher ihre große Erfahrung im Bereich der beruflichen Bildung nutzen und sich auf diesem Feld engagieren.

Gesundheit

Eckdaten

  • Öffentliche Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP): 3,1% (2002)
  • Säuglingssterblichkeit: Total: 65 Tote / 1.000 Geburten (2004)
  • Müttersterblichkeit: über 300 Tote / 100.000 Geburten
  • Kinderunterernährung: 40% der unter 5jährigen (2005)
  • HIV/AIDS Verbreitung in der gesamten Bevölkerung: <1%
  • HIV/AIDS Erkrankte: 12.000 Erkrankte (2007)
  • Lebenserwartung: Gesamtbevölkerung: 62 Jahre (2003)

Die WHO verzeichnete 2007 nur geringe Fortschritte Bangladeschs bei der Erreichung der Millennium-Entwicklungs-Ziele mit Ausnahme der Reduzierung von Unterernährung bei Kindern und der Bereitstellung von Trinkwasser. Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und AIDS führen in Kombination mit der Unterernährung zu geringer Lebenserwartung. Frauen sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, im Kindbett durch Infektionen zu sterben.

Akteure

Grameen Kallyan
Grameen Kalyan ist eine Unterorganisation der Grameen Bank, die sich auf die Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Bangladesch spezialisiert hat. http://grameenkalyan.org/GK%20HOME.html

International Centre for Diarrhoeal Disease Research (ICDDRb)
Der International Centre for Diarrhoeal Disease Research bearbeitet durch Forschung und Trainings die dringendsten Probleme der medizinischen Versorgung, von der Geburtsmedizin bis hin zu Infektionskrankheiten.
http://www.icddrb.org/

Andheri-Hilfe e.V. Bonn
Die Andheri-Hilfe Bonn ist eine unabhängige Organisation der Entwicklungszusammenarbeit. Zurzeit fördert sie ca. 150 Projekte und Programme in Indien und Bangladesch zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der ärmsten Bevölkerungsgruppen. Die Schwerpunkte der Förderung liegen in den Bereichen Sozialarbeit, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der landwirtschaftlichen und lokalen Entwicklung.
http://www.andheri-hilfe.de/

BRAC
BRAC ist eine der größten nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen der Welt mit Aktivitäten in 64 Distrikten Bangladeschs, über 7 Millionen Mitgliedern der Mikrofinanzgruppe, knapp 40.000  Grundschulen und vielen freiwilligen Helfern. Insgesamt beschäftigt die NGO rund 120.000 Menschen, überwiegend Frauen. Zahlreiche Programme zur Mikrofinanzierung und Bildung werden zur Zeit in neun Ländern Asiens und Afrikas angeboten, die ca. 110 Millionen Menschen zu Gute kommen.
http://www.brac.net/

Gemeinsam mit der WHO hat die Regierung einen Aktionsplan für 2008 – 2013 in Angriff genommen, der die dringendsten Probleme in Angriff nehmen soll. Die Verseuchung des Grundwassers durch natürliche Arsenvorkommen im Boden bedroht laut WHO ca. 20 Mio. Menschen. Deshalb hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, die Versorgung mit Filtertechnologien weiter auszubauen.

Unternehmensbeispiele

BASF Grameen Ltd

BASF SE und Grameen Healthcare Trust haben im März 2009 das Joint Venture BASF Grameen Ltd. gegründet. Ziele des Unternehmens sind eine bessere Gesundheitsversorgung sowie der Aufbau von Geschäftsmöglichkeiten für Menschen aus armen Bevölkerungsschichten in Bangladesch. BASF Grameen Ltd. wird dazu mit zwei Produkten der BASF starten: Portionsbeutel mit Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung sowie beschichtete Moskitonetze zum Schutz vor krankheitsübertragenden Insekten.
http://www.basf.com/group/corporate/de/sustainability/economy/
social-business

Eine weitere Herausforderung sind die mangelhaften Qualitätsstandards in der lokalen Pharmaproduktion. Dies behindert den umfassenden Verkaufund Export von Generika, der Bangladesch wirtschaftliche Entwicklungschancen bieten könnte. Es bestehen gute Chancen für deutsche Unternehmen im Rahmen einer „Public Private Partnership“ (PPP) die Qualitätsstandards in Bangladesch zu verbessern und so neue Märkte zu erschließen.

Politische Mitwirkung

Die Politiklandschaft in Bangladesch ist für ausländische Akteure schwer zu durchschauen. Aktivitäten in diesem Bereich müssen gut überlegt werden und sollten nur mit etablierten Partnern wie lokalen Think Tanks durchgeführt werden, die keinem der beiden großen Parteiblöcke nahe stehen.

Auch internationale Organisationen können Neutralität garantieren. Lokale NGOs hingegen sind meist parteipolitisch vorbelastet. Deutsche Firmen sollten vermeiden, durch Zusammenarbeit mit solchen Partnern selbst in eine einseitige Position gerückt zu werden, denn dadurch könnte die Tätigkeit des Unternehmens auf Jahre hinaus erschwert werden.

Teilhabe

Eckdaten

  • Ethnische Zugehörigkeiten: Bengali 98%, andere 2% (Einschließlich Stammesangehörige und nicht-Bengali Muslime) (1998)

Bangladesch bemüht sich um die gesetzliche Gleichstellung der Frau und eine Garantie der Frauenrechte. Die Regierung verbietet die Diskriminierung von Frauen und fördert ihr Engagement in der Politik. Zwischen den formalen Rechten und der Lebensrealität der Frauen klafft trotzdem eine große Lücke. Oft werden die Rechte der Frauen sogar vor Gericht ignoriert.

Akteure

Bangladesh Human Rights Network
Das Netzwerk ist 2001 aus einem Workshop zur Nutzung neuer Medien für die Stärkung von Menschenrechten (“Effective Use of the Media and the Internet to Promote Human Rights) hervorgegangen und hat seither eine internetbasierte Plattform gegründet, die Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen öffentlich macht. http://www.banglarights.net/index.htm

Oxfam hat 2004 eine Kampagne für mehr Frauenrechte gestartet, nachdem bekannt wurde, dass laut UN knapp 50% aller Frauen in Bangladesch misshandelt werden und Opfer häuslicher Gewalt sind. Frauen haben eine weniger angesehene Stellung in der Gesellschaft, leiden unter üblichen Mitgift-Verpflichtungen und weisen höhere Sterblichkeitsraten durch Mangelernährung schon im Kindesalter auf.

Umwelt

Das Land ist durch den Klimawandel von Überflutungen, Dürren und Stürmen besonders betroffen. Darüber hinaus hat Bangladesch mit wachsenden Umweltproblemen zu kämpfen: Massive Abholzungen führen zu immer stärkerer Erosion. Das Grundwasser ist auf Grund natürlicher Vorkommen stark arsenverseucht, Flusswasser ist vielerorts bakterienverseucht. Für deutsche Unternehmen gibt es im Bereich Umwelt daher viele Ansatzpunkte für Engagements, zum Beispiel in Aufforstungsprogrammen, bei der Trinkwasseraufbereitung oder im Naturschutz.

Eckdaten

  • Emission CO2: 38,9 Millionen Tonnen (2005)
  • Emission CO2 pro Kopf: 0,25 Tonnen (2005)
  • Elektrizitätsverbrauch pro Kopf: 146,5 kWh
  • Wasserverbrauch pro Kopf (Haushalte/Industrie/Landwirtschaft): 220 l

Auch die Energiegewinnung stellt eine Belastung für die Umwelt dar: 50% der Energie in Bangladesch wird über die meist ineffiziente Verbrennung von Biomasse gewonnen. Dies entzieht dem Boden wichtige Nährstoffe und verringert dessen Fruchtbarkeit. Die Stromversorgung ist gleichzeitig mangelhaft: Nur etwa 40% der bangladesischen Bevölkerung hat Zugang zu Strom. Dort, wo Strom vorhanden ist, gibt es immer wieder Ausfälle. Fabriken sind auf Generatoren angewiesen. Im Bereich der dezentralen Energieversorgung und der erneuerbaren Energien bieten sich daher vielfältige Engagementmöglichkeiten für deutsche Unternehmen.

Akteure

Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ)
Die GTZ bietet mit dem Programm „Sustainable Energy for Development“ (SED) eine Anlaufstelle für Informationen und Kontakte. Zusammen mit dem Ministry of Power, Energy and Mineral Resource führt sie ein Projekt zur effizienten Nutzung der vorhandenen Energieressourcen und zur Verbreitung von Technologien für erneuerbare Energien durch. Unter anderem wird die Ausstattung mit Solar Home Systems im ländlichen Raum gefördert. http://www.gtz.de/en/praxis/1574.htm

Außerdem können deutsche Unternehmen Druck auf lokale Produzenten von Industrie, Agrar-, und Fischereiprodukten in ihrer Lieferkette ausüben, die bisher nicht nachhaltig und umweltschonend produzieren. So kann die Produktqualität verbessert und Imageschäden von deutschen Unternehmen abgewendet werden, etwa wenn auf die Verwendung von Antibiotika in der Garnelenproduktion verzichtet wird.

Unternehmensbeispiele

Lanxess

In einem Dorf südlich von Dhaka startete LANXESS zusammen mit Studenten der Universität Cottbus 2006 das Projekt „Wasserreinigung in Bangladesch". Die eigens dafür entwickelten Filtersysteme sind einfach zu bedienen, müssen nicht gewartet werden und reinigen das Wasser schnell und kostengünstig.
http://www.lanxess.de/de/wasser/trinkwasser-aufbereitung

Bio-Lebensmittelhersteller, die Mitglied in Verbänden wie Naturland http://www.naturland.de/) sind, garantieren die Rückverfolgbarkeit ihrer Wareneinkäufe und somit eine hohe Produktqualität. Das gilt auch für Meeresfrüchte aus ökologischen Aquakulturen in Bangladesch.

 

Daten & Fakten

Land: Volksrepublik Bangladesh
Hauptstadt: Dhaka
Fläche: 147.570 qkm
Bevölkerung: 161 Millionen
Wirtschaftssystem: Marktwirtschaft
Politisches System: Parlamentarische Demokratie mit reinem Mehrheitswahlrecht
Arbeitslosenquote: 2,9% (2009 est.)
Inflationsrate (CPIX): 5,1% (2009 est.)
BIP: 89,4 Mrd. USD
BIP/Kopf: 506 USD nominal
Religionen: Muslime circa 90%, Hindus circa 9%, Buddhisten circa 0,6%, Christen circa 0,3%, Ismailiten circa 0,1% (alle Zahlen Schätzungen)
HDI: Rank: 146 (2009)
CPI: 139 (2009)
BTI: Status Index: Rang 63 von 128; Management Index: Rang 68 von 128 (2010)