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Marokko
CSR-Stellenwert
In Marokko, einem Land auf mittlerem Entwicklungsstand (HDI: Position 130), steht gesellschaftliches Engagement bisher nur bei einzelnen lokalen Unternehmen auf der Tagesordnung. Im Allgemeinen schenkt die Öffentlichkeit CSR nur wenig Aufmerksamkeit.
Ausländische Investoren übernehmen mit ihrem sozialen Engagement hingegen eine Vorbildfunktion. Sie tragen zur wachsenden Bekanntheit des Themas bei. Vor allem französische Unternehmen sind zahlreich auf dem marokkanischen Markt vertreten. Von deutscher Seite sind unter anderem Siemens, Bayer, BASF, Beiersdorf, Lufthansa und TUI seit vielen Jahren im Marokko ansässig.
Marokko bietet viele Ansatzpunkte für CSR-Projekte. Ein Schwerpunkt ist bislang die Verbesserung der beruflichen Bildung. Deutsche Firmen haben erkannt, dass die Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter eine Notwendigkeit ist, da das marokkanische Ausbildungssystem nicht ausreichend viele Fachkräfte hervorbringt. Deutsche Unternehmen können zusätzlich ihre Erfahrung beispielsweise in der Umwelttechnik, in der Wasseraufbereitung oder bei erneuerbaren Energien nutzen.
Aber auch die politischen Akteure forcieren die Angleichung an europäische Unternehmensstandards und Vorschriften, da die marokkanischen Exporte – vor allem Textilien, Schuhe und Lebensmittel - nur so wettbewerbsfähig bleiben. So haben die Nachbarschaftspolitik der Europäischen Union sowie die Vorbereitungen auf die Freihandelszone ab 2012 großen Einfluss auf die marokkanische Wirtschaft. Durch den Sog des europäischen Marktes wird verantwortliche und nachhaltige Unternehmensführung zu einem Leitbild der marokkanischen Wirtschaft.
Auch internationale Organisationen fördern das Bewusstsein für CSR: Das „MENA Responsible Business Forum“ ist eine Initiative des “MENA-OECD Investment Programme”. Ziel ist es, die Regierungen der Region Rahmenbedingungen beim Schaffen von Rahmenbedingungen zu unterstützen, die Investitionen in Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Entwicklung fördern. Gefördert wird das Programm unter anderem von InWent, dem UN Development Programme, der Weltbank und der Bertelsmann Stiftung.
Bei der Anpassung an internationale Standards („mise à niveau“) unterstützen Mittler wie die GTZ Unternehmen in Rahmen von „Public Private Partnerships“. So hat die GTZ beispielsweise eine Marktstudie für die Firma Argand’Or GmbH erstellt, die handgepresstes Arganöl in Partnerschaft mit Frauenkooperativen traditionell herstellt.
CSR-Verständnis
Wie in allen islamischen Gesellschaften wird auch in Marokko von wohlhabenden Familien und Unternehmen erwartet, dass sie sich in mildtätigen Projekten engagieren. Daher wird CSR vor allem als Philanthropie verstanden. Das gilt in der Regel nur für muslimische Unternehmen.
König Mohammed VI betonte anlässlich einer nationalen Investitionskonferenz (Intégrales de l'Investissement) 2005 die Verpflichtung zu einer sozial verantwortlichen, umweltverträglichen Wirtschafts- und Wachstumspolitik. Seither wurden unterstützende Maßnahmen eingeführt: Der Unternehmerdachverband CGEM vergibt etwa eine Auszeichnung für Firmen, die sich ihrer sozialen Verantwortung stellen und Grundsätze nachhaltigen Wirtschaftens beachten (Label CGEM). Der marokkanische Verband der Textil- und Bekleidungsunternehmen verleiht ebenfalls eine Auszeichnung (fibre citoyenne).
Erwartung an Unternehmen
Von staatlicher Seite besteht eine Erwartung gegenüber deutschen Firmen, dass sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Diese wird häufig nur indirekt geäußert. Unternehmen werden in ihren CSR-Vorhaben durch Preise und Wettbewerbe der Regierung ausgezeichnet.
Deutsche Unternehmen genießen einen gut Ruf in der Berufsausbildung. In Marokko herrscht ein Fachkräftemangel, so dass Unternehmen häufig selbst ausbilden müssen. Hier bringen deutsche Unternehmen ihre Erfahrungen mit dem dualen Ausbildungssystem in Deutschland ein. Das Land leidet zudem unter einer hohen Analphabetenrate von rund 48 Prozent. Zwar hat die Regierung eine Bildungsreform verabschiedet. Es lohnt sich jedoch für deutsche Unternehmen zusätzlich in Bildung von Mitarbeitern oder Jugendlichen zu investieren.
Zudem erwarten deutsche Konsumenten verantwortungsbewusstes Handeln von Unternehmen im Rahmen der Wertschöpfungskette. Ein starker Treiber von unternehmerischer Verantwortung von deutschen Unternehmen sind daher internationale Verhaltenskodexe wie der „BSCI Code“ in der Textilindustrie (Business Social Compliance Initiative).
Rahmenbedingungen
Staatliche Regulierungen - Umsetzung übergeordneter Referenztexte
ILO
Marokko hat sieben der acht ILO-Kernarbeitsnormen ratifiziert. Nur das Übereinkommen „Nr. 87: Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechtes“ aus dem Jahr 1948 hat Marokko bislang nicht ratifiziert.
Tatsächliche Umsetzung
Beseitigung der Zwangsarbeit
Konkrete Informationen über Zwangsarbeit in Marokko stehen nicht zur Verfügung. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass unter Migranten aus anderen afrikanischen Staaten, die in Marokko keine Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, illegale Aktivitäten wie Prostitution und Zwangsarbeit in Verbindung mit Menschenhändler-Ringen vorkommen.
Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
Es steht fast allen Beschäftigten in Marokko frei, Gewerkschaften ohne vorherige Genehmigung zu gründen beziehungsweise ihnen beizutreten, obwohl dabei umständliche administrative Verfahren zu durchlaufen sind. Angehörige der Justiz, Heim- und Landarbeiter fallen nicht unter das Arbeitsgesetz, daher dürfen sie keine Gewerkschaften gründen. Das Recht der einzelnen Organisationen auf die ungehinderte Wahl ihrer Vertreter wird durch die Bestimmung eingeschränkt, dass Gewerkschaftsfunktionäre die marokkanische Staatsangehörigkeit besitzen müssen. Es besteht ein Nationaler Gewerkschaftsbund „Union Marocaine du Travail“ (UMT) sowie zwei weitere Gewerkschaftsvereinigungen. Das Arbeitsgesetz untersagt es, Beschäftigte aufgrund ihrer Beteiligung an legitimer gewerkschaftlicher Organisierungsarbeit zu entlassen und die Gerichte sind befugt, die Wiedereinstellung willkürlich entlassener Beschäftigter anzuordnen. Sie können die Arbeitgeber zudem anweisen, eine Entschädigung sowie ausstehende Löhne und Gehälter zu zahlen.
Das Recht auf Tarifverhandlungen wird im Arbeitsgesetz anerkannt, aber nur die "repräsentativste" Gewerkschaft, die mindestens 35 % aller auf Betriebsebene gewählten Arbeitnehmerdelegierten vertritt, ist zu Tarifverhandlungen berechtigt. Das Gesetz legt nicht ausdrücklich fest, ob bestimmte Kategorien von Beschäftigten im öffentlichen Dienst (Lehrkräfte, Gefängnispersonal oder ähnliche) Tarifverhandlungen führen dürfen.
Das Streikrecht ist in der Verfassung (Art. 14) verankert, wobei jedoch einige Einschränkungen gelten, unter anderem besteht eine gesetzliche Pflicht zur Schlichtung. Nach den gesetzlichen Regelungen kann die Entscheidung zu einem Streik entweder durch die Gewerkschaft oder - wenn die Mehrzahl der Beschäftigten nicht in der Gewerkschaft vertreten ist - durch die Belegschaft (2/3-Mehrheit) getroffen werden. Außerdem muss der Unternehmer sieben Tage vor Streikbeginn unterrichtet werden. Im Bereich der lebensnotwendigen Dienstleistungen ist Streik verboten. Darüber hinaus können Beamte bestraft werden, wenn sie sich an Arbeitsniederlegungen beteiligen.
Abschaffung der Kinderarbeit
Der Anteil der Kinder unter 15 Jahren an der Bevölkerung beträgt rund 30%. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums beträgt der Anteil der arbeitenden Kinder (7-14 Jahre) unter den Jungen 13,5 %, unter den Mädchen 12,8 %. Der Großteil der Beschäftigung erfolgt in der Landwirtschaft (ca. 60%), gefolgt von Industrie und Dienstleistungen.
Bezahlte Kinderarbeit ist in Marokko illegal, und das Gesetz verbietet die Beschäftigung von unter 15-Jährigen. Dennoch lassen in den Städten viele tausend Familien die Hausarbeit von kleinen Mädchen („petites bonnes“) erledigen, von denen manche erst fünf Jahre alt sind. Die Hauptursachen von Kinderarbeit sind die Armut der Familien sowie Traditionen und eine mangelhafte Schulbildung (vor allem der Mädchen). Der marokkanischen Regierung ist das Problem bewusst, sie plant einen Gesetzentwurf, der die Anstellung von Kindern im Haushalt generell verbieten soll. Gleichzeitig wurde ein »Nationaler Aktionsplan« beschlossen, der in den nächsten zehn Jahren Schulprogramme initiieren und arme Familien finanziell unterstützen soll. Darüber hinaus hat sich auch Prinzessin Lalla Meryem, die älteste Schwester von König Mohammed VI, des Problems der Kinderarbeit in Marokko angenommen. Ein Kinderparlament befasst sich mit Missbrauch und der Ausbeutung von Kindern.
Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf
Art. 8 der marokkanischen Verfassung garantiert Männern und Frauen gleiche politische Rechte. Dennoch sind Frauen im islamischen Marokko gesellschaftlich schlechter gestellt als Männer und beispielsweise nur vereinzelt als Unternehmerinnen geschäftlich aktiv. Gleichwohl befindet sich Marokko in einem gesellschaftlichen Modernisierungsprozess. Die rechtliche, aber auch die tatsächliche Situation von Frauen hat sich vor allem durch die Reform des Familienrechts (Mudawana) 2004 deutlich verbessert. Mit einer nationalen Strategie für die Gleichberechtigung der Geschlechter strebt Marokko die Reduzierung beziehungsweise Beseitigung der Diskriminierung von Frauen an. Weitere Fortschritte für die Vertretung und die Sichtbarkeit von Frauen in der Öffentlichkeit folgten: Im Kabinett gibt es drei Ministerinnen und zwei Staatsministerinnen, im Parlament sind zehn Prozent der Sitze für Frauen reserviert.
Wirtschaftsinitiativen - CSR-Instrumente der Wirtschaft
GLOBAL COMPACT-Netzwerk
Seit 2006 hat Marokko ein Global Compact Netzwerk, das derzeit 24 Mitglieder hat.
http://www.unglobalcompact.org/NetworksAroundTheWorld/
local_network_sheet/MA.html
Ansprechpartner vor Ort
Herr Saad Filali Meknassi
pactemondialmaroc (at) menara (dot) ma
Handlungsfelder
Armut
Eckdaten
- Durchschnittliche Lebenserwartung: Gesamtbevölkerung: 75,47 Jahre; Männlich 72,42 Jahre; Weiblich 76,68 Jahre (geschätzt für 2009)
- Säuglingssterblichkeitsrate: 29,75 Tote auf 1,000 Lebendgeburten; Jungen 34,77 Tote/1.000 Lebendgeburten; Mädchen 24,49 Tote/1.000 Lebendgeburten (geschätzt für 2009)
- Unterernährung: 6% (2006)
- Zugang zu sauberem Wasser: 81%
- Zugang zu sanitären Einrichtungen: Ländliche Bevölkerung 54 %, Stadt 85 % (2006)
- Human Poverty Index: Rang 97 (2007)
- Gini Index: 40.9 (1992 – 2007)
- Bevölkerung unter der Armutsgrenze: 15 % (2007)
Die Europäische Union schreibt in ihrem Strategiepapier aus dem Jahr 2007 für die Zusammenarbeit mit Marokko bis 2013, dass die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Armut, von der 15% der Bevölkerung betroffen sind, nicht allein durch höheres Wirtschaftswachstum erreicht werden kann. Eine gezielte Förderung der Beschäftigung liegt auch im Interesse der Migrationspolitik der EU, die so hofft, die Abwärtsspirale aus schwachem Wirtschaftswachstum – Arbeitslosigkeit – Armut - Migration zu durchbrechen.
Akteure
Initiative Nationale pour le Développement Humain – INDH
Die nationale Initiative für menschliche Entwicklung unterstützt lokale Entwicklungsprojekte, fördert Gemeinden, Sozialarbeiter und partizipative Organisationen in ihrer Umsetzungskompetenz und unterhält ein Netzwerk von Experten.
http://www.indh.ma/fr/index.asp
Agence nationale pour la promotion de la petite et moyenne entreprise
Die nationale Agentur für kleine und mittelständische Unternehmen unterstützt Unternehmen und Förderorganisationen in ihrem Modernisierungsprozess.
www.anpme.ma
Yamana
Das “Fibre Citoyenne Programm” unterstützt Entscheidungsträger im Textilsektor ihre Aktivitäten sozial und ökologisch nachhaltig zu gestalten. Yamana ist die ausführende Organisation des Programms.
http://www.fibrecitoyenne.org/index.php?id=12&L=1
Moroccan Association of Textile and Clothing Industries (AMITH)
AMITH ist der Verband der Textilindustrie und somit Ansprechpartner für Projekte in diesem Sektor
http://www.textile.ma/
Engagementmöglichkeiten
- Deutsche Unternehmen können sich noch stärker als Investoren engagieren und so Arbeitsplätze schaffen. Auch eine Erhöhung der Fertigungstiefe bei produzierenden Unternehmen oder eine verstärkte Einbeziehung lokaler Anbieter durch deutsche Handelshäuser unterstützt den Abbau von Arbeitslosigkeit.
- Auch durch die Erschließung neuer Wirtschaftssektoren (zum Beispiel: Ökotourismus, Solarenergie) kann ein Beitrag zu mehr Beschäftigung und damit Armutsminderung geleistet werden. Die KfW engagiert sich bereits im Rahmen des „Plan d’Electrification Rurale Globale” (PERG) zur Anbindung der ländlichen Gegenden an das Stromnetz.
Unternehmensbeispiele
Metro AG
Seit Ende 2007 gibt es ein PPP-Projekt zwischen der GTZ und dem deutschen METRO Konzern zur Qualifizierung lokaler Anbieter mit dem Ziel der Verbesserung von Lebensmittelstandards und besserer Hygiene. Langfristig sollen dadurch auch Lebensmittelexporte in die EU gestärkt werden.
http://www.gtz.de/en/aktuell/21789.htm
Argand’Or GmbH
Die Firma Argand’Or GmbH bezieht das Rohöl aus dem Arganie-Baum von den Mitgliedern der „Union des Coopératives des Femmes de l’Arganeraie“. Unter diesem Dach haben sich Berberfrauen, die die Fertigkeit der Herstellung von handgepresstem Arganöl beherrschen, in Kooperativen zusammengeschlossen. Rund 23 Kooperativen mit 1.000 Frauen organisieren auf diese Weise die Bewirtschaftung der Arganbäume, die Ernte, die Lagerung und die Produktion und sorgen so für den Lebensunterhalt von zirka 6.000 Personen.
http://www.argandor.de/soziale-verantwortung.html
COGNIS GmbH
Auch das Spezialchemieunternehmen Cognis kauft sein Arganöl bei Frauenkooperativen. Das Unternehmen hat ein umfangreiches Projekt aufgesetzt, das nicht nur Fair-Trade-Richtlinien enthält, sondern auch Trainings für die Kooperativen sowie ein medizinisches und kulturelles Programm.
http://www.cognis.com/company/Company/Sustainability/
Sustainability+put+into+practice/Argan+Case+Study/Argan+Case+Study.htm
Bildung
König Mohammed VI hat in seiner Thronrede 2007 den Bereich der Bildung als „point noir“ beschrieben, also als Schwachstelle. Sämtliche marokkanische Regierungen haben beträchtliche Mittel für das Bildungssystem bereitgestellt. Dennoch liegt die Analphabetenrate der über 15-Jährigen bei 48%. In ländlichen Gebieten und unter Frauen und Mädchen ist der Anteil noch höher.
Eckdaten
- Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (Anteil am BIP): 6% (2006)
- Schulpflicht: 7 – 13 Jahre
- Einschulungsquote: 92% (2008)
- Alphabetisierung (Definition: ≥15jährige können lesen und schreiben): 52% (2006)
- HDI Education Index. Rang 149, 0.563 (1 = max., 0 = keine Bildung)
Im Jahr 1999 hatte sich die Regierung eine 100prozentige Einschulungsquote bis 2002 zum Ziel gesetzt. Allerdings hat man das Ziel bis heute nicht erreicht: Immerhin werden 92 Prozent der 6jährigen in einer Grundschule angemeldet (2008). Bei der sekundären Schulbildung liegen die Anteile erheblich niedriger: Nur 37 Prozent der Jungen und 32 Prozent der Mädchen sind an weiterführenden Schulen eingeschrieben.
Ein großer Pluspunkt ist, dass die Schulen kostenlos sind. Gerade im ländlichen Raum müssen Kinder jedoch oft weite Strecken bis zur nächsten Schule zurücklegen, was sie vom Schulbesuch abhält. Die Schulen und Universitäten haben zudem den Ruf, wenig auf die Berufspraxis und den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Unterricht in der Grundschule wird auf Arabisch abgehalten, in den weiterführenden Schulen ist Französisch die Unterrichtssprache. In den letzten Jahren ist auch die Berbersprache Amazigh als Unterrichtssprache eingeführt worden, um die Sprachbarriere für Grundschüler zu senken.
Akteure
Marokkanisches Bildungsministerium
http://www.men.gov.uk/
Syndicat National de l'enseignement Supérieur (SNESUP)
Der Hochschulverband vertritt die Interessen seiner Mitglieder bei der Reform und der Entwicklung des Hochschulwesens.
E-Mail: snesup.maroc (at) gmail (dot) com
Tél/Fax: 00 212 (0) 537 77 60 74
http://www.snesup.ma/contact.html
Die staatlichen Universitäten sind zwar kostenlos, jedoch überfüllt und schlecht ausgestattet. Gleichzeitig bietet der marokkanische Arbeitsmarkt zu wenige Arbeitsplätze für Akademiker, die daher häufig ins Ausland emigrieren . Um diesem Missstand entgegen zu wirken, wurde eine Universitätsreform umgesetzt, die die Studieninhalte angepasst, die Studiendauer verkürzt und die Anpassung an internationale Abschlüsse erreicht hat.
Unternehmensbeispiele
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
Die GTZ unterstützt die marokkanische Regierung bei der Einführung einer praxisorientierten Erstausbildung junger Menschen (mehrheitlich Frauen) in Berufen der Textil- und Bekleidungsindustrie und im Tourismus. Ziel ist es, dem Land bei der Vorbereitung auf die 2012 beginnende Freihandelszone mit der EU bei der Verbesserung der Bildungsstandards zu helfen. Der Fokus liegt hierbei auf der Einführung der dualen Ausbildung.
http://www.gtz.de/de/weltweit/maghreb-naher-osten/marokko/6409.htm
Robinson Club
Der «Robinson Club» in Agadir beteiligt sich an dem von der GTZ geförderten Vorhaben zur Reform der beruflichen Bildung (FPMT). Damit bildet er auch eigene Nachwuchskräfte weiter. Qualifiziertes Personal sind die Basis eines hochwertigen Dienstleistungsangebots und damit entscheidend für den Geschäftserfolg des Unternehmens.
http://marokko.com/index.php?option=com_content&view=article&id=147:robinson-club-in-agadir&catid=90:ihk-casablanca-informiert&Itemid=203
Der Mangel an qualifizierten Facharbeitern ist ein wesentliches Hemmnis für die Entwicklung der marokkanischen Wirtschaft. Für Marokko ist eine stärkere Orientierung der beruflichen Bildung an den Anforderungen des Arbeitsmarkts und den Erwartungen der Unternehmen eine zentrale Herausforderung. Die Erfahrungen Deutschlands mit dem dualen kooperativen System der Berufsbildung werden im Land daher sehr geschätzt. Ausländische Unternehmen wie Renault oder der Robinson Club Agadir haben angefangen, eigene Schulen einzurichten, um ihr Personal selbst zu qualifizieren.
Gesundheit
Laut einer Studie von Germany Trade and Invest (gtai) kann das Gesundheitswesen in Marokko bisher im internationalen Vergleich nicht mithalten. Auf einen Arzt kommen durchschnittlich 1.800 Menschen, in ländlichen Gegenden kann diese Zahl auf 3.330 steigen. Es gibt zwar ausreichend Mediziner, die jedoch aufgrund des Geldmangels im Gesundheitssystem und des dadurch bedingten Stellenmangels arbeitslos sind.
Eckdaten
- Öffentliche Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP): 1,7 % (2004)
- Medizinische Versorgung: 1 Arzt pro 1.800 Einwohner
- Durchschnittliche Lebenserwartung: Gesamtbevölkerung: 75,47 Jahre; Männlich 72,42 Jahre; Weiblich 76,68 Jahre (geschätzt für 2009)
- Säuglingssterblichkeitsrate: 29,75 Tote auf 1,000 Geburten; Jungen 34,77 Tote/1.000 Lebendgeburten; Mädchen 24,49 Tote/1.000 Lebendgeburten (geschätzt für 2009)
- Müttersterblichkeit: 230 auf 100.000 Lebendgeburten
- Kinderunterernährung: 10% (2000 – 2006)
- HIV/AIDS Prävalenz Rate (>15 Jahre): 0,1 % (2007)
- HIV/AIDS Erkrankte: 21.000 (2007)
- HIV/AIDS Tote: weniger als 1.000 (geschätzt für 2007)
- Lebenserwartung: Gesamt 75,5 Jahre, männlich 72,4 Jahre, weiblich: 78,7 Jahre (geschätzt 2009)
Die Versorgung mit Krankenhäusern ist ebenfalls unzureichend: Es existieren nur 4 Universitätskliniken: in Casa, Rabat, Marrakesch und Fès. Provinzkrankenhäuser erreichen ungefähr 4 % der Bevölkerung. 95 % der Bevölkerung, vor allem auf dem Lande, sind auf eine Basisversorgung durch Ambulanzstationen angewiesen, die nur mit Krankenschwestern besetzt sind.
Die Müttersterblichkeit ist in Marokko hoch: 230 Frauen sterben je 100.000 Geburten, auf dem Land liegt diese Zahl bei rund 270. Zum Vergleich: im Nachbarland Algerien liegt die Zahl bei 140. Auch die Säuglingssterblichkeit ist hoch: In Marokko sterben durchschnittlich 30 Babys bei 1.000 Geburten. Grund ist vor allem eine unzureichende Betreuung bei Geburten.
Akteure
Association Marocaine de L’ Industrie Pharmaceutique
Der marokkanische Verband der Pharmaindustrie entwickelt Industriestandards und Leitlinien, auch im ökologischen und sozialen Bereich, und erstellt Studien und Informationsmaterialien für den Sektor.
http://www.amip.ma
Marokkanisches Gesundheitsministerium
http://www.sante.gov.ma
Seit Ende 2005 wurde stufenweise eine gesetzliche Versicherungspflicht eingeführt, um Gesundheitsfürsorge für alle erschwinglich zu machen und die Modernisierung des Systems zu finanzieren. Zudem hat die Regierung den Neubau von 28 Krankenhäusern sowie die Einrichtung von Notfallzentralen geplant. Dafür stellt sie etwa 450 Mio. Euro zur Verfügung.
Quelle: Deutsch-marokkanische Gesellschaft, Deutsche Botschaft, Rabat
Teilhabe
Eckdaten
- Frauenanteil an den Beschäftigten: 38,2 %
- Ethnische Gruppen: Araber-Berber 99,1%, andere 0,7%, Juden 0,2%
Vor dem marokkanischen Gesetz sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Die Bildung von Mädchen hat sich in den letzten Jahrzehenten verbessert, Frauen sind inzwischen in allen Bereichen der Wirtschaft zu finden. Deutsche Unternehmen in Marokko müssen sich jedoch darauf einstellen, dass die Gesellschaft nach wie vor von einer traditionellen Rollenverteilung geprägt ist. Frauen stehen traditionell hinter ihrem Ehemann zurück und sind für Haushalt und Familie verantwortlich.
Akteure
Association de Femmes Chefs D’ Entreprises Du Maroc
Der Verband der Unternehmerinnen in Marokko unterstützt Unternehmerinnen und vertritt ihre Interessen in der Öffentlichkeit.
Arbeitgeberverband weiblicher Führungskräfte
http://www.afem.ma
Azalay e.V.
Hilfe zur Erhaltung der nomadischen Lebensform. Azalay e.V. unterstützt existenzbedrohte Nomadenpopulationen in der marokkanischen Sahara
http://www.azalay.de
Secrétariat d'Etat auprès du Ministre du Développement Social, de la Famille et de la Solidarité
Staatsekretär für Familien, Kindheit und Behinderte
http://www.sefsas.gov.ma
Tränenmond e.V.
Tränenmond e.V. unterstützt das Frauenhaus Oum el Banine in Agadir, das Lehmhüttendorf Igraar am Rande der Sahara und das Kinderschutzzentrum in Agadir.
http://www.traenenmond.de/
Deutsche Unternehmen können zu einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben beitragen, indem sie gleichen Lohn für gleiche Arbeit bezahlen, Eigeninitiative fördern und Mitarbeiterinnen in Führungspositionen einsetzen. Internationale Firmen tragen so zum Abbau alter Rollenbilder bei und zeigen Wege zur Gleichstellung auf.
Umwelt
Die Herausforderungen im Umweltschutz in Marokko sind vielfältig: Bekämpfung der Wüstenbildung, Schutz bedrohter Lebensräume wie etwa Oasen, Schutz der Wasserressourcen und Abfallmanagement. Das Bewusstsein für diese Themen ist in der Gesellschaft wenig ausgeprägt, die Politik steht in den meisten Fragen noch am Anfang.
Eckdaten
- Emission CO2: 0,2% vom Weltgesamtausstoß (2006)
- Emission CO2 pro Kopf: 1,47t (2006)
- Energieverbrauch: 20,78 Mrd. kWh (2007 est.)
- Energieverbrauch pro Kopf: ca. 715 KWh (2009)
- Wasserverbrauch total: 12,6 km3/Jahr (Haushalte 10%/ Industrie 3%/ Landwirtschaft 87%):
- Wasserverbrauch pro Kopf: 400 m3/Jahr (2000)
Internationale Firmen in Marokko sind daher wichtige Impulsgeber für Umweltengagement. Schwerpunkte liegen bislang in der fachgerechten Entsorgung von umweltgefährdenden Abwässern oder Abfällen sowie im Recycling von Verpackungsmaterialien oder Altgeräten etwa in der Elektronikindustrie. Aber auch beim nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft oder Boden können deutsche Unternehmen ihre Kompetenzen nutzen und sich vorbildhaft engagieren. Internationale Unternehmen, die bereits verantwortlich arbeiten und die weltweit gültigen Standards einhalten, fordern einen stärkeren gesetzlichen Rahmen sowie eine bessere Kontrolle der Umsetzung von Regulierung.
Unternehmensbeispiele
Bayer CropScience
Bayer CropScience Maroc plant zusammen mit GTZ-Umweltprogramm und marokkanischen Umweltministerium ein Projekt zur sachgerechten Entsorgung von Pestizidverpackungen.
http://www.bayercropscience.com/bcsweb/cropprotection.nsf/
id/20080207_EN
Hewlett Packard
Hewlett Packard unterstützte ein Forschungsprojekt zum Thema Recycling von Elektroschrott, das unter anderem auch in Marokko durchgeführt wurde.
http://www.empa.ch/plugin/template/empa/3/63914/---/l=1
Holcim und GTZ
Der Zementhersteller Holcim Maroc hat mit der GTZ Standards dafür entwickelt, wie Abfälle und Giftmüll sicher in Zementöfen verbrannt werden können.
http://www.gtz.de/de/aktuell/16454.htm
Die GTZ führt mehrere Projekte zum Umweltschutz, zu erneuerbaren Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz in Zusammenarbeit mit internationalen Firmen und dem marokkanischen Energieministerium durch. Die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) ist im Rahmen der Exportinitiativen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz aktiv.
Akteure
Observatoire National pour l’Environnement – ONE
Die nationale Umweltwarte erhebt und vermittelt Informationen zum Zustand der Umwelt in Marokko.
http://www.minenv.gov.ma/onem/index.asp
Réseau pour la conformité et la mise en vigueur de la législation environnementale – NECEMA
Netzwerk für die Einführung und Einhaltung des Umweltrechts.
http://www.inece.org/mena/necema/
Biota Africa
Biota Africa ist ein Forschungsverbund zum Thema Biodiversität auf dem afrikanischen Kontinent.
http://www.biota-africa.org/aboutus_struc_ba.php?Page_ID=L900
Die Erschließung neuer Wirtschaftssektoren wie Ökotourismus und Solarenergie kann ebenfalls einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die KfW Bank engagiert sich bereits in der Zusammenarbeit im Rahmen des „Plan d’Electrification Rurale Globale” (PERG) zur Anbindung der ländlichen Gegenden an das Stromnetz.
Daten & Fakten
Weiterführende Links
- BTI Länderinformationen Marokko
- Confédération des Entreprises du Maroc
- Deutsch-Arabische Gesellschaft e.V.
- Deutsch-Marokkanische Gesellschaft e.V.
- Deutsch-Marokkanisches Kompetenznetzwerk
- Deutsche Botschaft, Rabat
- Deutsche Industrie- und Handelskammer in Marokko
- GTZ Büro in Rabat
- Human Development Index - Länderinformationen Marokko
- KfW Länderinformationen Marokko
- Länderinformationen Marokko des Auswärtigen Amts Berlin
- Länderinformationen Marokko des BMZ
- MENA Responsible Business Conduct Forum
- Moroccan Code of Good Corporate Governance Practices
- Nationale Kommission für Governance
- UNDP Büro in Marokko
Weiterführende Studien
- Wuppertal Institut für Klima (2006): Clean Development Mechanism - Länderprofil Marokko, PDF 1 MB
- Melsa Ararat (2006): Corporate Social Responsibility across Middle East and North Africa, PDF 5 MB
- Europäische Kommission (2007) Marokko: Strategiepapier 2007-2013, PDF 206 KB
- Morocco - National study´s summary: Centre de Développement des Energies Renouvelables (2007) Energy Efficiency and Renewable Energy, PDF 364 KB
